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Islamischer Staat tötet kampfunwillige Männer in Falludscha

Schlacht um Falludscha  

IS tötet kampfunwillige Männer

27.05.2016, 17:17 Uhr | dpa

Islamischer Staat tötet kampfunwillige Männer in Falludscha. Flagge des IS auf einem Motorrad. (Quelle: Reuters/Symbolbild)

Flagge des IS auf einem Motorrad. (Quelle: Symbolbild/Reuters)

Die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) tötet offenbar in der westirakischen Stadt Falludscha immer mehr Zivilisten, die nicht für sie kämpfen wollen. Das meldet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR.

Es gebe Berichte über einen "dramatischen Anstieg" von Opfern unter Männern und männlichen Jugendlichen. Viele Einwohner seien zudem bei Kämpfen um die Stadt unter den Trümmern ihrer Häuser begraben worden. Genaue Zahlen nannte der UNHCR nicht.

Die irakische Armee und Milizen hatten Anfang der Woche mit Unterstützung von US-Luftangriffen eine Offensive begonnen, um die sunnitischen Extremisten aus der Stadt zu vertreiben. Falludscha ist nach der nordirakischen Stadt Mossul die wichtigste IS-Hochburg im Irak. Die Extremisten kontrollieren die Stadt seit Januar 2014.

Falludscha droht Hungerkatastrophe

Hilfsorganisationen hatten bereits gestern vor einer humanitären Katastrophe in Falludscha gewarnt. Rund 50.000 Zivilisten seien eingeschlossen und befänden sich in einer "extremen Notlage", sagte die lokale Sprecherin des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Becky Bakr Abdullah. Es gebe Berichte über großen Hunger.

Die Kämpfe gingen unterdessen weiter. "Wir sind äußerst besorgt, dass die Menschen unter Feuer geraten könnten", sagte Bakr Abdullah. Ein Flüchtling berichtete nach Angaben des NRC, er und seine Familie hätten zuletzt vor vier Monaten Reis gegessen und sich ansonsten von getrockneten Datteln ernährt. Andere Familien hätten gar nichts zu essen.

Viele Einwohner tränken Wasser aus dem Euphrat, erklärte der NRC. Seit September seien keine Hilfstransporte mehr in die Stadt gekommen. Nach UNHCR-Angaben starben bereits zwei Menschen an Hunger.

Demnach konnten in den vergangenen Tagen mehr als 800 Menschen aus Falludscha entkommen. Sie hätten erschütternde Geschichten erzählt, sagte Leila Jane Nassif vom UNHCR. Eine Flucht sei nur unter größtem Risiko möglich. Die Menschen müssten nachts über Stunden zu Fuß gehen, ehe sie in Sicherheit seien.

Staat berichtet von Erfolgen

Regierungstreue Kräfte stießen nach Angaben von Ministerpräsident Haidar al-Abadi weiter auf Falludscha vor. Die Region um den Ort Al-Karma nördlich der Stadt sei befreit worden, teilte Al-Abadi mit.

Die Militärkampagne ist umstritten, weil an der Offensive auch schiitische Milizen beteiligt sind - Falludscha und die dazugehörige Provinz Al-Anbar sind jedoch eine sunnitische Hochburg. Die Spannungen zwischen den beiden großen muslimischen Konfessionen sind im Irak seit langem groß, weil sich die Minderheit der Sunniten von der Mehrheit der Schiiten diskriminiert fühlt. Davon profitiert die sunnitische IS-Terrormiliz, die sich den Unmut zunutze macht.

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