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UN-Bericht zu Kindesmissbrauch: Vatikan weist Vorwürfe zurück

UN-Bericht zu Kindesmissbrauch  

Vatikan bedauert Einmischung in katholische Lehre

05.02.2014, 19:51 Uhr | dpa, AP, AFP

UN-Bericht zu Kindesmissbrauch: Vatikan weist Vorwürfe zurück. Papst Franziskus hatte wie sein Vorgänger Papst Benedikt eine "Null-Toleranz"-Politik gegen Kinderschänder angekündigt (Quelle: imago / ximgs)

Papst Franziskus hatte wie sein Vorgänger Papst Benedikt eine "Null-Toleranz"-Politik gegen Kinderschänder angekündigt (Quelle: imago / ximgs)

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat dem Vatikan die Verletzung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen vorgeworfen. Zur Begründung sagte die Ausschussvorsitzende Kirsten Sandberg in Genf, der Vatikan tue nicht genug, um Kindesmissbrauch zu unterbinden. Der Vatikan wies die Vorwürfe zurück.

Der Heilige Stuhl bedauere, dass der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in einem Bericht versucht habe, "sich in Lehren der Katholischen Kirche zur Würde des Menschen und zur Ausübung religiöser Freiheit einzumischen", hieß es in einer Erklärung. Der Vatikan bekräftigte gleichzeitig seine Verpflichtung, die Rechte von Kindern im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention zu verteidigen und zu schützen.

Sandberg hatte zuvor die Frage bejaht, ob der vorgelegte Ausschussbericht über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche bedeute, dass der Vatikan gegen die Kinderrechtskonvention verstoße. "Meine einfache Antwort ist: Ja, es gibt eine Verletzung der Konvention, denn sie haben nicht alles getan, was sie hätten tun müssen", sagte sie. Details über das Ausmaß von Kindesmissbrauch würden in der katholischen Kirche unter Verschluss gehalten.

Der UN-Ausschuss fordert den Vatikan in dem Bericht auf, sofort alle wegen Kindesmissbrauchs bekannten und verdächtigten Geistlichen ihrer Ämter zu entheben und der Justiz zu übergeben. In dem Bericht heißt es, die Römisch-Katholische Kirche unternehme trotz entsprechender Zusagen nach wie vor nicht genug gegen sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche und Kirchenmitarbeiter, unter anderem in Schulen.

"Zutiefst beunruhigend"

Es sei "zutiefst beunruhigend", dass dem Heiligen Stuhl unterstellte Mitglieder der Katholischen Kirche in den Missbrauch zehntausender Kinder weltweit verwickelt seien. Der Ausschuss sei tief besorgt, dass der Heilige Stuhl das "Ausmaß der begangenen Verbrechen nicht anerkannt" und nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen habe, um sich mit Missbrauchsfällen zu befassen und Kinder zu schützen.

Stattdessen habe der Vatikan eine Politik und Praktiken verfolgt, die dazu führten, dass die Missbrauchsfälle andauerten und die Täter straflos ausgingen.

In dem Bericht prangert der UN-Ausschuss an, dass pädophile Geistliche nach Aufdecken ihrer Taten von einer Gemeinde in eine andere versetzt würden - sei es in ein und demselben Land, sei es in ein anderes Land. Dies habe vielen Priestern ermöglicht, weiter in Kontakt mit Kindern zu bleiben und diese sexuell zu missbrauchen.

Für den Bericht hatte der Ausschuss im vergangenen Monat die Haltung des Vatikans zu Kinderrechtsfragen und die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 überprüft. Dem Ausschuss gehören 18 unabhängige Menschenrechtsexperten aus verschiedenen Ländern an. Als Unterzeichnerstaat der Konvention hatte sich der Vatikan in Genf einer Anhörung des Ausschusses für die Rechte des Kindes gestellt.

Sexualkundeunterricht an katholischen Schulen gefordert

Dabei fragten die Ausschussmitglieder bei der Delegation aus Vatikanstadt etwa nach, warum Missetäter nicht bei den zuständigen Landesbehörden angezeigt und was für Strafen den Schuldigen auferlegt worden seien. Gefragt wurde auch, welche Entschädigung Opfer bekommen hätten. Die Experten fordern verbindliche Regeln im Kirchenrecht, die Kinder künftig besser vor Missbrauch in katholischen Institutionen weltweit schützen sollen.

Benedikt XVI. und sein Nachfolger, der amtierende Papst Franziskus, hatten eine "Null-Toleranz"-Politik gegenüber Kinderschändern angekündigt. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes überprüft die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention. In diesem Rahmen hatte sich der Vatikan erstmals öffentlich und ausführlich zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche geäußert.

In dem Bericht kritisierten die UN-Experten neben der fehlenden Aufarbeitung bei Missbrauchsskandalen auch die Einstellung der Kirche zu Homosexualität, Verhütung und Abtreibung. Zudem forderten sie die Einführung von Sexualkundeunterricht an katholischen Schulen. Die Empfehlungen des UN-Ausschusses sind nicht bindend und es gibt auch keine Möglichkeit, ihre Umsetzung zu erzwingen.

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