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Kommentar zur Österreich-Wahl: Europas Ruf nach starker Führung

Kommentar zur Österreich-Wahl  

Europas lauter Ruf nach einer starken Führung

23.05.2016, 09:59 Uhr | t-online.de

Kommentar zur Österreich-Wahl: Europas Ruf nach starker Führung . Rechte Bewegungen wie Pegida in Dresden haben europaweit Zulauf. (Quelle: dpa)

Rechte Bewegungen wie Pegida in Dresden haben europaweit Zulauf. (Quelle: dpa)

Ein Kommentar von Christian Kreutzer 

Jedes europäische Land hat zehn bis 15 Prozent Rechtsradikale – dieser Satz galt bis vor wenigen Jahren. Jetzt aber greifen Europas Rechtsradikale nach der Macht.

Der nur knapp verpasste Wahlsieg des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer in Österreich ist das jüngste Fanal dieser Entwicklung. Und die wird nicht stehen bleiben, denn viele Europäer fordern eine starke Führung – wenn nicht von Demokraten, dann halt von anderen.

Millionen von Flüchtenden, Terroranschläge, die Finanzkrise, prekäre Arbeitsverhältnisse, wachsende soziale Ungleichheit, Stillstand in Brüssel – all das hat sich zu einem Schreckensbild von Globalisierung verdichtet. Viele stehen davor und fühlen sich verlassen. Verlassen auch von demokratischen Politikern.

Keine demokratischen Mitbewerber wie alle anderen

Dieser Kreis wächst und wächst: In Deutschland ist die AfD jetzt so stark wie die Grünen, in Frankreich steht der Front National schon bei 30 Prozent, in Österreich könnte die FPÖ durchaus demnächst den Bundeskanzler stellen, in Polen und Ungarn sind die Rechtspopulisten bereits an der Macht.

Dabei sollte man sich keine Illusionen machen: AfD & Co. sind nicht einfach nur demokratische Mitbewerber. Sie wollen die liberale Demokratie, die EU, ja den "Westen" an sich zerstören. Bis auf Polen wollen alle Rechtspopulisten ihre Staaten eng an das autokratische, pseudo-demokratische Russland anschließen. Sie kündigen es sogar ganz offen an.

Mut statt Angstmache

Ist diese Entwicklung unaufhaltsam? Ganz und gar nicht! Vielleicht sollten die Deutschen mal wieder über die französische Grenze schauen. Dort wirbelt der junge sozialistische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron (38) gerade alles durcheinander: das Land erneuern, die EU erneuern, die riesigen Chancen der Globalisierung ergreifen, statt sich von ihr fertigmachen zu lassen, Wachstum schaffen, zukunftsfähig werden, so lautet sein Anspruch.

Er präsentiert ihn auch nicht als verhuschtes "Wir schaffen das", eher als ein schallendes "Yes, we can!". Er macht den Menschen Mut statt Angst. Das wirkt: Laut Umfragen könnte Macron bereits heute FN-Chefin Marine Le Pen schlagen.

Die Frage ist jetzt, ob die europäischen Mitte-Parteien dieses zur Führung legitimierende Sicherheits- und Zukunftsangebot rechtzeitig nachreichen. Tun sie es nicht, fällt Europa früher oder später an vormoderne, Putin-hörige Rechtsradikale. So einfach ist das leider.
 

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