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Attentäter von Frankreich gesteht Enthauptung

Attentäter von Lyon gesteht  

Ex-Kampfsportlehrer: Er war gefährlich - für sich und andere

29.06.2015, 15:06 Uhr | AFP, t-online.de

Attentäter von Frankreich gesteht Enthauptung. Polizisten sichern das Gelände nach dem Anschlag auf eine Gasfabrik bei Lyon ab.   (Quelle: AP/dpa)

Polizisten sichern das Gelände nach dem Anschlag auf eine Gasfabrik bei Lyon ab. (Quelle: AP/dpa)

Der mutmaßliche Attentäter von Lyon hat die Enthauptung seines Arbeitgebers gestanden. Zuvor hatten Ermittler ein Selfie des mutmaßlichen Islamisten mit dem Kopf seines Opfers entdeckt. Der ehemalige Kampfsportlehrer des Terrorverdächtigen zeichnet im Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Parisien" das Bild eines unkontrollierbaren Mannes.

Der Lehrer habe den 35- jährigen Yassin S. vor vier Jahren zum ersten Mal getroffen und dann zwei Jahre lang trainiert. Er sei schnell auf ihn aufmerksam geworden. "Ein langer Bart, lange Haare - das ist nicht gerade ein Aussehen, das man beim Kampfsport oft sieht."

Yassin S. habe den Wunsch geäußert, "Free Fight" zu trainieren. Das habe den Mann, der anonym bleiben möchte, beunruhigt: "Free Fight ist ein sehr gewalttätiger Kampfsport, bei dem alle Schläge erlaubt sind."

"Er kämpfte nicht, er war im Krieg"

Nach außen hin habe Yassin S. sehr ruhig gewirkt, so der erfahrene Trainer. Dieser Eindruck sollte sich bald ändern:

"Manchmal ließ er sich schlagen, ohne zu reagieren. Er schützte nicht einmal sein Gesicht. Und dann explodierte er vor Wut und teilte mit einer unerhörten Wucht in alle Richtungen aus. Er wurde gefährlich - für sich wie für die anderen. Er kämpfte nicht, er war im Krieg."

Zunehmende Fanatisierung einer "Zeitbombe"

Der Lehrer beschreibt im "Parisien" auch die zunehmend beobachtbare Fanatisierung seines Schülers. Mal sei er mit einem "Mudschaheddin"-T-Shirt zum Training gekommen, mal im langen Gewand gläubiger Moslems, und mal mit drei "Brüdern", die ihm beim Training zugesehen hätten.

Allerdings habe ihm, so der Trainer, ein eindeutiger Hinweis auf eine islamistische Haltung gefehlt, wenn Yassin S. vom Islam gesprochen habe. Die einzige Erklärung für die Tat von Lyon sei, dass sein Schüler eine gespaltene Persönlichkeit gewesen ist - "eine Bombe mit Zeitzünder", die irgendwann explodierte. Allerdings ist sich der Trainer sicher, dass man Yassin S. einer Gehirnwäsche unterzogen und benutzt hat.

Laut "Parisien" habe der französische Inlandsgeheimdienst Yassin S. bereits 2008 wegen angeblicher Kontakte zu Salafisten überwacht. Da es keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung gegeben habe, wurde die Observation eingestellt.

Mutmaßlicher Islamist gesteht Tat

Mittlerweile hat Yassin S. zugegeben, seinen 54-jährigen Chef vor dem Anschlag auf eine Gasfabrik nahe Lyon getötet und enthauptet zu haben. Auch zum Tathergang habe sich der Mann, der seit seiner Festnahme geschwiegen hatte, geäußert

Salhi soll am Freitagmorgen auf das Gelände der Firma Air Products in Saint-Quentin-Fallavier gefahren sein und zahlreiche Gasflaschen in die Luft gejagt haben.

Feuerwehrleute konnten ihn dabei überwältigen. Anschließend entdeckten herbeigerufene Polizisten den abgetrennten Kopf sowie die Leiche eines Transportunternehmers am Zaun der Industrieanlage. Daneben steckten zwei islamistische Flaggen.

Suche nach Komplizen wegen WhatsApp-Message

Salhi soll nach Paris zur Anti-Terrorpolizei überstellt werden. Die Ermittler wollen herausfinden, ob der Attentäter Komplizen hatte. Darauf deute ein Foto Yassins mit dem abgetrennten Kopf seines Opfers, das der 35-Jährige über WhatsApp an eine kanadische Nummer verschickt habe.

Außer S. wurden auch seine Ehefrau, seine Schwester und ein weiterer Mann festgenommen. Gegen letzteren wird wegen "Terrorvorwürfen" ermittelt. Bislang gibt es laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise, dass Salhi einen Komplizen hatte.

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