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Osama bin Laden: So töteten die Navy-Seals den Al-Kaida-Chef

Die letzten 18 Minuten vor Bin Ladens Tod

13.09.2011, 09:02 Uhr | t-online.de

Osama bin Laden: So töteten die Navy-Seals den Al-Kaida-Chef. Die Navy Seals, das Spezialkommando der US-Marine, bekamen den Auftrag, in das mutmaßliche Wohnhaus von Osama bin Laden einzudringen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Navy Seals, das Spezialkommando der US-Marine, bekamen den Auftrag, in das mutmaßliche Wohnhaus von Osama bin Laden einzudringen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Nach Minuten bedrückender Stille im "War Room" des Weißen Hauses bricht endlich die vom Funkgerät verzerrte Stimme eines Navy-Seals das Schweigen: "Für Gott und Vaterland - Geronimo, Geronimo, Geronimo! Enemy killed in action". US-Präsident Barack Obama spitzt die Lippen und sagt, wie als Bestätigung für sich selbst: "Wir haben ihn!"

Neun Jahre, sieben Monate und zwanzig Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September schießt ein amerikanischer Navy Seal dem unbewaffneten Osama bin Laden in Brust und Kopf. Nach offiziellen Aussagen hatte ihn das Einsatzkommando als Bedrohung empfunden. Nach dem Bericht der Zeitschrift "The New Yorker", die die Aktion des Todeskommandos zum ersten Mal minutiös nachzeichnet, hatten die Soldaten jedoch den Befehl, den Terrorfürsten zu töten. "Niemand wollte Gefangene nehmen", zitiert das Blatt einen Offizier, der in den entscheidenden 18 Minuten das Haus Bin Ladens im pakistanischen Abbottabad stürmte.

Zum ersten Mal reden die Beteiligten

In dem Artikel äußern sich zum ersten Mal die unmittelbar Beteiligten zu der Operation, von der bisher nur Bruchstücke bekannt waren. Der Autor sprach mit Verantwortlichen in Washington und mit den Soldaten des Sonderkommandos, die Amerikas Staatsfeind Nummer eins töteten. Er beschreibt auch, wie Präsident Barack Obama zunächst einen Luftschlag erwogen hatte. Als klar wurde, dass die USA, um ganz sicher zu gehen, 32 große Bomben auf das mutmaßliche Versteck Bin Ladens fallen lassen mussten, entschied Obama, ein Sonderkommando in zwei Black-Hawk-Hubschraubern zu schicken, berichtet der "New Yorker". Der Präsident wollte es nicht riskieren, eine ganze pakistanische Stadt zu zerstören.

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Die Chronologie des "New Yorker" liest sich wie ein Krimi: Das Team der Navy Seals ist noch keine Minute an ihrem Ziel - und schon scheint die Operation dramatisch schief zu laufen. Einer der beiden Helikopter schmiert direkt über dem Wohnhaus von Osama bin Laden ab und kracht in eine Scheune an der Außenmauer des Anwesens. Als sich die Soldaten Minuten später unverletzt herausschälen, rennen überall Kühe, Hühner und Hasen herum. Die Seals sprengen sich mit C-4-Plastiksprengstoff durch zwei verschlossene Tore und dringen in das Anwesen ein.

Ist es wirklich "Crankshaft"?

Ob der meistgesuchte Terrorist der Welt tatsächlich in dem Haus lebt, ist noch nicht klar. Der Geheimdienst bezifferte die Chance auf "40 bis 95 Prozent" - niemand kann mit Sicherheit sagen, dass der große Mann mit dem Bart, der das Gebäude nie verlässt, auch wirklich "Crankshaft" (Kurbelwelle) ist - diesen Decknamen hatten die Chefs der Spezialkommandos Bin Laden gegeben. Wochenlang hatte die Sondereinheit den Sturm des Gebäudes geübt, auch an einer exakten Kopie, die in North Carolina errichtet wurde. Sie führten ihre eigene Code-Sprache für den Funkverkehr ein und arbeiteten nur auf das eine Wort hin: "Geronimo" - das Wort für den Fall, dass sie Bin Laden gefunden haben.

Im Inneren sehen die Amerikaner im grün-schwarzen Bild ihrer Nachtsichtgeräte, wie Bin Ladens Bote und Vertrauter Ahmed al-Kuwaiti mit seiner Familie im Gästehaus verschwindet und mit einer Pistole wieder auftaucht - die Soldaten töten ihn sofort. Inzwischen muss jeder in dem Gebäudekomplex aus dem Schlaf geschreckt worden sein. Am Eingang zum Haupthaus kommt den Soldaten Abrar bin Laden, der Bruder des Terrorführers, mit einer AK-47 entgegen. Sie schießen ihm in die Brust und treffen auch seine unbewaffnete Frau, die neben ihm gestanden haben soll.

Obama lauscht im "War Room"

Bis hierhin können Präsident Barack Obama, sein Vize Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates mit ihren Beratern die Operation im "War Room" des Weißen Hauses verfolgen - eine Drohne liefert die Bilder aus der Dunkelheit über dem Anwesen. Da die Soldaten nach Informationen des "New Yorker" entgegen anderslautender Berichte keine Helmkameras tragen, können die Beobachter in Washington für die nächsten Minuten nur die Luft anhalten und hoffen.

Nach Beschreibung der Soldaten durchsuchen sie das dreistöckige Haus Etage für Etage. Drei Seals dringen in den zweiten Stock und erschießen dort Bin Ladens 23-jährigen Sohn Khalid, der mit einem Sturmgewehr auf sie schießt. Im dritten Stock schaut ein großer Mann mit Bart durch die einen Spalt geöffnete Schlafzimmertür - er ist nur noch drei Meter entfernt.

Der Laser tanzt über die Brust

Die Seals dringen in das Zimmer ein - dort steht der Al-Kaida-Chef, zwei seiner Frauen haben sich vor ihm postiert. Die eine, Amal al-Fatah, schreit sie auf Arabisch an, einer der Soldaten schießt ihr ins Bein. Dann tanzt der Infrarot-Laser eines Seals über Bin Ladens Brust. Der Terrorfürst ist unbewaffnet, doch der Seal zögert keine Sekunde und schießt ihm mit seinem M-4-Gewehr in die Brust. Als Bin Laden nach hinten fällt, bekommt er noch eine Kugel in den Kopf. "Es stand nie zur Debatte, ihn gefangen zu nehmen. Niemand wollte Gefangene", zitiert der "New Yorker" einen an der Operation beteiligten Offizier.

Die Seals nehmen DNA-Proben von Bin Laden, stecken die Leiche in einen Sack, nehmen alle Beweisstücke mit, die sie finden können. Ein Dolmetscher befragt die Frauen, und weitere Soldaten zerstören den Helikopter, der nicht in feindliche Hände fallen sollte. Nach 38 Minuten ist alles vorbei.

Was soll nun mit dem Leichnam Bin Ladens passieren? Die Amerikaner wollen seinen Körper ins Meer werfen, bieten Saudi-Arabien an, deren Staatsbürger Bin Laden war, die Leiche zu übernehmen. Die Saudis lehnen ab: "Euer Plan klingt gut", zitiert der "New Yorker".

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