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Belgien will Jod-Tabletten im ganzen Land verteilen

Schutz vor radioaktiver Strahlung  

Belgien will Jod-Tabletten im ganzen Land verteilen

28.04.2016, 18:13 Uhr | dpa

Belgien will Jod-Tabletten im ganzen Land verteilen. Das belgische Atomkraftwerk Tihange. (Quelle: dpa)

Das belgische Atomkraftwerk Tihange. (Quelle: dpa)

Vorsorglich zum Schutz vor radioaktiver Strahlung plant Belgien, ab dem kommenden Jahr Jod-Tabletten an die gesamte Bevölkerung auszuteilen. Eine deutsche Städteregion will dem Vorbild folgen.

Nach dem Willen des belgischen Gesundheitsministeriums soll die Jodvorsorge damit ausgeweitet werden. Betroffen seien dann alle Bürger, sagte eine Sprecherin der Behörde. Bisher werden die Tabletten nur in einem Umkreis von 20 Kilometern um Atomkraftwerke ausgeteilt.

Die Folgen der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima hätten gezeigt, dass ein größerer Bereich nötig sei, um die Bevölkerung besser zu schützen, sagte die Sprecherin.

Aachen will Tabletten verteilen

Die Region Aachen fordert ebenfalls die vorsorgliche Ausgabe von Jod-Tabletten. Städteregionsrat Helmut Etschenberg will NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bitten, der Verteilung der bereits eingelagerten Tabletten zuzustimmen.

Diese Entscheidung bestätige die Sorgen im Raum Aachen, teilte Etschenberg mit. "Offensichtlich gibt es nun auch auf belgischer Seite erhebliche Vorbehalte, was die Sicherheit der Kraftwerksblöcke betrifft."

Kommunen halten Jod vor

Jodtabletten werden schon jetzt dezentral in den Feuerwehrgerätehäusern der Kommunen vorgehalten. Sie gehörten aber dem Land. Deshalb müsse der Innenminister einer Vorabverteilung zustimmen, sagte Etschenberg.

Die Pläne werden vor dem Hintergrund einer Pannenserie in belgischen Atommeilern debattiert. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) forderte unlängst explizit, die belgischen Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 vorübergehend herunterzufahren, bis offene Sicherheitsfragen geklärt seien. Die belgische Atomaufsicht hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die Meiler seien sicher.

Doel liegt in der Nähe von Antwerpen, etwa 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Tihange liegt in der Nähe der ostbelgischen Stadt Lüttich, etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt.

Der Vorschlag der belgischen Regierung zur Ausweitung der Jodvorsorge sei Teil eines neuen Plans zur Reaktion auf radioaktive Gefahren, sagte die Ministeriumssprecherin.

Radioaktiv verseuchtes Jod kann durch Einatmen, Lebensmittel oder Wasser in den Körper gelangen. Setzen sich Kernspaltungsprodukte in der Schilddrüse fest, können sie schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. Werden Jod-Tabletten frühzeitig eingenommen, können sie nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz die Aufnahme von radioaktivem Jod blockieren.

In Deutschland entscheidet bei einem Atomunfall der Umweltminister, ob Jodtabletten an die Bevölkerung ausgegeben werden. Die Verteilung ist Ländersache. In Aachen sind beispielsweise Jodtabletten im dortigen Universitätsklinikum deponiert.

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