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Gorbatschow lobt Anschluss und die Krim jubelt

Von dpa, afp
Aktualisiert am 17.03.2014Lesedauer: 3 Min.
Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow
Gorbatschow lobt den Anschluss der Krim an Russland und die Krim jubelt. (Quelle: dpa-bilder)
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Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat den Ausgang des Referendums auf der Krim begrüßt. Er hält die Voraussetzungen für einen Beitritt der Krim zu Russland für erfüllt. Die Mehrheit der Bevölkerung auf der Krim bejubelt unterdessen das "Ende der ukrainischen Besatzung."

"Die Menschen (auf der Halbinsel) wollen es, und das bedeutet, dass man ihnen entgegenkommen muss", sagte der frühere Sowjetpräsident der Nachrichtenagentur Itar-Tass in Moskau. Die Bevölkerung habe die Gelegenheit gehabt, in einem Referendum ihre Meinung zu sagen, und das sei gut so.


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Vor einigen Tagen hatte Gorbatschow den damaligen Präsidenten Boris Jelzin (1931-2007) dafür kritisiert, dass dieser bei der "Zerstörung der Sowjetunion" 1991 keine tragfähige Lösung für die Krim gefunden habe.

Krim bejubelt "Ende der ukrainischen Besatzung"

In Sewastopol, dem Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte, sind die Menschen schon den ganzen Tag in Feierlaune. Die Siegesfeier mit Livemusik auf dem zentralen Nachimow-Platz hatte schon lange vor der Schließung der Wahllokale begonnen. Da die meisten der 350.000 Einwohner russischer Abstammung sind, haben hier alle mit einer klaren Mehrheit für die Rückkehr zu Russland gerechnet.

Stolz trägt Lucia Prokorowna eine riesige russische Fahne durch die Straßen von Sewastopol. "Wir sind von der Besatzung befreit", jubelt die 60-Jährige, die am Sonntagabend wie tausende andere Menschen in der Hafenstadt auf der Krim das Ergebnis des Referendums feiert.

Natürlich habe sie ihre Stimme abgegeben, erzählt Lucia Prokorowna. Vorher habe sie die halbe Nacht nicht schlafen können, weil sie sich so sehr auf den Moment gefreut habe, "wenn wir zu Russland gehören".

Sewastopol wichtigster Flottenstützpunkt

Die russische Kaiserin Katharina die Große hatte die Krim 1783 von den Osmanen erobert und die Stadt Sewastopol gegründet. Die Stadt wurde schnell zum wichtigsten russischen Flottenstützpunkt im Schwarzen Meer. Erst vor 60 Jahren wurde die Krim von Nikita Chruschtschow der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen.

Auf dem Nachimow-Platz, der nach einem berühmten russischen Admiral benannt ist, feiert die Menge das Ergebnis mit "Sewastopol"- und "Russland"-Rufen. "Ja, ich fühle mich russisch – es fühlt sich großartig an", sagt die 29-jährige Viktoria Niamschenko. Die 39-jährige Samadowa Wiktorowna hat ihre beiden acht und elf Jahre alten Kinder mit zum Konzert genommen. "Es ist großartig", schwärmt sie. Die Menschen in Sewastopol setzten "große Hoffnungen" in den Beitritt zu Russland.

Große Hoffnungen in Russland

Zu ihnen gehört auch Roman Sawut. "Die Voraussetzungen sind in Russland viel besser", sagt der 21-Jährige. In der Ukraine sei das Leben schwieriger, "weil die Preise immer steigen". Als Teil von Russland werde das Leben auf der Krim besser: "Benzin wird billiger, öffentliche Dienstleistungen werden billiger und für Russland wird unsere Stadt Priorität haben."

Auch auf den Straßen der Krim-Hauptstadt Simferopol wird bis spät in die Nacht gefeiert. "Ich möchte, dass sich die Krim Russland anschließt, weil Russland meine Heimat ist", sagt der 36-jährige Alexej. "Ich werde meinen Pass so bald wie möglich gegen einen russischen Pass eintauschen."

Anschluss an Russland sorgt nicht nur für Euphorie

Dass die Ereignisse aber auch Unsicherheit und Ängste auslösen, zeigen die Schlangen vor den Geldautomaten. Vor allem die Kunden ukrainischer Banken heben seit Tagen ihr Erspartes ab. Viele Krim-Bewohner fürchten auch, dass die Ukraine der Halbinsel Strom, Gas und Wasser abdrehen könnte.

Die 70-jährige Anna Iwanowna hat für Russland gestimmt und erwartet die anstehenden Veränderungen trotzdem mit Beklemmung. In ihrem Alter habe sie eben ihre Gewohnheiten und Routinen: "Das alles macht mir ein bisschen Angst." Auch Natalia, eine Hausfrau und Mutter von zwei Kindern, ist "ein bisschen ängstlich", obwohl sie insgesamt auf eine bessere Zukunft hofft.

Tataren-Minderheit besorgt um Zukunft

Vor allem viele Tartaren machen sich nach dem Referendum Sorgen um ihre Zukunft. Die muslimische Minderheit war während des Zweiten Weltkriegs von Stalin nach Zentralasien deportiert worden und steht Moskau noch heute mit Misstrauen gegenüber. "Ich bin erschüttert", sagt der 28-jährige Seitchalin. "Ich dachte, dass uns die anderen Länder unterstützen, aber sie haben uns alle im Stich gelassen."

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