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Islamischer Staat hat offenbar Massenmorde in Ramadi begangen

"Ramadi ist gefallen"  

IS soll Massenmorde an Zivilisten und Polizisten verübt haben

18.05.2015, 17:56 Uhr | t-online.de, rtr, AP

Islamischer Staat hat offenbar Massenmorde in Ramadi begangen. Tod und Zerstörung: Der Kampf um Ramadi hat Spuren hinterlassen. (Quelle: Reuters)

Tod und Zerstörung: Der Kampf um Ramadi hat Spuren hinterlassen. (Quelle: Reuters)

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar Ramadi unter ihre Kontrolle gebracht. Bei der Eroberung der westirakischen Stadt durch die Dschihadisten kam es wohl zu Massenmorden an Zivilisten und Sicherheitskräften.

Dutzende Polizisten, Anhänger der Regierung und deren Frauen und Kinder seien auf den Straßen oder in ihren Häusern erschossen worden, sagte Bürgermeister Dalaf al-Kubaisi. Bei den Kämpfen um Ramadi sind in den vergangenen Tagen nach Regierungsangaben rund 500 irakische Soldaten und Zivilisten ums Leben gekommen. Die Zahl nannte das Büro des Gouverneurs der Provinz Anbar, die westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad liegt. Rund 8000 weitere Menschen seien geflohen, sagte Sprecher Muhannad Haimur.

Haimour bestätigte: "Ramadi ist gefallen, das Militär flieht." Internetvideos zeigen, wie gepanzerte Wagen Ramadi in hohem Tempo verließen. Soldaten ließen Augenzeugenberichten zufolge Artilleriegeschütze, Sturmgewehre und rund 30 Fahrzeuge, darunter Panzer, zurück. Auch verstärkte Luftangriffe der US-geführten Koalition auf Stellungen der IS-Miliz hatten den Rückschlag für die Regierung in Bagdad nicht abwenden können. Vertreter der irakischen Armee erklärten, die Streitkräfte hätten alle wichtigen Stützpunkte in der Stadt verlassen.

Dennoch gab Regierungschef Haider al-Abadi den Befehl aus, die Armee müsse ihre Positionen in Anbar halten. Zudem ordnete er schiitische Milizen an, sich für einen dortigen Einsatz zu rüsten. Damit setzte sich Al-Abadi über US-Bedenken hinweg, dass die Präsenz von Schiiten in der überwiegend von Sunniten bewohnten Provinz zu religiös motivierter Gewalt führen könne.

Sunniten-Führer kritisiert Militär-Planung

Am Sonntagabend traf bereits ein Großaufgebot an schiitischen Milizen in einer Militärbasis nahe Ramadi ein - offenbar für eine mögliche Gegenoffensive, wie der Führer des Provinzrats von Anbar, Sabah Karhut, sagte.

Naeem al-Gauud, ein sunnitischer Stammesführer, begrüßte jedoch die Ankunft der Kämpfer. "Wir heißen jede Gruppe willkommen - darunter schiitische Milizen, die uns bei der Befreiung der Stadt von den Extremisten helfen. Heute kam es zu einer großen Niederlage, die durch Mangel an guter Planung vonseiten des Militärs verursacht wurde", sagte er.

Leichen auf Straßen und in den Fluss geworfen

Al-Gauud beklagte den Tod von Stammeskämpfern, die versucht hätten, Ramadi zu verteidigen. Einige der teils verkohlten Leichen seien auf die Straßen, andere in den Fluss Euphrat geworfen worden.

Die USA haben indes noch Zweifel an der Eroberung Ramadis durch den IS. "Wir prüfen weiterhin die Berichte über heftige Kämpfe in Ramadi", erklärte die Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums, Maureen Schumann, in Washington. Es sei "zu früh, um derzeit definitive Stellungnahmen zur Lage vor Ort abzugeben".

Vergangene Woche hatten IS-Kämpfer Ramadi überrannt und Regierungsgebäude sowie Schlüsselbezirke besetzt. Am Sonntag gab es dann die entscheidenden Gefechte zwischen den Extremisten und den irakischen Sicherheitskräften, die letzte Posten im südlichen Stadtteil Malaab verteidigten. Zuvor hatten sich mehrere Selbstmordattentäter mit ihren Fahrzeugen in die Luft gesprengt und mindestens zehn Polizisten getötet. Der IS besetzte auch die für ganz Anbar zuständige Kommandozentrale in Malaab.

Rückschlag für irakische Armee

Der jüngste Rückschlag für die irakische Armee kommt nur einen Tag, nachdem die Regierung zusätzliche Truppen in die Stadt geschickt hatte. Noch am Samstag hatte ein Sprecher des irakischen Militärs verkündet, der IS werde "in den kommenden Stunden" aus der Stadt gedrängt. Die US-geführte Militäraktion meldete am Sonntag sieben Luftangriffe auf Stellungen in Ramadi in den vergangenen 24 Stunden.

Die Niederlage stellt die Strategie der USA infrage, nur auf diese Attacken als Unterstützung der irakischen Armee zu setzen. Andererseits trugen Luftangriffe dazu bei, dass die Truppen und kurdische Kämpfer landesweit bereits einige Bodengewinne gegen den IS erzielen konnten, darunter die Rückeroberung der Stadt Tikrit. Der IS kontrolliert jedoch immer noch etwa ein Drittel des irakischen Territoriums.

Strategischer Erfolg für den IS

Durch die Eroberung Ramadis hat der IS einen strategischen Erfolg gelandet. Denn seit Monaten verliert der IS im Irak an Boden, viele Dörfer und Ölfelder werden von den Regierungstruppen zurückerobert. Gemeinsam mit schiitischen Milizen treiben Bagdads Truppen die IS-Kämpfer immer weiter in Richtung Norden. Dort warten bereits die kurdischen Peschmerga und jagen die Terrortruppe ihrerseits Richtung Süden.

Um diese Nord-Süd-Zange aufzubrechen rückt der IS nun seit einigen Wochen von Westen vor - genau in die Flanke der irakischen Armee. Ramadi liegt nur etwa 100 Kilometer von Bagdad entfernt.

Unterbricht der IS (schwarz) die Angriffslinie der Bagdader Truppen (grün)? (Quelle: t-online.de mit Material von stepmap)Unterbricht der IS (schwarz) die Angriffslinie der Bagdader Truppen (grün)? (Quelle: t-online.de mit Material von stepmap)

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