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Pussy Riot: Prozess gegen Putin-Kritikerinnen beginnt

Punkband Pussy Riot verteidigt schrillen Anti-Putin-Protest

30.07.2012, 13:03 Uhr | dpa

Pussy Riot: Prozess gegen Putin-Kritikerinnen beginnt. Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot vor Gericht (v.

Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot vor Gericht (v. (Quelle: dpa)

Die russische Frauen-Punkband Pussy Riot hat zu Beginn des umstrittenen Gerichtsprozesses in Moskau ihre schrille Protestaktion gegen Kremlchef Putin verteidigt. Das Punk-Gebet in der Erlöserkathedrale sei ein politischer Protest mit künstlerischen Mitteln gegen Putins autoritären Stil gewesen.

Das teilten die Frauen am Montag vor Gericht in Moskau mit. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen "Rowdytum aus Motiven des religiösen Hasses" vor. Den Frauen im Alter zwischen 22 und 29 Jahren drohen bis zu sieben Jahre Straflager.

"Politischer Schauprozess"

Menschenrechtler und Putin-Gegner kritisierten das Verfahren als politischen "Schauprozess" zur Einschüchterung der Opposition. Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sind angeklagt, mit dem Kirchenprotest und dem Lied "Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!" religiöse Gefühle verletzt zu haben. Tolokonnikowa und Aljochina haben kleine Kinder.

Regierungschef Dmitri Medwedew verteidigte das Vorgehen der Justiz. In einigen anderen Ländern müssten die Frauen mit deutlich höheren Strafen rechnen, sagte Medwedew der britischen Zeitung "The Times". Die Verteidigung warf dem früheren Präsidenten und studierten Juristen vor, Druck auf das Gericht auszuüben. Die Musikerinnen sind seit März in Untersuchungshaft, die bis Januar 2013 angesetzt ist.

Mit Strickmasken vermummt

Die kriminelle Aktion sei von langer Hand geplant gewesen, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt vor dem Chamowniki-Gericht. Dass die Frauen mit Strickmasken vermummt gewesen waren, sei ein Beweis ihrer Gefährlichkeit. Die Aktion im Altarraum am 21. Februar sei vulgär und erniedrigend für die Christen gewesen. Eine Kirchenmitarbeiterin sagte vor Gericht, der "satanische Veitstanz" bereite ihr noch immer Seelenschmerzen. Die insgesamt neun Nebenkläger gelten als wichtigste Zeugen der Anklage wegen der Verletzung religiöser Gefühle.

Die Frauen beteuerten hingegen in einem Kasten aus Plexiglas ihre Unschuld. "Ich betone noch einmal, dass ich nie religiösen Hass gegenüber der russischen Orthodoxie und den Gläubigen empfunden habe", ließ die ausgebildete Journalistin Aljochina ausrichten. Zugleich räumten die Frauen ein, der Auftritt sei ein "ethischer Fehler" gewesen.

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Kritik an Verzahnung von Staat und Kirche

In den von Verteidigerin Violetta Wolkowa verlesenen Erklärungen kritisierten die Aktivistinnen erneut, dass Patriarch Kirill als Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche sich unzulässig in die Politik eingemischt habe. Es sei verwerflich, dass er vor der Präsidentenwahl am 4. März offen für Putin bei den Gläubigen geworben habe. Die Musikerinnen wollten auch die enge Verzahnung von Staat und Kirche kritisieren. Pussy Riot sei eine politische Band, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nutze.

Zu der auch von Putin kritisierten etwa einminütigen Protestaktion hatten die Ermittler rund 3000 Seiten Material zusammengetragen. Das Verfahren wurde live im Internet übertragen. Menschenrechtler wiesen darauf hin, dass das Chamowniki-Gericht berüchtigt sei für Justizwillkür. Dort wurde auch der Putin-Gegner und frühere Öl-Milliardär Michail Chodorkowski verurteilt, der seit 2003 unter anderem wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche bis 2016 in Haft ist.

Amnesty International forderte die sofortige Freilassung der Aktivistinnen, die sie als politische Gefangene anerkannt hat. Es bestünden erhebliche Zweifel an der Fairness des Verfahrens, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth kritisierte: "Putin nutzt im Schulterschluss mit der russisch-orthodoxen Kirche die Justiz, um mutige Kritikerinnen wegzusperren. Die Kritik wird aber nicht verstummen."

Vor dem Gerichtsgebäude riefen Unterstützer "Freiheit für Pussy Riot". "Das ist politische Vergeltung und Rache", schimpfte der frühere Vizeregierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow.

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