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Russland: Viele Tote bei Terroranschlag im Moskauer Flughafen

Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag im Moskauer Flughafen

24.01.2011, 19:19 Uhr | AFP , dapd , dpa

Russland: Viele Tote bei Terroranschlag im Moskauer Flughafen. Sicherheitskräfte riegeln nach dem verheerenden Terroranschlag den Moskauer Flughafen Domodedowo ab (Foto: Reuters)

Sicherheitskräfte riegeln nach dem verheerenden Terroranschlag den Moskauer Flughafen Domodedowo ab (Foto: Reuters)

Auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sind durch ein Selbstmordattentat mindestens 35 Menschen getötet und bis zu 170 weitere verletzt worden. Die russischen Sicherheitskräfte suchen inzwischen nach drei verdächtigen Männern.

Ermittler haben offenbar den Kopf des mutmaßlichen Attentäters gefunden. Es handele sich um einen Mann zwischen 30 und 35 Jahren mit "arabischem Aussehen", berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Polizeikreise. Der Mann habe vermutlich den Sprengsatz gezündet. Nach Berichten russischer Medien wird vermutet, dass der Attentäter aus dem Konfliktgebiet im russischen Nordkaukasus kam.

Auch eine Deutsche wurde verletzt

Inzwischen wurde bekannt, dass auch eine Deutsche unter den Verletzten ist. Ihr Zustand sei stabil, meldet die Agentur Interfax und beruft sich auf Ärzte. Die Deutsche Botschaft konnte die Angaben jedoch noch nicht bestätigen. Es wandelt sich offenbar um eine Russlanddeutsche.

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"Es gab eine Explosion. Dann habe ich einen Polizisten gesehen, der mit Körperteilen und Blut bedeckt war", sagte ein Augenzeuge dem Radiosender Russkaja Sluschba Nowostei. Der Beamte habe nur geschrien: "Ich habe überlebt, ich habe überlebt."

Tausende Menschen im Terminal

Ein weiterer Augenzeuge, Mark Green, sagte der BBC, zum Zeitpunkt der Explosion seien Tausende Menschen in dem Terminal gewesen. Sie seien aus dem Gebäude geströmt, einige seien blutverschmiert gewesen. "Ein Mann hatte zerrissene Jeans an, zwischen der Leiste und dem Knie war sein Oberschenkel blutüberströmt."

Die Explosion, deren Wucht der Detonation von fünf bis zehn Kilogramm TNT entsprach, habe sich um 16.32 Uhr (14.32 Uhr MEZ) im Abflugbereich in der Nähe eines Cafés ereignet, melden russische Agenturen und berufen sich auf die Polizei. Nach unbestätigten Berichten habe es sich um zwei Sprengsätze gehandelt, die mit Metallstücken gefüllt waren, meldet das Staatsfernsehen.

Keine Hinweise auf deutsche Opfer

Dichter Rauch und viele Trümmer in der Halle erschwerten die Bergungsarbeiten, wie Augenzeugen sagen. Rund 50 Krankenwagen rasten mit Blaulicht zu dem etwa 45 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Flughafen. Die Verletzten wurden in vier Kliniken gebracht.

Rettungskräfte beziffern die Zahl der Verletzten auf rund 130. Unter den Opfern sind nach offiziellen Angaben auch mindestens drei EU-Bürger. Ein Italiener und ein Franzose seien verletzt worden, teilte das russische Gesundheitsministerium nach Angaben der Agentur Interfax mit. Außerdem erlitt eine slowakische Schauspielerin Verletzungen, wie Mediziner berichteten. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin gibt es keine Hinweise auf deutsche Opfer.

Behörden stoppen alle Flüge

Die russischen Behörden stoppten alle internationalen Flüge in Domodedowo. Auch Landungen von Maschinen aus Deutschland wurden zunächst nicht erlaubt. Die Maschinen wurden auf die beiden anderen Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo umgeleitet. Betroffen sind die deutschen Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa.

Eine in Düsseldorf gestartete Lufthansa-Maschine musste auf halber Strecke umkehren. Air Berlin verspürte vorerst nur geringe Auswirkungen auf ihren Flugbetrieb von und nach Moskau. Zwei Flüge nach Düsseldorf und Wien hätten normal starten können, sagte eine Sprecherin der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft am Montag in Berlin.

Ganz Russland in Alarmbereitschaft

Staatspräsident Dmitri Medwedew schaltete den Inlandsgeheimdienst FSB ein und ordnete für die Verkehrsknotenpunkte im ganzen Land Alarmbereitschaft an. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte ab sofort die erhöhte Sicherheitsstufe, sagte Medwedew im Staatsfernsehen. Zugleich kritisierte er, dass zu laxe Sicherheitsvorkehrungen zu dem Anschlag geführt hätten. Er werde die Ereignisse lückenlos und schnell aufklären lassen.

Wegen der aktuellen Lage sagte Medwedew kurzfristig seine Eröffnungsrede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos ab, zu dem er am Dienstag fliegen wollte. Regierungschef Wladimir Putin schaltete sich in die Ermittlungen ein.

Sicherheitslücken auf Moskaus modernstem Flughafen

Domodedowo gilt als der modernste Flughafen von Moskau, die Zuverlässigkeit der dortigen Sicherheitsvorkehrungen wurde aber wiederholt in Zweifel gezogen. 2004 gelangten dort zwei Selbstmordattentäter an Bord von zwei Flugzeugen, nachdem sie illegalerweise Tickets von Flughafenangestellten gekauft hatten. Sie sprengten sich während des Flugs in die Luft - alle 90 Passagiere starben.

Aus Furcht vor weiteren Anschlägen versetzten die Moskauer Behörden auch die beiden anderen internationalen Moskauer Flughäfen sowie die Metro in Alarmbereitschaft. In der U-Bahn hatten tschetschenische Selbstmordattentäterinnen im vorigen Jahr 40 Menschen in den Tod gerissen. Im Dezember 2009 waren bei einer Attacke auf einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen Moskau und Sankt Petersburg 26 Menschen ums Leben gekommen. Tschetschenische Rebellen übernahmen damals die Verantwortung für die Tat.

Im Nordkaukasus kämpfen islamistische Untergrundkämpfer für ein von Russland unabhängiges Emirat. Moskau hat in der Region, zu der die muslimisch geprägten Teilrepubliken Dagestan, Inguschetien und das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien gehören, etwa 24.000 Soldaten und Polizisten stationiert. Die Terroristen werden offiziell als Banditen bezeichnet. Fast täglich kommt es zu blutigen Zwischenfällen.

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