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Deutsche Botschaft warnt vor "Asyl-Lawine" aus dem Kosovo

Massenflucht  

Deutsche Botschaft prophezeit "Asyl-Lawine" aus dem Kosovo

10.02.2015, 10:06 Uhr | AFP, t-online.de

Deutsche Botschaft warnt vor "Asyl-Lawine" aus dem Kosovo. Die deutsche Botschaft erwartet Tausende Flüchtlinge aus dem Kosovo auch in Deutschland.  (Quelle: dpa)

Die deutsche Botschaft erwartet Tausende Flüchtlinge aus dem Kosovo auch in Deutschland. (Quelle: dpa)

Erwartet Deutschland eine massenhafte Einwanderung aus dem Kosovo? Ein Schreiben der deutschen Botschaft in Pristina mit dem Betreff "Auswanderung von Kosovaren nimmt dramatisch zu" legt das nahe. Ein "Massen-Exodus" und eine "Asyl-Lawine" sei im Gange, heißt es in dem Brief, aus dem die "Bild am Sonntag" zitierte. Es ist die Armut in ihrem Land, die die Menschen aus dem Kosovo zur Flucht zwingt.

In dem nordserbischen Urlaubsort Palic herrscht in diesem Winter Hochbetrieb. Tausende Kosovaren bevölkern seit Wochen die Hotels und Gasthäuser rund um den gleichnamigen See. Sie suchen dort aber keine Erholung, vielmehr warten sie auf eine günstige Gelegenheit, um der Armut in ihrem Heimatland zu entkommen. Das Eintrittstor zu einer vermeintlich besseren Zukunft liegt nur wenige Kilometer entfernt: Über die Grenze zu Ungarn wollen die Flüchtlinge illegal in die EU einreisen, um sich dort ein neues Leben aufzubauen.

Bayerischer Innenminister fürchtet Missbrauch des Asylrechts

Auch Deutschland könnte von der Massenflucht betroffen sein. "Hält der Trend an, dürften monatlich etwa 25.000 bis 30.000 Kosovaren das Land verlassen", heißt es im Schreiben der deutschen Botschaft im Kosovo. Um das zu verhindern, fordern die Botschafter Massenabschiebungen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fürchtet angesichts dieser Prognosen "einen tausendfachen Missbrauch unseres Aslyrechts", wie er im Gespräch mit "Focus Online" äußerte. Das dürfe man nicht hinnehmen. Herrmann zufolge müssten die Migranten schon an der serbisch-ungarischen Grenze gestoppt werden.

Günter Burkhardt, Geschäftsführer der deutschen Menschenrechtsorganisation Pro Asyl, sieht diese Aussagen kritisch. Gegenüber "Focus Online" betont er, dass kein Herkunftsland pauschal "abgeurteilt" werden dürfe, denn das gefährde das individuelle Asylrecht. Schließlich prüften Asylverfahren den Einzelfall und entschieden nicht allein auf Grundlage Herkunftslandes.

Der Kosovo ist eines der ärmsten Länder Europas

Im Zuge eines blutigen Konflikts hatte sich der Kosovo 1999 unter Beteiligung der Nato von Serbien abgespalten. Im Jahr 2008 erklärte Pristina seine Unabhängigkeit, die jedoch bis heute von Belgrad nicht anerkannt wird.

Der Kleinstaat zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Etwa 40 Prozent der 1,8 Millionen Einwohner leben in Armut.

Verzweiflung wird ausgebeutet

In Palic hat sich ein Netzwerk von Schleusern eingenistet, die sich ihre Dienste von Flüchtigen teuer bezahlen lassen. An Nachfrage mangelt es nicht: Laut Medienberichten starten täglich etwa zehn Busse aus dem Kosovo in Richtung Palic.

Allein das Touristikunternehmen Adio Tours aus der Hauptstadt Pristina schickt an einem Februartag drei Busse mit etwa 150 Kosovo-Albanern an Bord auf die Reise. "Wir haben die Unabhängigkeit, aber nichts zu essen", sagt der 27-jährige Hasan Fazliu, der seinen einjährigen Sohn in den Armen trägt.

"Ich bin hier mit meiner Frau und meinen beiden Kindern", erzählt der 32 Jahre alte Selman. "Wir zahlen 100 Euro für das Zimmer und sie verlangen 980 Euro, um uns nach Ungarn zu bringen." Für einige ist das unbezahlbar. Die Preise zwingen viele, es auf eigene Faust zu versuchen.

Die Fluchthelfer sind aber nicht die Einzigen, die von der Verzweiflung ihrer Landsleute profitieren. "Mein Chef ärgert sich, dass er nur zwei Busse besitzt. 'Auch wenn ich fünf hätte, wären die Sitze eine Woche im Voraus ausverkauft', hat er mir erzählt", berichtet einer der Busfahrer in Palic.

Verantwortung an Serbien weitergereicht

Seit Jahresbeginn haben bereits 13.000 Menschen in Ungarn Asyl beantragt. Ihre Zahl könnte sich 2015 auf insgesamt 100.000 belaufen, schätzt Antal Rogan, ein ranghoher Politiker der in Ungarn regierenden Fidesz-Partei. Dies wären mehr als doppelt so viele als im Vorjahr.

Die Behörden im Kosovo lassen keinen großen Ehrgeiz erkennen, die Massenflucht aus ihrem Land zu verhindern. Stattdessen sehen sie wie die deutsche Botschaft das Nachbarland Serbien in der Pflicht, die Ausreisen zu verhindern. "Serbien hat seine Tore weit geöffnet für illegal Ausreisende aus dem Kosovo", klagte Kosovos Präsidentin Atifete Jahjaga kürzlich.

Die serbische Polizei gab unterdessen bekannt, binnen drei Tagen nahezu 450 Kosovo-Albaner an der Ausreise gehindert und festgenommen zu haben. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die einen serbischen Pass beantragt haben. Allein 60.000 solcher Anfragen wurden in den vergangenen Wochen nach Angaben Belgrads registriert. Die Kosovaren benötigen ein Visum, um in die EU einzureisen. Serbische Staatsangehörige können sich hingegen in den meisten EU-Ländern frei bewegen.

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