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Angriff auf Schule in Pakistan: "Ich habe den Tod so nah vor mir gesehen"

Angriff auf Schule in Pakistan  

"Da sind viele Kinder, geht und holt sie euch!"

16.12.2014, 17:27 Uhr | t-online.de, AFP

Angriff auf Schule in Pakistan: "Ich habe den Tod so nah vor mir gesehen". Diese verängstigten Schülerinnen konnten der Taliban-Attacke auf ihre Schule in Peshawar entkommen. (Quelle: AP/dpa)

Diese verängstigten Schülerinnen konnten der Taliban-Attacke auf ihre Schule in Peshawar entkommen. (Quelle: AP/dpa)

Bei einem der blutigsten Taliban-Angriffe der vergangenen Jahre in Pakistan sind in einer Schule mehr als 140 Menschen getötet worden, die meisten davon Kinder. Sechs radikalislamische Kämpfer stürmten am Morgen den Schulkomplex im nordwestlichen Peshawar. Ein 16-Jähriger erzählt, wie er die Attacke der Taliban überlebte und welche Gräuel er mitansehen musste.

Shahrukh Khan liegt im Lady-Reading-Krankenhaus im pakistanischen Peshawar in blutigen Laken. Der 16-Jährige hat Schusswunden an beiden Beinen, jeweils knapp unter dem Knie. Den Angriff radikalislamischer Taliban auf seine Schule in der nordwestlichen Stadt überlebte der Jugendliche nur, weil er sich unter größten Schmerzen tot stellte. Um ihn herum wurden mehr als 140 Menschen getötet, großteils Mitschüler. "Ich habe den Tod so nah vor mir gesehen", sagt Khan.

Er habe sich mit vielen anderen Schülern zusammen in der Aula der vom pakistanischen Militär betriebenen Schule befunden, als vier Bewaffnete den Raum gestürmt hätten, erzählt Khan. "Allahu akbar" (Gott ist der Größte), hätten sie dabei immer wieder gerufen. "Jemand hat geschrien, wir sollten in Deckung gehen und uns unter den Tischen verstecken". Doch dies habe nicht nicht viel genutzt.

"Da sind viele Kinder, geht und holt sie euch!"

"Da sind viele Kinder unter den Tischen, geht und holt sie euch", rief nach Khans Angaben einer der Angreifer bald. "Und ich sah ein Paar große schwarze Stiefel auf mich zukommen", erinnert sich Khan. Kurz darauf sei ihm in die Beine geschossen worden. Trotz der brennenden Schmerzen habe er sich tot gestellt. "Ich habe meine Krawatte zusammengeknüllt und in meinen Mund gestopft, um nicht zu schreien."

"Der Mann mit den großen Stiefeln hielt weiter nach Schülern Ausschau und schoss auf sie. Ich habe so still wie möglich gelegen, meine Augen geschlossen gehalten und darauf gewartet, erneut getroffen zu werden", sagt Khan. "Mein ganzer Körper hat geschlottert, und ich werde diese schwarzen Stiefel niemals vergessen - es wirkte auf mich, als ob der Tod direkt auf mich zu liefe."

Schulsekretärin "stand in Flammen"

Nach einiger Zeit verließen die Männer dem Schüler zufolge dann die Aula. Er selbst sei noch einige Minuten an seinem Platz liegen geblieben. "Dann habe ich versucht aufzustehen, bin aber wegen meiner Wunden wieder hingefallen", sagt Khan. "Als ich in den Nachbarraum robbte, sah ich den brennenden Leichnam unserer Schulsekretärin, die saß auf einem Stuhl, Blut tropfte herunter, ihr Körper stand in Flammen."

Auch an einem getöteten Soldaten, der in der Schule gearbeitet habe, sei er auf seinem Weg vorbeigekommen, sagt Khan. In der Schule werden Jungen und Mädchen von Armeeangehörigen und aus der Zivilgesellschaft gemeinsam unterrichtet. Weiter erinnert sich Khan nur noch daran, dass er hinter eine Tür gekrochen und dort bewusstlos geworden sei. "Als ich aufwachte, lag ich im Krankenhausbett."

Racheaktion für Offensive der Armee

Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich nach Angaben der Sicherheitsbehörden hunderte Kinder und Lehrer in der Schule. Die meisten konnten laut Armee im Laufe der stundenlangen Gefechte in Sicherheit gebracht werden.

Alle sechs Angreifer seien getötet worden, teilte die Polizei mit. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Schüler im Alter von zehn bis 20 Jahren.

Ein Sprecher der Taliban sagte, auch Selbstmordattentäter seien unter der Gruppe gewesen. Mit der Attacke habe sich die Miliz für eine Offensive der Regierungstruppen rächen wollen.



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