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Russische "Nachtwölfe" werfen Deutschland Hysterie vor

Putin-Rocker beleidigt  

Keine Siegestour: "Nachtwölfe" werfen Deutschland Hysterie vor

26.04.2015, 19:05 Uhr | dpa

Russische "Nachtwölfe" werfen Deutschland Hysterie vor. Mit einer Europatour wollen die Biker des russischen Motorrad-Clubs "Nachtwölfe" an den Sieg der Roten Armee gegen Hitler erinnern. (Quelle: AFP)

Die russischen Motorrad-Rocker "Nachtwölfe" auf dem Weg nach Berlin. (Quelle: AFP)

Mit einer Europatour wollen die Biker des russischen Motorrad-Clubs "Nachtwölfe" an den Sieg der Roten Armee gegen Hitler erinnern - und den "Blutzoll ihrer Großväter". Doch die Aufregung um die Reise zum 70. Jahrestag des Kriegsendes ist groß in Berlin und Warschau. Weit sollen die Rocker nicht kommen - Polen und Deutschland wollen die Grenzen dicht machen. Der Putin-Freund und Präsident des Clubs hat für diese "anti-russische Hetze" kein Verständnis.

Die russischen "Nachtwölfe" sind losgefahren mit Kurs auf Berlin - auf den Spuren der Roten Armee. In diesem Jahr gedenken die Putin-Rocker dem 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Opfer - dazu wollen sie an die Gräber ihrer gefallenen Großväter.

Die Tour sei der Kriegsveteranin Nadeschda Kirillowa gewidmet, sagt Rocker-Präsident Alexander Saldostanow, auch "Chirurg" genannt. Die Rotarmistin sei einst mit ihrem Motorrad als militärische Aufklärerin unterwegs im Kampf gegen die Nazis gewesen. "Chirurg" weist deshalb Vorwürfe zurück, die Rocker wollten provozieren. "Eine Provokation ist es, uns das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zu verwehren", donnert er. Denn Polen und Deutschland hindern die Rocker an der Einreise.

"Wir sind doch unbewaffnet"

Für die Männer in den schwarzen Ledermonturen mit einem zähnefletschenden Wolfskopf samt Feuerschweif auf dem Rücken soll schon am Montag Endstation sein - an der polnischen Grenze. Saldowstanow ist empört über so viel "Hysterie". Sie kämen doch "unbewaffnet" und seien "weltoffen", betont er zum Start der Tour.

Dabei wissen auch seine "Nachtwölfe", dass sie im Westen vor allem deshalb als "Provokateure" gesehen werden, weil sie Putins Kurs im Ukraine-Konflikt unterstützen. Viele der Rocker im Biker-Zentrum tragen Fahnen oder Abzeichen der prorussischen Separatisten aus dem ukrainischen Kriegsgebiet Donbass bei sich. Doch darum soll es bei der Weltkriegs-Gedenktour aber angeblich gar nicht gehen.

Der Unterstützer von Putin, der selbst früher in Berlin lebte, begleitet nur den Auftakt, weil er selbst kein Westvisum hat. Aber "Chirurg" gibt die Linie vor: Die Tour solle den Westen daran erinnern, dass die Sowjetunion mit 27 Millionen Toten den größten "Blutzoll" im Kampf gegen Hitler bezahlte. Deshalb wollen die Rocker in Weißrussland, Polen, der Slowakei, in Tschechien und dann in Deutschland - dort in München, Torgau und Berlin - Soldatengräber besuchen.

Solche Fahrten sind keine Ausnahme in Russland. Erst in der vorvergangenen Woche startete eine Autokolonne zu Ehren der Opfer und der Veteranen vom Park des Sieges in Moskau nach Torgau. Dort wollen sie dieser Tage an die Begegnung der sowjetischen und der US-Truppen an der Elbe 1945 erinnern - an die Zeit, als Russland und der Westen Alliierte waren.

"Anti-russische Hetze" in der EU

Doch die Aktion der "Nachtwölfe" ist in diesem Jahr eben politisch aufgeladen wie sonst keine. Im Biker-Zentrum in Moskau herrscht Wirbel wegen der "antirussischen Hetze" in der EU gegen die Rocker-Tour. "Hier ist keinem klar, wie Polen und Deutschland ein paar Biker aus Russland als Bedrohung empfinden können", sagt Anatolia, die mit ihrem sechsjährigen Sohn hier ist.

Ein alter Sowjetpanzer mit roter Fahne steht am Eingangstor der streng bewachten Biker-Burg. Wölfe auf dem Gelände - ausgestopft oder als Skulpturen - geben dem Club einen martialischen Anstrich. Auf der Bühne spielt eine Band. Es gibt Kampflieder im Hardcore-Mix. Aber der Tag ist insgesamt eher ein Volksfest mit Grillen. Hunderte Zuschauer sind gekommen, um den Saison-Start der "Notschnyje Wolki" zu feiern. Dutzende Motorräder stehen bereit, nur 20 sollen die "Siegestour" antreten.

"Für Stalin!" Polen helfen

Ein Mann mit Punkfrisur steckt eine Stalin-Fahne an sein Motorrad. "Für die Heimat! Für Stalin!" steht auf der Flagge. Solche Reliquien, die an den Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg und den damaligen Oberbefehlshaber Josef Stalin erinnern, haben Konjunktur in Russland vor dem 9. Mai.

Aber nicht alle unterstützen das Einreiseverbot für die russischen Gäste. In Polen gibt es Rocker, die um der Biker-Freundschaft willen den russischen Wölfen helfen wollen. Der Internationale Motorradverein Katyn-Rallye kritisierte das Einreiseverbot als "schändlich". Wiktor Wegrzyn von dem Verein bietet deshalb nun an, die geplanten Trassen mit polnischen Bikern abzufahren. Im Namen der "Nachtwölfe" wollen sie dann Kerzen an den Weltkriegsgräbern anzünden.

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