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Boko Haram setzt Mädchen als Selbstmordattentäterinnen ein

Teuflische Strategie von Boko Haram  

Mädchen werden mit Sprengstoffgürteln in den Tod geschickt

12.02.2016, 06:59 Uhr | dpa

Boko Haram setzt Mädchen als Selbstmordattentäterinnen ein. Terror in Nigeria: Auch dieser Anschlag am 24. Februar 2015 in Kano wurde von jugendlichen Selbstmordattentätern verübt – wahrscheinlich im Auftrag von Boko Haram. (Quelle: dpa)

Auch dieser Anschlag am 24. Februar 2015 in Kano (Nigeria) wurde von jugendlichen Selbstmordattentätern verübt – wahrscheinlich im Auftrag von Boko Haram. (Quelle: dpa)

Kinder als lebende Bomben einsetzen – das ist die schlimmstmögliche Form von Terrorismus. Zwei Mädchen haben den jüngsten Terroranschlag in Nigeria am 11. Februar verübt. Die Terrorgruppe Boko Haram zwingt gezielt Mädchen und junge Frauen zu Selbstmordattentaten, womöglich auch einige der 2014 entführten Schulmädchen.

Zwei Mädchen betreten ein Flüchtlingslager in der Stadt Dikwa im Norden Nigerias. Sie geben vor, auf der Flucht vor der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu sein. Mit Hunderten anderen stellen sie sich bei der Essensausgabe an. Niemand merkt, dass sie unter ihren traditionellen Gewändern Sprengstoffgürtel tragen. Die Selbstmordattentäterinnen reißen 65 Menschen mit in den Tod.

In Damaturu zündet eine Zehnjährige ihren Sprengstoffgürtel auf einem belebten Markt. Mindestens 19 Menschen sterben, fast 50 andere werden verletzt. Weiter westlich, in Kano, sprengen sich zwei junge Attentäterinnen inmitten einer Menschenmasse in die Luft. Verheerende Bilanz:15 Tote und etwa 100 Verletzte.

"Kinder werden auf grausamste Weise benutzt"

Das sind nur einige Beispiele aus den vergangenen Monaten. Und all diese Anschläge sind sowohl Teil einer menschenverachtenden Strategie als auch einer besorgniserregenden Entwicklung: Immer mehr Mädchen werden von Fundamentalisten als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt. Sie werden - meistens gegen ihren Willen - mit Sprengstoffgürteln ausgestattet und dazu gezwungen, sie an belebten Orten wie Märkten, Busbahnhöfen oder Moscheen zu zünden.

"Kinder sind nicht die Anstifter dieser Anschläge. Sie werden von Erwachsenen vorsätzlich und auf grausamste Weise benutzt", sagt Jean Gough, die Leiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Nigeria. Die jungen Attentäter seien an erster Stelle Opfer, nicht Täter.

Mädchen sind unverdächtig

Mädchen werden von Boko Haram gezielt eingesetzt, weil sie weniger verdächtig wirken und unter ihrem langen, muslimischen Gewand Sprengstoffgürtel verstecken können. Männliche Sicherheitskräfte dürfen in der stark religiös geprägten Region keine Körperkontrollen bei Frauen vornehmen. Außerdem machen sich Terrorgruppen wie Boko Haram zunutze, dass junge, weibliche Täterinnen größere Empörung auslösen und mehr Aufmerksamkeit bekommen, vor allem in internationalen Medien.

Boko Haram und IS - eine fatale Terror-Fusion

Nigerias Regierung wirkt machtlos gegen Boko Haram. Zwar konnte das Militär zahlreiche besetzte Dörfer und Gebiete zurückerobern, doch der Terror geht weiter. Die Gruppe, die einen "Gottesstaat" mit strengster Auslegung des islamischen Rechts errichten will, zog sich in schwer zugängliche Wäldern und Höhlen zurück. Von dort aus verübt sie weiter Anschläge in Nigeria sowie angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger.

Im März leistete Boko Haram der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Treuschwur und firmiert seither als deren westafrikanischer Ableger. Seit 2009 sollen den sunnitischen Fundamentalisten dort mehr als 14.000 Menschen zum Opfer gefallen sein. Rund 2,5 Millionen Menschen sind vor ihrer Gewalt geflohen.

Heimat- und schutzlose Kinder sind leichte Opfer

Allein im Nordosten Nigerias sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef knapp 750.000 Kinder durch den Terror vertrieben worden. Tausende Mädchen und Jungen seien von ihren Eltern getrennt worden. Ohne den Schutz einer Familie würden die Kinder leicht zu Opfern von Ausbeutung und Indoktrination, erklärt Unicef. Nach Einschätzung von Amnesty International sind mindestens 2000 Frauen und Mädchen in die Gefangenschaft der Islamisten geraten.

Vom Vater zum Selbstmordattentat gedrängt

Wie aus Interviews der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit geflohenen Mädchen und Frauen hervorgeht, bedroht Boko Haram Entführungsopfer systematisch mit sexueller Gewalt, Körperverletzung oder Mord, wenn sie sich den Terroristen widersetzen.

Eine 13-jährige Selbstmordattentäterin, die es nicht über sich brachte, ihren Sprengstoffgürtel in der Stadt Kano zu zünden und daraufhin festgenommen wurde, berichtete im örtlichen Fernsehen, sie sei von ihrem Vater, einem Mitglied der Terrorgruppe, zu der Tat gezwungen worden. Sie habe große Angst gehabt, nachdem ein Mädchen, das Widerstand geleistet hatte, vor ihren Augen gesteinigt worden sei.

"Es ist völlig klar, dass die Mädchen von denen, die an der Macht sind, gezwungen werden", erklärt HRW-Forscherin Mausi Segun in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Sie beobachte diesen Trend bereits seit Mitte 2014.

Entführte Schulmädchen zu Attentaten gezwungen?

Einige Experten gehen davon aus, dass sich unter den Selbstmordattentäterinnen einige jener 276 Schulmädchen befinden, die im April 2014 von Boko Haram aus der Stadt Chibok entführt wurden. "Es ist sehr wahrscheinlich", sagt Bukola Shonibare von der Kampagne "Bring Back Our Girls", die fast zwei Jahre nach der Tat noch immer für die Rückkehr der Mädchen kämpft. "Wir haben keine Beweise, doch Informationen von einigen geflüchteten Mädchen und Dorfbewohnern in der Nähe von Boko-Haram-Verstecken deuten darauf hin."

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