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Islamischer Staat erobert Unesco-Weltkulturerbe Palmyra in Syrien

Weg nach Damaskus freigekämpft  

IS überrennt antike Oasenstadt Palmyra

21.05.2015, 13:39 Uhr | t-online.de mit Material von AP, dpa

Islamischer Staat erobert Unesco-Weltkulturerbe Palmyra in Syrien. Vor Palmyra: Ein syrischer Raketenwerfer feuert in Richtung IS-Truppen. (Quelle: dpa)

Vor Palmyra: Ein syrischer Raketenwerfer feuert in Richtung IS-Truppen. (Quelle: dpa)

Noch am Wochenende hatten die Truppen des syrischen Diktators Baschar al-Assad die Kämpfer des Islamischen Staates (IS) spektakulär zurückgeschlagen. Jetzt aber scheint auch das Schicksal der antiken Oasenstadt Palmyra besiegelt zu sein: Nach heftigen Kämpfen haben Extremisten das historische Kleinod in Zentralsyrien offenbar fast vollständig eingenommen - und das nur wenige Tage nach der Eroberung der irakischen Stadt Ramadi.

Die Regierungstruppen hätten sich am Abend aus dem Ort zurückgezogen. Ein örtliches Medienkollektiv erklärte, die Extremisten hätten nun die Kontrolle über die Stadt, darunter die weltberühmten antiken Ruinen - ein Unesco-Weltkulturerbe.

Angst um die "Braut der Wüste"

Der Fall der Stadt an den IS ist eine bedeutende Niederlage für die Truppen Assads. Eine Woche hatten die Kämpfe um die Oase gedauert.

Doch es ist nicht nur wegen der kulturellen Bedeutung von Palmyra ein enormer Verlust für die Regierung, sondern macht den Extremisten auch den Weg frei, um auf wichtige, von der Regierung gehaltene Gegenden wie Homs und Syriens Hauptstadt Damaskus vorzustoßen. In der Region um Palmyra gibt es außerdem mehrere wichtige Gas- und Ölfelder.

Auch das syrische Staatsfernsehen räumte den Rückzug regierungsnaher Kräfte aus Palmyra ein. Die IS-nahe Aaamak-Nachrichtenagentur meldete, Palmyra sei "unter der vollständigen Kontrolle der Kämpfer des Islamischen Staats". Auch ein Ölfeld habe die Miliz eingenommen.

Palmyras Ruinen sind bekannt für ihre 2000 Jahre alten Kolonnaden, die in die Zeit des Alten Rom zurückreichen. Darüber hinaus gibt es in der historischen Stätte etliche noch ältere Ruinen und unbezahlbare Artefakte - so einen der letzten Tempel des orientalischen Fruchtbarkeitsgottes Baal. Vor dem Syrischen Bürgerkrieg kamen jährlich Tausende Touristen in das Wüstengebiet, um die Stätte zu bestaunen. Die Syrer nennen sie stolz "Braut der Wüste".

Die Ruinen befinden sich südwestlich von Palmyra. Es gibt Befürchtungen, die IS-Kämpfer könnten sie zerstören. Die Terroristen haben bereits andere bedeutende archäologische Stätten im Irak verwüstet.

Archäologen retten hunderte Statuen

"Ich habe große Angst", sagte der für Antiquitäten und Museen zuständige syrische Generaldirektor Maamun Abdulkarim. "Das ist ein PR-Kampf für Da'ish (IS, Anm.), und sie werden darauf bestehen, einen Sieg gegen die Zivilisation durch Zerstörung (der antiken Ruinen) zu erzielen", sagte er.

Arbeiter hätten zuvor Hunderte Statuen und Meisterwerke sicher nach Damaskus transportieren können. "Aber wie sichern wir Kolonnaden, die eine Tonne wiegen? Wie rettet man Tempel und Grabstätten und, und, und?", fragte Abdulkarim fassungslos.

Vormarsch auch im Irak

Noch am Wochenende hatten syrische Behörden erklärt, das Militär habe den IS aus Palmyra verdrängt und die Lage sei wieder vollständig unter Kontrolle. Am Mittwoch aber gelang es IS-Kämpfern, unter anderem ein Regierungsgebäude für staatliche Sicherheit zu besetzen.

Es ist der zweite große Erfolg des IS innerhalb weniger Tage nach der Einnahme der irakischen Stadt Ramadi, die nur gut 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad liegt. Die dortigen Behörden erlaubten den aus Ramadi flüchtenden Menschen nun doch, in Richtung Bagdad zu fliehen.

Tausende Zivilisten durften eine Brücke überqueren, die die Provinzen Anbar und Bagdad verbindet. Ramadi ist die Provinzhauptstadt von Anbar. Zuvor hatten die Behörden dies nicht genehmigt, weil sie befürchteten, auch IS-Extremisten könnten dann in die irakische Hauptstadt gelangen. Als Folge mussten Tausende Flüchtlinge nahe der Brücke tagelang unter freiem Himmel ausharren.

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