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Abschuss von MH17: Experte widerspricht Russland-Theorie

Abschuss von MH17  

Experte widerspricht Putins Kampfjet-Theorie

11.03.2015, 12:21 Uhr | dpa, t-online.de

Abschuss von MH17: Experte widerspricht Russland-Theorie. Wrackteile von MH17 liegen in der Nähe der Stadt Grabovo in der Region Donezk. (Quelle: Reuters)

Wrackteile von MH17 liegen in der Nähe der Stadt Grabovo in der Region Donezk. (Quelle: Reuters)

Die russische Theorie über den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine ist offenbar falsch. Ein russischer Ingenieur widersprach jetzt der These, dass die Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord von einem ukrainischen Kampfjet abgeschossen worden sein könnte.

Vielmehr müsse MH17 von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden sein. Das sagte der russische Chef-Entwickler des Kampfjets Su-25, Wladimir Babak, in einem Interview mit WDR, "Süddeutsche Zeitung" und NDR.

Abschuss in 10.000 Metern Höhe?

Russland hatte die Theorie ins Spiel gebracht, MH17 sei in rund 10.000 Metern Höhe von einem ukrainischen Kampfflieger abgeschossen worden. Das russische Verteidigungsministerium behauptete, zum Zeitpunkt des Abschusses habe sich eine ukrainische Maschine vom Typ Su-25 in der Nähe der Boeing befunden.

Moskau hatte von Kiew darüber Auskunft eingefordert.

Treffer durch Boden-Luft-Rakete

Ein Abschuss aus der Luft sei aber nicht möglich, sagte jetzt der Experte. Das angebliche ukrainische Flugzeug hätte in einer solchen Höhe kaum schießen können, so Babak dem Bericht zufolge.

Die Su-25 könne eine Boeing wohl auf einer Höhe von drei oder vier Kilometern abschießen, jedoch nicht in zehn oder elf Kilometern Höhe. Dabei würde die Su-25 sehr wahrscheinlich abstürzen, sagte Babak.

Russisches Vertuschungsmanöver

Der Kampfjet, mit dem sich der Chefkonstrukteur nach eigener Aussage schon seit 35 Jahren befasse, sei ein Tiefflieger, der so konstruiert sei, "dass es auf niedrigen und mittleren Höhen eingesetzt werden kann". Zwar könne die Maschine für kurze Zeit höher fliegen, aber es brauche schwere Raketen, um eine Boeing zu zerstören.

"Ich glaube, man hat die Su-25 ins Spiel gebracht, um Spuren zu verwischen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Wir verstehen nicht, wie eine Su-25 die Boeing hätte abschießen können", sagte Babak. Eine Luft-Luft-Rakete hätte die Boeing nur beschädigt, und nicht auseinanderbrechen lassen. Er gehe vielmehr davon aus, dass der Flieger von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden sei. Er sei offenkundig in 10.050 Meter Höhe von einer Rakete getroffen worden und dann auseinandergebrochen.

Worte im Munde verdreht

Zudem bestreitet der ukrainische Kampfpilot Wladyslaw Woloschyn, der - wie vom russischen Fernsehen gezeigt - angeblich die Boeing abgeschossen hatte, jede Tatbeteiligung. Äußerungen von ihm seien in russischen Medien verdreht worden, behauptete er. Ein angeblicher Überläufer hatte dort anonym berichtet, dass Woloschyn nach dem Abschuss der MH17 gesagt habe: "Das war ein schlechter Tag".

Woloschyn gab zu, diesen Satz zwar gesagt zu haben, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang, nämlich am 23. Juli, nachdem Separatisten Kampfjets mit zwei seiner Kollegen abgeschossen hätten. Am 17. Juli, als die MH17 getroffen wurde, sei er überhaupt nicht in der Luft gewesen.

Abschussort lokalisiert?

Zudem glaubt das internationale Rechercheteam Bellingcat, den Abschussort der Rakete gefunden zu haben. Anwohner der Stadt Snischne im Bezirk Donezk bestätigten einem Team von WDR, "SZ" und NDR die Anwesenheit einer Buk, und meinten, das typische Abschussgeräusch dieser Boden-Luft-Rakete gehört zu haben.

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