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Pussy Riot: Putin fordert Gnade für Punkband

Putin fordert Gnade für Pussy-Riot-Mitglieder

03.08.2012, 12:04 Uhr | dpa, dapd, AFP

Pussy Riot: Putin fordert Gnade für Punkband. Den Mitgliedern der russischen Band drohen sieben Jahre Haft (Quelle: dpa)

Den Mitgliedern der russischen Band drohen sieben Jahre Haft (Quelle: dpa)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die wegen Rowdytums angeklagten Mitglieder der Punkband Pussy Riot kritisiert, sich zugleich aber für eine milde Strafe ausgesprochen. "Ich denke, das Urteil sollte nicht zu hart ausfallen", sagte der Staatschef laut russischen Nachrichtenagenturen. Die drei jungen Frauen hätten ihre Lektion bereits gelernt.

Den Punk-Rockerinnen wird vorgeworfen, Ende Februar die orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale gestürmt und Putin von der Kanzel herab verunglimpft zu haben.

"Aktion war nicht gut"

Ihnen drohen wegen Randalierens bis zu sieben Jahre Haft. Das Vorgehen der russischen Behörden, insbesondere die seit Monaten andauernde Inhaftierung der Frauen, ist international scharf kritisiert worden.

Die Aktion der Punk-Rockerinnen "war nicht gut", sagte Putin. Es hätte ihnen dafür eine wesentlich härtere Strafe gedroht, hätten sie diese an einem heiligen Ort in Israel dargeboten - sogar die Todesstrafe, wenn sie im nördlichen Kaukasus Russlands an einem muslimischen Ort aufgetreten wären. "Wenn sie irgendeinen heiligen muslimischen Ort damit entweiht hätten, wäre uns nicht einmal die Zeit geblieben, sie festzunehmen", sagte Putin weiter.

Britische Musiker fordern Freilassung

Ebenfalls am Donnerstag hatten zahlreiche britische Rockstars Russland zu einer Einstellung des Prozesses gegen die drei Frauen der Band Pussy Riot aufgerufen. Pete Townshend von der Gruppe The Who, Pulp-Sänger Jarvis Cocker und Neil Tennant von den Pet Shop Boys veröffentlichten in der Zeitung "The Times" einen offenen Brief. Darin forderten sie die Freilassung der Frauen, die sich seit vier Monaten in Untersuchungshaft befinden.

Der Auftritt der Frauen in der wichtigsten Moskauer Kathedrale sei eine legitime Protestaktion gewesen, schrieben die Musiker. Der Brief erschien während des Aufenthalts Putins in London. Das russische Staatsoberhaupt war nach London gereist, um den britischen Premierminister David Cameron zu treffen und die Olympischen Spiele zu besuchen.

Justizskandal?

Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Kasten aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen. Russische Anwälte veröffentlichten eine Resolution, in der sie den Prozess als Justizskandal bezeichneten, der die Rechtsgrundlagen des Staates zerstören könne.

Russische Medien kritisierten unterdessen die Zeugenvernehmungen. So habe ein Mann ausgesagt, der bei dem Auftritt in der Kirche selbst gar nicht anwesend gewesen sei, sondern nur eine Videomontage gesehen habe, schrieb die Zeitung "Nowyje Iswestija". Auf diese Weise gebe es etwa eine halbe Million mögliche Zeugen - so viele Menschen hätten den zusammengeschnittenen Internetclip bisher angeklickt.

Auch Kirche lenkt ein

Inzwischen schlug auch die russisch-orthodoxe Kirche unerwartet mildere Töne an. Die Protestaktion der Musikerinnen in der Moskauer Erlöserkathedrale sei "sehr dumm und verletzend für die Gläubigen" gewesen, sagte der Chefideologe des Patriarchats, Wsewolod Tschaplin, der Agentur Itar-Tass. "Aber es ist auch eine Dummheit, darüber unendlich zu sprechen", sagte Tschaplin.

Er begrüßte Putins Worte, der sich gegen eine zu harte Strafe für die Kremlgegnerinnen ausgesprochen hatte. Tschaplin hatte zuvor eine "harte Bestrafung" gefordert.

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