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Islamischer Staat streicht Prämien für Gotteskrieger

Extremisten geht das Geld aus  

IS streicht Prämien für Gotteskrieger

18.02.2016, 15:56 Uhr | Lori Hinnant, Zeina Karam und Susannah George, AP

Islamischer Staat streicht Prämien für Gotteskrieger. Zwei Drittel ihres Etats braucht die Terrormiliz für Kämpfer und Waffen. (Quelle: dpa)

Zwei Drittel ihres Etats braucht die Terrormiliz für Kämpfer und Waffen. (Quelle: dpa)

Harte Zeiten für IS-Kämpfer: Die Angriffe und Sanktionen gegen die IS-Terrormiliz zeigen erste Wirkung - im sogenannten Kalifat des Islamischen Staates wird das Geld knapp. Viele Vergünstigungen für die Gotteskrieger und ihre Angehörigen werden gestrichen. Ernsthaft geschwächt ist der IS aber nicht.

Die Löhne hat der IS bereits gekürzt, die Bewohner der inoffiziellen Hauptstadt Rakka sind angehalten, ihre Rechnungen in der Schwarzmarktwährung US-Dollar zu bezahlen. In Falludscha werden Häftlinge mittlerweile gegen eine Zahlung von 500 Dollar freigelassen. Und das, obwohl die Extremisten, einst eine eigene Währung schufen.

Keine Schokoriegel gratis mehr

Die Luftangriffe der Koalition zeigen Wirkung, ebenso andere Sanktionen. Seit vergangenem Herbst sind dem IS Millionen von Dollar verloren gegangen. Konnten sie davor die Loyalität ihrer Kämpfer mit guten Löhnen, Hochzeits- und Babyprämien stützen, so wurden mittlerweile sogar kleinere Anreize gestrichen - zum Beispiel die kostenlosen Energy-Drinks und Schokoriegel. 

Aber auch lebensnotwendige Güter werden in den städtischen Zentren der Terrormiliz zunehmend knapp und die Inflation steigt auf breiter Front, wie Flüchtlinge und Bewohner der IS-Hochburgen berichteten.

Ein Flüchtling aus Rakka in Syrien, der nun in der libanesischen Hauptstadt Beirut lebt, berichtet, dass die Syrer im Ausland ihren Angehörigen Dollar schickten, damit diese die galoppierenden Preise für Gemüse und Zucker bezahlen könnten.

Terrormiliz braucht Geld für Kämpfer und Waffen

In Rakka wurden die Elektrizität rationiert und die Löhne seit Dezember halbiert. Betroffen seien nicht nur die Kämpfer, sondern auch alle Zivilbeschäftigten von den Gerichten bis zu den Schulen, berichtet ein anderer aus Rakka stammender Aktivist, der sich Abu Ahmed nennt. Er lebt mittlerweile in der türkischen Stadt Gaziantep, steht aber noch immer in engem Kontakt mit Menschen in seiner Geburtsstadt.

Doch auch dieser Sparkurs hat offenbar nicht gereicht, um die Löcher zu stopfen. Schließlich braucht die Gruppe Geld für den Ersatz von Waffen, die bei Luftangriffen und Gefechten verlorenen gingen und sie muss ihre Kämpfer bezahlen. Diese Ausgaben machen zwei Drittel des IS-Etats aus, schätzt der Experte Aimenn Dschawad al-Tamimi vom Middle East Forum, der Dokumente der Terrormiliz auswertet.

Zahlungen ausschließlich in US-Dollar

Seit zwei Wochen akzeptierten die Extremisten nur noch Dollar für die Bezahlung von Steuern, Wasser und Strom, sagt Abu Ahmed. Ein anderer früherer Bewohner von Rakka, der ebenfalls noch mit Angehörigen dort in Verbindung steht, bestätigt den Bericht.

Neben den Angriffen bringen auch der dramatische Ölpreisverfall und die Zerstörung der Öl-Infrastruktur die Terroristen in Bedrängnis - schließlich generierten sie mit Ölverkäufen einen großen Teil ihrer Einnahmen.

Die irakische Regierung hat damit aufgehört, Zivilbeschäftigte zu entlohnen, die in Gebieten unter der Kontrolle der Terrormiliz leben. Diese Gehälter wurden vom IS bislang mit einem Satz von 20 bis 50 Prozent besteuert - mit der Einstellung der Zahlungen gehen den Terroristen nach Schätzungen von Experten und Regierung etwa zehn Millionen Dollar pro Monat verloren.

Zudem werden unter der Führung der USA Lagerhäuser für Geld bombardiert. US-Vertreter sind zuversichtlich, dass man damit das Vermögen der IS-Terrormiliz deutlich verringern kann. "Wir sehen, dass unsere Bemühungen Auswirkungen auf ihre Finanzströme haben", sagt Lisa Monaco, Antiterror-Beraterin von US-Präsident Barack Obama. Allerdings sei es schwierig, den Umfang der Auswirkung zu bestimmen. Denn die Terroristen hätten viele illegale Wege, um an Geld zu kommen.

Mahlzeiten gestrichen

In der irakischen Stadt Falludscha bekommen IS-Kämpfer, die bislang mit 400 Dollar pro Monat entlohnt wurden, gar nichts mehr ausgezahlt. Ihre Lebensmittelrationen wurden auf zwei Mahlzeiten pro Tag zusammengestrichen, wie ein Bewohner berichtet.

Eine Familie, die in der Stadt festsitzt, berichtet, dass Einwohner den Ort nur verlassen dürften, wenn sie 1000 Dollar bezahlten - eine Summe, die die Möglichkeiten der meisten Menschen in der Stadt weit übersteigt. Der IS erlaube es den Bewohnern zudem, Häftlinge für 500 Dollar aus dem Gefängnis freizukaufen - offenbar um Geld in die Kassen der Organisation zu spülen.

In Mossul berichten Bewohner, dass der IS damit begonnen habe, Bürger mit Geldstrafen zu belegen, wenn sie sich nicht an die strengen Bekleidungsregeln hielten - statt sie wie früher auszupeitschen.

IS wendet sich nach Libyen

Nach Einschätzung von US-Experten sind die IS-Kämpfer in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Finanzen so eingeschränkt wie seit Monaten nicht mehr. Aber die Gruppe kontrolliere noch immer ein großes Territorium. Die syrische Regierung selbst habe kaum etwas von den Extremsten zurückerobern können.

Die Soufan Group mit Sitz in New York, die Regierungen und multinationale Organisationen in Sicherheitsfragen unterstützt, kam in einer Analyse vom 27. Januar zu dem Schluss, dass der IS sich nach alternativen Finanzierungswegen in Libyen umsehe. Dort stehe die Gruppe weniger unter Druck und müsse nicht mit Luftangriffen rechnen.

Was die Wirkung der bisherigen Maßnahmen gegen die Terrormiliz angeht, so ist Experte Al-Tamimi skeptisch. "Ich denke nicht, dass das fatal für den IS ist", sagt er. "Ich sehe nicht, dass dabei eine interne Revolte herauskommt. Es sieht eher wie ein schrittweiser Verfall und Niedergang aus." 

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