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Islamischer Staat fürchtet Verlust seiner Schlagkraft

Rede des IS-Sprechers belegt  

Islamischer Staat fürchtet Verlust seiner Schlagkraft

22.10.2015, 15:07 Uhr | Stefan-Kai Obst, t-online.de

Islamischer Staat fürchtet Verlust seiner Schlagkraft. Luftschlag der USA gegen den IS in der syrischen Stadt Kobane.  (Quelle: Reuters)

Luftschlag der USA gegen den IS in der syrischen Stadt Kobane. (Quelle: Reuters)

Der Islamische Staat (IS) gilt als größte und schlagkräftigste Terrororganisation der Welt. Dem enormen Anstieg der Angriffe der Miliz zum Trotz lässt eine Rede ihres Sprechers Abu Mohammad al-Adnani nun aber erahnen, dass es innerhalb des IS-Machtgefüges mächtig bröckelt. 

Die bloßen Zahlen deuten zunächst in eine andere Richtung. So hat die Zahl der täglichen Angriffe des IS einer Studie des  IHS Jane's Terrorism and Insurgency Center von Juli bis Ende September deutlich zugenommen. 1086 Angriffe weist das Institut für die drei Monate aus. Im Vergleich zu den drei Monaten April bis Juni bedeute dies einen Anstieg von 42 Prozent.

Dazu zählen die Eroberung der irakischen Provinz-Hauptstadt Ramadi oder der zentralsyrischen Stadt Palmyra mit den vom IS zerstörten Kulturdenkmälern ebenso wie weitere Angriffe von Ablegern der Organisation in anderen Ländern.

Massive Schläge gegen Führungskader

Gleichzeitig gerät der IS aber zunehmend in Bedrängnis. Gründe dafür sind die Erfolge der kurdischen Kämpfer im Irak sowie in Syrien und das Eingreifen der russischen Luftwaffe in Syrien. Nicht weniger dramatisch dürfte der Tod ranghoher Führungskräfte wie beim kürzlich erfolgten Luftangriff der irakischen Armee auf einen IS-Konvoi die Terrormiliz erschüttert haben.

Zwar kam der selbst ernannte IS-Kalif Abu Bakr al-Bagdadi dabei wohl nicht ums Leben. Als gewiss gilt aber, dass auch er bei dem Angriff schwer verletzt wurde.

Dazu kommt, dass die Gebiete, die der IS kontrolliert, im Zuge der Flüchtlingswelle vor allem in Syrien immer weniger Menschen beherbergen. Der innere Wert der besetzten Landstriche mindert sich dadurch zusehends. Gleichzeitig machen trotz massiver Öl-Einnahmen immer häufiger Berichte über finanzielle Probleme des IS die Runde.

"Seid nicht um das Kalifat besorgt"

Dass die Terrormiliz von alldem nicht unbeeindruckt blieb, offenbaren Passagen einer rund 40-minütigen Rede Al-Adnanis vom 13. Oktober. Darüber berichtet das Institut für Terrorismus-Forschung CTC an der US-Militärakademie in Westpoint, New York.

Der Sprecher - ansonsten berüchtigt für verbale Tiraden und Gewaltaufrufe gegen die Feinde des IS - konzentrierte sich dabei in weiten Teilen darauf, die Anhänger angesichts der jüngsten Rückschläge zu beruhigen.

"Oh, Soldaten des Islamischen Staates, beherzigt meine Worte: Seid nicht um das Kalifat besorgt", zitiert ihn das CTC. "Denn der herrliche und erhabene Gott wird all jene schützen, die sich dafür einsetzen, es zu gründen."

Sage und schreibe sechs solcher Aufrufe, sich nicht zu fürchten, soll Al-Adnani an die Gläubigen gerichtet haben. Eine davon dokumentiert die Bedrohung, der sich der IS ausgesetzt sieht, besonders deutlich: "Ein Ertrinkender hat keine Angst davor nass zu werden."

"Hatte bisher niemals Angst"

Wie die Reaktion eines IS-Kämpfers auf Al-Adnanis Rede belegt, kommt das bei der Truppe nicht gut an: "Mister Al-Adnani, ich hatte niemals Angst, bis Sie mir sagten, ich soll keine Angst haben", zitiert das CTC den Dschihadisten.

Zumindest scheint die Rede zu belegen, dass sich der IS seiner Sache - der dauerhaften Errichtung eines Kalifats in Syrien und dem Irak - längst nicht mehr so sicher ist wie noch vor einigen Monaten. Ob die Zunahme der Angriffe der Terrormiliz vor diesem Hintergrund als bloße Verzweiflungs-Manöver zu werten sind, darüber kann bislang aber nur spekuliert werden. 

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