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Pressestimmen zu "Charlie Hebdo": "Freiheit lässt sich nicht ermorden"

Pressestimmen zum Attentat  

"Uns wurde der Krieg erklärt"

08.01.2015, 13:56 Uhr | dpa, t-online.de

Pressestimmen zu "Charlie Hebdo": "Freiheit lässt sich nicht ermorden". Das schreckliche Attentat in Paris ist weltweit Aufmacher der Zeitungen. (Quelle: AP/dpa)

Das schreckliche Attentat in Paris ist weltweit Aufmacher der Zeitungen. (Quelle: AP/dpa)

Nach dem schrecklichen Attentat auf das religionskritische Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit 12 Toten in Paris stehen Frankreich und die Welt unter Schock. Betroffen, aber auch wütend fallen die Kommentare der Presse aus.

"Uns wurde der Krieg erklärt", schreibt beispielsweise "Le Figaro" und fordert von der Politik: "Wir müssen gegen diese Fanatiker hart durchgreifen." Und bei den "Kieler Nachrichten" ist zu lesen: "Unsere Freiheit lässt sich nicht ermorden." Die Pressestimmen im Überblick:

FRANKREICH

"Le Figaro": "Uns wurde der Krieg erklärt: Der Krieg des islamischen Fanatismus gegen den Westen, gegen Europa und gegen die Werte der Demokratie. Uns muss klar sein: Wenn heute Frankreich im Visier der Verrückten Allahs steht, dann waren es vorher andere Länder, und morgen werden es weitere Staaten sein. Wir müssen uns moralisch gegen die niederträchtigen Verbrechen dieser Barbaren wappnen, die als Frömmler verkleidet sind. Und wir müssen uns politisch und juristisch wappnen. Zu lange sind wir im Namen eines irregeleiteten Humanismus unseren schlimmsten Feinden entgegengekommen. Wir müssen gegen diese Fanatiker hart durchgreifen, die sich offen gegen unser Land und unsere Sicherheit verschwören. Wenn es Krieg gibt, muss man ihn gewinnen."

"Libération": "Sie haben "Charlie" angegriffen und damit die Toleranz, die Ablehnung von Fanatismus und Dogmatismus. Sie haben diese offene, religionsfreie und friedfertige Linke angegriffen, die sich sicherlich über den Zustand der Welt empört, sich jedoch lieber darüber lustig macht, als anderen ihren Katechismus aufzuzwingen. Die Fanatiker verteidigen keine Religion, weil Religion tolerant sein kann, und sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit mit Entsetzen auf diese niederträchtigen Morde reagiert haben. Die Fanatiker greifen die Freiheit an. Alle Republikaner sind vereint gegen den Gegner. Dieser Gegner ist der Terrorismus, nicht der Islam, der Gegner ist der Fanatismus, keine Religion, und der Gegner ist der Extremismus. Der hat nichts zu tun mit unseren muslimischen Mitbürgern."

"La Croix": "Der Terror hat sein todbringendes Werk vollbracht und dabei Wut und Angst erzeugt. Wie in anderen europäischen Ländern nimmt auch in Frankreich die Furcht vor dem Islam und einer Islamisierung des Kontinents zu. Dieses Attentat in Paris kann die Ablehnung der muslimischen Gemeinschaft verschärfen. Der Anschlag kann auch zu einer Bürgerbewegung der Solidarität gegen diese Terroristen führen, die mit der Ermordung einiger Menschen die ganze Gesellschaft im Visier haben, ihren Lebensstil und ihre Werte. Wir müssen gelassen bleiben und würdevoll und dürfen nicht in Panik verfallen. Dieser Zusammenhalt symbolisiert unser Gedenken an die Opfer."

DEUTSCHLAND

"Kieler Nachrichten": "Mit ihren Kalaschnikows zielten die Terroristen direkt auf die Meinungsfreiheit, auf die Pressefreiheit, auf die Freiheit der Kunst. Es war ein Anschlag auf uns alle. Ausgerechnet in Frankreich, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einst erstritten wurden. Und ausgerechnet jetzt, wo Tausende auf Anti-Islam-Demonstrationen durch deutsche Städte ziehen. Der Anschlag von Paris führt uns erneut vor Augen, dass es nirgendwo Sicherheit vor Terrorismus gibt. Nicht in Paris, nicht in Berlin. Fanatisierte Attentäter könnten ihren Hass auf unsere offene Gesellschaft überall und jederzeit wieder ausleben. Politiker und Polizisten, Journalisten und Künstler, wir alle dürfen uns davon aber nicht einschüchtern lassen. Denn das allein bleibt die tröstliche Botschaft nach dem traurigen Tag von Paris: Unsere Freiheit lässt sich nicht ermorden."

"Saarbrücker Zeitung": "Despektierliche Karikaturen über Mohammed waren mehrfach schon Anlass für Fundamentalisten, Drohungen auszusprechen oder Brandanschläge zu verüben. Aber dieses Massaker von Paris hat eine neue Dimension. Es ist eine Herausforderung an uns alle. Und deshalb erfordert diese Tat nicht nur das Zusammenstehen aller Kulturnationen, sondern einen neuen abrahamitischen Leitsatz, den alle religiösen Autoritäten auf dieser Welt predigen müssten: Gott kann man nicht beleidigen! Gott steht über allen menschlichen Irrungen und Wirrungen, er ist nicht beleidigbar. Wenn Kinder schon in der Schule lernen würden, dass Jahwe, Jesus oder Allah das genaue Gegenteil von Gewalt und Selbstjustiz versinnbildlichen, wäre die Menschheit vermutlich einen großen Schritt weiter."

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": "Die Mörder rufen mit dem Blutbad von Paris etwas zutiefst Beunruhigendes in Erinnerung, was islamistischen Terror immer schon auszeichnete. Er ist nicht etwa eine Reaktion auf ein eigenes substanzielles Angegriffensein. Wurde jemals jemand gezwungen, sich Satiren aus dem Heft "Charlie Hebdo" anzusehen? Nein. Unerträglich erschien den Mördern in Wahrheit schon der Umstand, dass es in Paris überhaupt jemanden gibt, der auf so grundsätzliche Art anders denkt und anders ist als sie selbst. Paris ist eine tolerante, weltoffene Stadt. Für die große Masse friedliebender Moslems, die dort leben, gibt es nichts, worüber sie sich beklagen können. Doch Toleranz allein ist noch kein Schutz gegen Attacken der Intoleranten."

"Nordwest-Zeitung": "Der Terror islamistischer Fanatiker ist erschreckend nah. Seit dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» weiß jeder, dass die brutalen Fanatiker nicht vor westlichen Gesellschaften und deren Werten Halt machen. Im Gegenteil: Die Freiheit von Meinung und Kunst bedeuten diesen verblendeten Eiferern nichts. Sie berufen sich auf Allah und missbrauchen zugleich seinen Namen auf übelste Weise. Der Anschlag wird die politischen Debatten über Zuwanderung in Frankreich, aber auch in Deutschland befeuern. Schon versuchen ausländerfeindliche Organisationen aus dem Blutbad Kapital zu schlagen. Die selbst ernannten Retter des Abendlandes namens Pegida sehen sich in ihrer Ablehnung von Muslimen bestätigt. Diesen Triumph aber sollten wir den Terroristen von Paris nicht gönnen. Es gilt, jetzt erst recht die demokratischen Werte zu betonen und Ausländer nicht mit dumpfen Parolen unter Generalverdacht zu stellen."

"Rhein-Zeitung": "Das Grausamste am Grauen von Paris ist: Dieser Anschlag ist ein Fiasko für alle auf beiden Seiten, die guten Willens sind. Den Extremisten unter den Muslimen vermittelt es ein fatales Beispiel scheinbarer Stärke, den islamfeindlichen Strömungen in ganz Europa wird es Zulauf bescheren. Und alle in der Mitte, die sich menschlichen Werten statt fanatisch überinterpretierten Koranzeilen verpflichtet fühlen, geraten von beiden Seiten unter Druck."

"Flensburger Tageblatt": "Die Terroristen unterschätzen in ihrem blindwütigen Hass die Macht der Worte und der Bilder. Dank der Presse- und Meinungsfreiheit wurden Diktatoren gestürzt und ideologischen und religiösen Verführern die Masken vom Gesicht gerissen. Wie scharf das Schwert der Pressefreiheit ist, zeigt bei aller Trauer über die Opfer dieser Anschlag. Die Terroristen konnten offensichtlich das offene Wort, die Karikaturen nicht ertragen."

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