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Großbritannien will Profile von Fluggästen erstellen

Großbritannien will Profile von Fluggästen erstellen

04.11.2010, 11:19 Uhr | fdi, Spiegel Online

Großbritannien will Profile von Fluggästen erstellen. Bevor Passagiere in Großbritannien ihren Flug antreten, sollen sie zukünftig auf bestimmte Merkmale überprüft werden  (Foto: Reuters)

Bevor Passagiere in Großbritannien ihren Flug antreten, sollen sie zukünftig auf bestimmte Merkmale überprüft werden (Foto: Reuters)

Die britische Regierung führt eine Art Rasterfahndung für Flugreisende ein. Künftig sollen deren persönliche Daten vorab auf bestimmte Merkmale überprüft werden - wer etwa sehr kurzfristig bucht und bar zahlt, macht sich verdächtig.

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Großbritannien macht ernst: Passagierdaten sollen künftig umfassender erhoben, gespeichert und bereits vor dem Flug automatisch auf definierte Kriterien geprüft werden. Wer diesen Merkmalen - oder einer Kombination davon - entspricht, wird bei dieser als "Profiling" bekannten Methode eingehender untersucht. Das hat die konservative Innenministerin Theresa May nach Berichten der britischen Tageszeitungen "Daily Telegraph" und "The Guardian" angekündigt.

Bereits im Januar hatte die Labour-Vorgängerregierung die Einführung von Fluggastprofilen ins Auge gefasst. Kurz zuvor - an Weihnachten vergangenen Jahres - war ein Anschlagsversuch des sogenannten "Detroit-Bombers" nur knapp gescheitert. Umar Farouk Abdulmutallab stand bereits seit längerem auf einer Liste von Terrorismusverdächtigen - war aber dennoch problemlos an Bord eines Flugzeuges mit Ziel USA gelangt. Ähnliches will die Tory-Innenministerin durch die Profilerstellung von Fluggästen zukünftig verhindern.

Die Methode erinnert stark an die in den späten siebziger Jahren in Deutschland entwickelte Rasterfahndung - damals diente das Instrument dem Kampf gegen die RAF. Kern des Verfahrens ist die Vernetzung von Datenbeständen und die Suche nach Merkmalen, um verdächtige Personen herauszufiltern.

In Großbritannien sollen künftig etwa die Daten, die Passagiere den Fluggesellschaften bei der Buchung mitteilen, mit der bereits bestehenden "border watch list" abgeglichen werden. Wer hierbei auffällig wird, darf erst nach einer intensiven Überprüfung fliegen.

Hautfarbe und Religion fließen nicht in die Profile ein

Auch diese Liste soll nun erweitert und zielgenauer organisiert werden: Bislang waren in ihr alle unerwünschten Personen zusammengefasst - egal, ob wegen kleinerer Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen oder wegen massiven Terror-Verdachts. Künftig sollen laut "Guardian" potentielle Terroristen gesondert erfasst werden.

Im britischen Innenministerium wird unterdessen an der Definition der Merkmale gefeilt. Innenministerin May stellte vor dem britischen Parlament jedoch bereits klar, dass Eigenschaften wie Religion oder Rasse ausdrücklich nicht zur Profilbildung herangezogen werden. Denkbar sind jedoch Merkmale wie besonders kurzfristige Flugbuchungen, Reisen ohne Gepäck oder die Bezahlung mit Bargeld.

Das Instrument der Rasterfahndung ist umstritten. Einerseits ist es durchaus eine Möglichkeit, in einer großen, anonymen Masse Verdächtige zu identifizieren - andererseits bleiben immer relativ viele Menschen im Raster hängen, die vollkommen unschuldig sind.

Zudem verweisen Experten auf die Fehleranfälligkeit der Methode. So berichtet der "Guardian" von einem Vorfall aus der vergangenen Woche: Eine US-Neurowissenschaftlerin wurde an einem britischen Flughafen bei einem Zwischenstopp zu einer Konferenz in Israel vom Sicherheitspersonal der Fluggesellschaft El Al als Terrorverdächtige identifiziert. Erst eine Woche später bemerkten die Behörden ihren Irrtum: Die Forscherin trägt den gleichen Namen wie eine prominente proiranische Aktivistin.

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