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Margaret Thatcher spaltet Großbritannien noch im Sarg

Margaret Thatcher spaltet ihr Land noch im Sarg

18.04.2013, 08:17 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Margaret Thatcher spaltet Großbritannien noch im Sarg. Die Trauerfeier für Margaret Thatcher wurde mit allen Ehren zelebriert, vielen Briten passt das nicht  (Quelle: Reuters)

Die Trauerfeier für Margaret Thatcher wurde mit allen Ehren zelebriert, vielen Briten passt das nicht (Quelle: Reuters)

Letztes Geleit für die "Eiserne Lady": Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wird eine Trauerfeier für die verstorbene britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher abgehalten. Zu den Ehrengästen zählt Queen Elizabeth II.. Währenddessen protestieren Thatchers Gegner gegen die Zeremonie.

Thatcher, die das Land von 1979 bis 1990 regierte, war vor neun Tagen im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Für ihre Anhänger ist dies nun ein zweiter harter Tag. Ihren Gegnern ist eher nach Feiern auf andere Weise zumute, wie spontane Versammlungen direkt nach dem Tod und der Chart-Erfolg eines hämischen Liedes ("Ding, Dong! Die Hex' ist tot") zeigten.

Rund 12 Millionen Euro Kosten

Auf rund zwölf Millionen Euro werden die Kosten für die Trauerfeier geschätzt. Auch das hatte zu heftigem Streit auf der Insel und zu der Entscheidung geführt, dass sie kein Staatsbegräbnis erhalten sollte.

Dazu hätte es eines offiziellen Parlamentsbeschlusses bedurft. Tatsächlich trägt die Zeremonie aber alle Züge eines Staatsakts, was für Verwirrung und Empörung sorgt: Ausgerechnet der anglikanische Bischof von Thatchers Geburtsort Grantham, Tim Ellis, nannte das Zeremoniell gegenüber der "BBC" einen Fehler.

Angesichts der umstrittenen politischen Hinterlassenschaft Thatchers sei es geradezu eine Provokation, sie dergestalt zu "glorifizieren".

"Sie intrigiert noch aus dem Sarg heraus"

Besonders hart ging der frühere Vize-Regierungschef John Prescott mit Thatcher ins Gericht: "Sie intrigiert noch aus dem Sarg heraus", schrieb er im "Sunday Mirror". Sie habe behauptet, sie wolle kein Staatsbegräbnis, "doch sie plante für sich das gleiche Zeremoniell wie für die Königinmutter".

Oder für Prinzessin Diana. Doch während deren Tod 1997 eine kollektive Massentrauer auslöste, wird jener von Thatcher mit teilweise unverhohlener Freude quittiert. "Rust in Peace" (Roste in Frieden!) gehört noch zu den harmloseren Sprüchen an die Adresse der "Eisernen Lady".

Spitzenpolitiker bleiben fern

Dennoch wohnten tausende Schaulustige der Prozession mit militärischen Ehren bei. An der Begräbniszeremonie in der St. Paul's Kathedrale nehmen mehr als 2000 Gäste aus aller Welt teil. Neben der britischen Königin, die ein eher unterkühltes Verhältnis zu Thatcher hatte, und Ex-Premiers sind etliche internationale Politiker gekommen.

Aber es ist nicht die erste Garde: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vertreten. Die US-Regierung Barack Obamas schickt keinen Vertreter.

Letzter Weg auf der Lafette

Der in eine britische Flagge gehüllte Sarg mit ihrem Leichnam wurde in einem schwarzen Leichenwagen mit Motorradeskorte vom Parlamentsgebäude in die Innenstadt gebracht und dort auf eine offene Geschützlafette umgebettet.

Während der Beisetzung sollen die berühmten Glocken des Big Ben schweigen. Vergleichbare Ehren wurden zuletzt dem legendären britischen Premier Winston Churchill im Jahr 1965 zuteil.

Niemals ein Held wie Churchill

Er gilt als unantastbarer Held, während Thatchers Rolle sehr umstritten, sie teils sogar verhasst ist. Das liegt unter anderem an ihrer rigorosen Sozialpolitik.

Innenpolitisch stand Thatcher vor allem für ihren Kampf gegen Gewerkschaften, für eine bis dahin nie dagewesene Privatisierung von Staatseigentum und für die unter dem Schlagwort "Big Bang" bekanntgewordene Liberalisierung des Bankensektors.

Tausende Polizisten schützen die Trauerfeier

Auch international trat die "Eiserne Lady" oft unnachgiebig auf - etwa in der Europapolitik, gegen die deutsche Wiedervereinigung und natürlich beim Falklandkrieg gegen Argentinien 1982.

In Großbritannien wird sie von weiten Teilen der Bevölkerung für gesellschaftliche Schieflagen verantwortlich gemacht. Die Polizei rechnete mit Thatcher-kritischen Demonstranten, die freilich auch erschienen. Bis zu 4000 Beamte waren in der Londoner City im Einsatz. Es kam jedoch zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.

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