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Paketbomben aus Jemen: Ex-Terrorist gab entscheidenden Tipp

Ex-Terrorist gab entscheidenden Tipp auf Paketbomben

02.11.2010, 08:17 Uhr | dpa, dapd, AFP

Paketbomben aus Jemen: Ex-Terrorist gab entscheidenden Tipp. Der Ex-Terrorist Jaber al-Faifi gab den entscheidenden Hinweis auf die Paketbomben in der Luftfracht (Foto: AP)

Der Ex-Terrorist Jaber al-Faifi gab den entscheidenden Hinweis auf die Paketbomben in der Luftfracht (Foto: AP)

Offenbar hat ein ehemaliger Guantanamo-Häftling den entscheidenden Tipp auf die Paketbomben in zwei Frachtflugzeugen gegeben. Der Mann mit dem Namen Jaber al-Faifi habe sich vor zwei Wochen den saudi-arabischen Behörden gestellt, zitierte der Sender BBC britische Regierungskreise. Dennoch konnten die Anschläge wohl nur mit viel Glück vereitelt werden.

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Al-Faifi habe den Behörden in Saudi-Arabien Details über den Plan von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel berichtet. Die US-Behörden waren von Saudi-Arabien über die Paketbomben informiert worden, die in Frachtmaschinen in Großbritannien und Dubai sichergestellt wurden. Eine davon war zuvor in Köln-Bonn bei einer Zwischenlandung umgeladen und nicht entdeckt worden. Sie konnte jedoch nach einem Hinweis der deutschen Sicherheitsbehörden in Großbritannien abgefangen werden.

Der etwa 35 Jahre alte al-Faifi soll sich vom Terrorismus abgewendet haben, nachdem er im Jemen beobachtet habe, wie Angehörige des Terrornetzes Al-Kaida im Kampf gegen die Sicherheitskräfte Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchten. Der Zeuge gehört zu einer Gruppe von Terrorverdächtigen, die im Dezember 2006 das US-Gefangenenlager Guantanamo verlassen durften. Sie wurden in ein Rehabilitierungszentrum für Ex-Terroristen in Saudi-Arabien geschickt.

Sollten Bomben an Bord explodieren?

Nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise waren die abgefangenen Paketbomben voll funktionsfähig und hätten erheblichen Schaden anrichten können. "Wir gehen davon aus, es hätte funktioniert", hieß es. Der selbst für Spürhunde nicht zu riechende Sprengstoff wurde in Toner-Kassetten von Druckern eingebaut. Es gab einen sehr ausgeklügelten Zündmechanismus, Teile von Handys seien verwendet worden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Die beiden abgefangenen Bomben enthielten 300 beziehungsweise 400 Gramm des Sprengstoffs. Hoch professionell sei das präpariert gewesen, sagten deutsche Regierungsvertreter

Nicht bestätigt wurden Medienberichte, wonach die für Chicago aufgegebenen Bomben bereits an Bord der Frachtmaschinen explodieren sollten. "Wir haben definitiv noch keine belastbaren Erkenntnisse, dass diese Fracht hätte in der Luft explodieren können", hieß es in Berliner Kreisen. Geklärt werden solle jetzt, ob mit den Paketbomben ein Transportweg ausgetestet werden sollte oder ob direkt ein Anschlag geplant war.

Ermittler kritisieren britische Behörden

Weniger professionell scheint die internationale Zusammenarbeit bei der Aufdeckung des Terror-Komplotts gelaufen zu sein. Von der ersten offiziellen Stellungnahme aus Großbritannien erfuhr die Bundesregierung dem Vernehmen nach erst am Samstagnachmittag aus der Presse. Die Briten seien zwar schon aus Dubai über die Paketbomben informiert worden. Sie hätten aber erst reagiert, nachdem es Hinweise aus Deutschland gab. Als "überraschend" habe es die deutsche Seite empfunden, dass sich die Briten nicht gemeldet hätten.

Die Bundesregierung zeigte sich alarmiert und verhängte derweil ein Flugverbot für alle Maschinen aus dem Jemen. Denn es ist unklar, ob die heiße Fracht ein Test war oder bereits der geplante Anschlagversuch auf Ziele in den USA. Eine umfassende Luftfracht-Kontrolle dürfte dennoch unmöglich sein: Allein an den 23 internationalen Flughäfen in Deutschland wurden 2009 rund 3,6 Millionen Tonnen Luftfracht umgeschlagen. In der Regel kontrollieren der abfertigende Staat und die transportierenden Luftfrachtunternehmen die Pakete. Im Fall der Jemen-Fracht sei die Fracht wohl geröntgt worden. Zudem wird rund die Hälfte des Frachtaufkommens im Bauch der Passagiermaschinen transportiert.

Verdächtige auf freiem Fuß

Derweil ließen die jemenitischen Behörden eine Studentin frei, die als mutmaßliche Absenderin eines der Pakete festgenommen worden war. Die 22-Jährige und ihre ebenfalls festgenommene Mutter seien unschuldig und auf freiem Fuß, sagte ihr Vater Mohammed el Samaui. Die Telefonnummer der Studentin war auf einem der beiden Pakete notiert gewesen.

Ein Behördensprecher sagte, eine Frau habe sich als die Studentin ausgegeben und so das Paket aufgegeben. Das andere Paket sei von einem Mann abgeschickt worden. Hunderte Studenten der Universität Sanaa hatten zuvor für die Freilassung ihrer Kommilitonin demonstriert.

Ein Mitarbeiter der jemenitischen Sicherheitsbehörden sagte, es seien "neue Verdächtige" festgenommen worden. Zugleich seien mehrere Mitarbeiter der Paketdienste Fedex und UPS wieder freigelassen worden, die am Samstag inhaftiert worden waren. Einige würden hingegen weiter befragt. Das in Dubai gefundene Paket war von Fedex transportiert worden, das in Großbritannien gefundene von UPS.

Die US-Ermittler sehen inzwischen in dem saudi-arabischen Extremisten Ibrahim Hassan el Asiri eine Schlüsselfigur. Die früheren Aktivitäten Asiris und seine Erfahrung mit Sprengstoffen machten ihn zu einem "Hauptverdächtigen", sagte ein Verantwortlicher der US-Anti-Terror-Behörden. Es gebe Hinweise darauf, dass Asiri auch bei dem versuchten Anschlag auf eine US-Passagiermaschine im Landeanflug auf Detroit am 1. Weihnachtstag 2009 eine Rolle gespielt habe.

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