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Was junge westliche Mädchen in den Dschihad treibt

"Sie wollen Märtyrer heiraten"  

Was junge westliche Mädchen in den Dschihad treibt

11.10.2014, 17:08 Uhr | rtr , t-online.de

Was junge westliche Mädchen in den Dschihad treibt. Immer mehr Mädchen aus Westeuropa werden von Islamisten rekrutiert. In Syrien geraten sie in Hände islamischer Extremisten, leben in Angst und Schrecken und haben Experten zufolge kaum mehr eine Chance auf Rückkehr. (Quelle: Interpol)

So wie Nora erging es auch Samra aus Wien (hier auf einem Fahndungsfoto von Interpol), die nach Syrien in den "heiligen Krieg" zog, dort vermutlich zwangsverheiratet wurde und nun schwanger sein könnte. (Quelle: Interpol)

Nora ist erst 15 Jahre alt. Seit Monaten ist sie in Syrien - in den Händen islamischer Extremisten, die das französische Mädchen für den Dschihad rekrutiert haben. Ihr Bruder Foad ist verzweifelt: Immer wieder habe seine Schwester am Telefon die Familie angefleht, sie zu retten - doch das ist lebensgefährlich.

Im Mai habe ihr Bruder, ein 37-jähriger französischer Lkw-Fahrer marokkanischer Herkunft, sie dann nach monatelanger Suche endlich ausfindig gemacht - mit nach Hause aber wollte sie nicht.

Mädchen werden auf Dating-Seiten rekrutiert

Nora gehört zu Dutzenden europäischen Mädchen, die sich mit dem Versprechen, den Islamisten in Syrien helfen zu können, auf den Weg gemacht haben - auch aus Deutschland und Österreich. Die beiden als "Dschihad Mädchen" bekannten jungen Wienerinnen Samra (17) und Sabina (15) waren im April nach Syrien in den "heiligen Krieg" gezogen, "um für Allah zu sterben".

Es wird vermutet, dass sie dort mit tschetschenischen Kämpfern zwangsverheiratet wurden und schwanger sind. Samra, die laut der österreichischen Internetseite "oe24" wieder Kontakt zu Freunden und Familie aufgenommen hätte, wolle angeblich zurück nach Hause. Experten hielten das "für kaum mehr möglich".

Der Dschihad-Expertin Dounia Bouzar zufolge gehen die Anwerber immer raffinierter vor. Einige der Mädchen würden per Facebook kontaktiert oder auf Dating-Seiten. Ein Trend, der auch in Deutschland bekannt ist. Im Internet werde eine Dschihad-Romantik verbreitet, sagte jüngst Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

Sie werde von Frauen dazu genutzt, andere Frauen anzuwerben. Von rund 400 aus Deutschland nach Syrien ausgereisten radikalisierten Menschen seien rund zehn Prozent Frauen. "Sie wollen Märtyrer heiraten", sagt der schwedische Terrorismus-Experte Magnus Ranstorp. "Es gibt fast eine Art Obsession mit dem Paradies und dem Leben nach dem Tod, was es zu so etwas wie einem Todeskult macht. Der Tod zählt mehr als das Leben."

Es warten Zwangsheirat und ein Leben in Angst

In Syrien angekommen, darin sind sich Experten und Angehörige einig, erfahren sie dann ihr wahres Schicksal: Statt dem Paradies erwarten die Mädchen Zwangsheirat mit islamistischen Kämpfern, strenges Einhalten des islamischen Rechts, ein Leben unter ständiger Beobachtung und wenig Hoffnung auf Heimkehr. Das trifft wohl auch auf Nora zu.

Terroristen drohen mit Exekution

"Als ich ins Zimmer kam und sie mich sah, hörte sie gar nicht mehr auf zu weinen und klammerte sich an mich", erzählt Noras Bruder weiter. Doch dann war der Schock groß.

"Als ich sie mitnehmen wollte, fing sie an, ihren Kopf gegeneine Wand zu schlagen und zu schreien: 'Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht'." Foad ist überzeugt, dass der französisch sprechende Befehlshaber seiner Schwester mit der Exekution gedroht hat, sollte sie gehen.

Auf einmal war Nora verschwunden

An einem Nachmittag im Januar sei Nora völlig überraschend für ihre Familie nach Syrien aufgebrochen, erzählt der Bruder. "Drei Tage später erhielten wir eine Nachricht, in der sie sagte, sie sei in Aleppo, sie sei glücklich, habe genug zu essen- so als wäre sie in Disney World."

Dabei sei sie früher ein ganz normales, fleißiges Mädchen gewesen und habe sich für Disney-Filme interessiert. Aber es gab offenbar auch eine andere, bis dahin unbekannte Seite von ihr.

Doppelleben zwischen zuhause und dem syrischen Bürgerkrieg

Nora habe ein Doppelleben geführt, meint Foad. Unbemerkt von der Familie habe sie begonnen, sich dem radikalen Islam zuzuwenden. Erst nach ihrem Verschwinden habe die Familie ein zweites Handy, einen zweiten Facebook-Account und islamische Kleidungsstücke entdeckt.

In diesem zweiten Facebook-Account seien Aufrufe für den Dschihad zu lesen und Bilder verstümmelter syrischer Kinder zu sehen gewesen, erzählt Foad weiter. Seit Mai hat er keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester gehabt. Wo genau er sie getroffen hat, will Foad auf Anraten der französischen Polizei nicht sagen. Auch seinen eigenen vollen Namen will er nicht veröffentlicht sehen, um seine Familie zu schützen.

Nora lebt ihrem Bruder zufolge heute bei einem engen Berater eines Emirs und betreut Kinder von Dschihadisten. Einer Zwangsheirat habe sie entgehen können, die ein Anwerber und früheres Mitglied der radikalislamischen Al-Nusra-Front eingefädelt habe. Der Mann befinde sich jetzt in französischer Haft. Wann Nora nach Frankreich zurückkehrt, ist ungewiss.

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