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Vergewaltigungsskulptur in Polen empört Russland

"Stummer Schrei der Opfer  

Vergewaltigungsskulptur in Polen empört Russland

17.10.2013, 13:22 Uhr | AFP

Vergewaltigungsskulptur in Polen empört Russland. Jerzy Bohdan Szumczyk: Vergewaltigung einer Schwangeren durch Rotarmisten (Quelle: AFP)

Der polnische Bildhauer Jerzy Bohdan Szumczyk will seine Skulptur als Friedensbotschaft verstanden wissen (Quelle: AFP)

Die Aufstellung einer verstörenden Skulptur, die die Vergewaltigung einer schwangeren Frau durch einen sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg darstellt, hat für große Empörung in Moskau gesorgt. Er sei "zutiefst schockiert", erklärte Russlands Botschafter in Warschau, Alexander Aleksejew. Er rief die polnische Regierung zu einer "angemessenen Reaktion" auf. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie gegen den Künstler vorgehen wird.

Der junge Bildhauer Jerzy Bohdan Szumczyk hatte seine lebensgroße Skulptur "Komm, Frau" ohne Genehmigung der Behörden nachts neben einem Denkmal für die Rote Armee in Danzig aufgestellt, das an die Vertreibung der Nazis durch die sowjetischen Truppen 1945 erinnert.

Szumczyks Werk wurde nach einigen Stunden von der Polizei fortgeräumt. Dennoch sorgt es weiter für erheblichen Wirbel.

"Beleidigung" sowjetischer Soldaten

Das "Pseudo-Kunstwerk" sei ein Sakrileg, der Bildhauer habe das Gedenken an 600.000 sowjetische Soldaten beleidigt, die "für die Befreiung und Unabhängigkeit Polens gestorben sind", erklärte Botschafter Aleksejew.

"Die vulgäre Skulptur verletzt nicht nur die Gefühle der Russen, sondern aller vernünftigen Menschen, die sich daran erinnern, wem sie die Befreiung von der Nazi-Besatzung verdanken."

Streit um historische Bewertung

Zumindest der letzte Satz dürfte bei vielen Polen gemischte Gefühle wachrufen: Die von der Sowjetunion gestützte kommunistische Regierung, die Westverschiebung Polens mit der erzwungenen Aussiedlung der Menschen aus den einstigen ostpolnischen Gebieten im heutigen Litauen, Weißrussland und der Westukraine wurden in Polen nicht gerade als Akt der Befreiung gewertet.

Und nicht nur bis zu zwei Millionen deutscher Frauen in den einstigen deutschen Ostgebieten und der russischen Besatzungszone, sondern auch rund 100.000 Polinnen hörten Historiker-Schätzungen zufolge im Winter 1945 den Satz "Komm, Frau", wurden Opfer sexueller Gewalt sowjetischer Soldaten.

In Polen war das bis zum Ende des Kommunismus ein Tabuthema. Seine Skulptur solle "die Wahrheit zeigen", begründete Szumczyk seine Kunstaktion. "Mir ging es um die Tragödie dieser Frauen, um das ganze Leid."

Die Akademie der schönen Künste distanzierte sich von Szumczyk. "Er hat das auf eigenes Risiko und ohne Wissen der Hochschule gemacht."

"Stummer Schrei der Opfer"

In Medien und Internetforen wird jedenfalls heftig diskutiert. "Das ist keine Beleidigung russischer Soldaten, sondern ein stummer Schrei der Opfer", hieß es in einem dieser Kommentare.

In anderen wird daran erinnert, dass es sexuelle Gewalt auf allen Seiten und nicht nur im Zweiten Weltkrieg gegeben habe. In der Tat wurde und wird Vergewaltigung in vielen Konfliktgebieten als Kriegswaffe eingesetzt - sei es im Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien oder im Ostkongo.

Kritisch zeigte sich am Donnerstag auch Marek Gorlikowski in einem Kommentar der "Gazeta Wyborcza": "Geschichte ist nicht so einfach wie ein Denkmal im realsozialistischen Stil." Ein angemessenes Mahnmal für die Opfer sexueller Gewalt und andere Opfer der Zivilbevölkerung müsse noch errichtet werden. Nächtliche Happenings seien aber der falsche Weg.

Die Danziger Staatsanwaltschaft prüft ein Verfahren wegen "Aufruf zu rassistischem oder nationalem Hass". Sollte sie tatsächlich Ermittlungen aufnehmen, drohen Szumczyk bis zu zwei Jahre Haft.

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