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Fall Aschtiani: Erzwungenes Geständnis im TV?

Fall Aschtiani: Erzwungenes Geständnis im TV?

10.12.2010, 22:22 Uhr | dpa, dapd

Fall Aschtiani: Erzwungenes Geständnis im TV?. Die zum Tod verurteilte Sakineh Mohammadi Aschtiani in neuen Aufnahmen des Senders Press TV (Foto: Reuters)

Die zum Tod verurteilte Sakineh Mohammadi Aschtiani in neuen Aufnahmen des Senders Press TV (Foto: Reuters)

Das iranische Staatsfernsehen hat die Ausstrahlung neuer Videoaufnahmen der wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Aschtiani angekündigt. Das Filmmaterial zeige die Aussage der Iranerin über die Verwicklung in den Mord an ihrem Mann, teilte der Fernsehsender Press TV mit.

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Am Donnerstag hatte Press TV Bilder verbreitet, die die Iranerin und ihren Sohn Sadschad nicht im Gefängnis, sondern in ihrem Haus in der Kleinstadt Osku zeigten. Dies hatte im Ausland zu voreiligen Folgerungen geführt, dass Aschtiani freigelassen worden sei. Press TV stellte jedoch klar, dass die Verurteilte in Haft bleibt.

Sender wollte Verbrechen rekonstruieren

Der Sender und ein Team der Justizbehörde hätten die Frau an den Tatort zurückgebracht, um "eine Rekonstruktion des Verbrechens" zu ermöglichen. Das Ganze, einschließlich Interviews mit Augenzeugen, sollte beweisen, dass die Frau schuldig sei, so der englischsprachige Sender, der als Sprachrohr des Irans für die Außenwelt angesehen wird.

Die in Deutschland lebende iranische Dissidentin Mina Ahadi hatte am Donnerstag zunächst verkündet, dass Mohammad-Aschtiani freigelassen worden sei. Gegenüber der dpa revidierte sie später aber ihre Aussage und sagte in einem Telefongespräch, dass sie Hinweise habe auf eine baldige Freilassung. Berichte, wonach die zum Tod Verurteilte bereits freigelassen worden sei, könne sie nicht bestätigen. Derzeit sei sie wohl noch nicht frei.

Gefängnis für drei Tage verlassen

Die iranische Justiz hat sich zu den jüngsten Entwicklungen noch nicht geäußert. Nach Angaben informierter Kreise hat Aschtiani in der ersten Dezemberwoche zumindest für drei Tage das Gefängnis in Täbris im Nordwesten des Irans für den Beitrag in Press TV verlassen, stand jedoch unter strenger Bewachung.

Der persischsprachige Sender IRIB strahlte am Donnerstagabend eine Sondersendung über Aschtiani aus, in der die Nachbarn der Frau zu dem Fall befragt wurden. Alle Interviewten gaben an, sie seien überzeugt, dass die 43-Jährige in den Mordfall an ihrem Mann im Jahre 2006 verwickelt gewesen sei. Sie habe ihn zunächst mit einer Spritze betäubt, bevor ihr Liebhaber ihn dann ermordet habe, so die Version der Nachbarn vor der Fernsehkamera. Die Frau hat den Mord angeblich auch selber bereits gestanden. Die Sendung "Ras" (Geheimnis) warf dem Westen erneut vor, das Ansehen des Irans durch diesen Fall beschädigen zu wollen.

Haftstrafe statt Steinigung?

Aschtiani war vor mehr als vier Jahren zunächst wegen Ehebruchs verhaftet und zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das Urteil löste weltweit heftige Proteste aus, Teheran setzte die Steinigung vorläufig aus. Beobachter glauben, dass die 43-Jährige wegen des großen internationalen Drucks mit einer Haftstrafe davonkommen könnte.

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