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Islamischer Staat in Libyen vor einem "der schwersten Rückschläge"

IS in Libyen vor Niederlage  

"Einer der schwersten Rückschläge überhaupt"

10.06.2016, 18:50 Uhr | ckr, t-online.de

Islamischer Staat in Libyen vor einem "der schwersten Rückschläge". Kampf um Sirte: Ein Pickup mit aufmontiertem Maschinengewehr brennt am Stadteingang aus. (Quelle: Reuters)

Kampf um Sirte: Ein Pickup mit aufmontiertem Maschinengewehr brennt am Stadteingang aus. (Quelle: Reuters)

Die libysche IS-Hauptstadt Sirte steht offenbar kurz vor der Eroberung. Eine Miliz aus Stammeskämpfern soll bereits die ersten Stadtviertel überrannt haben. Für den IS wäre der Verlust der Stadt "einer der schwersten Rückschläge, die überhaupt vorstellbar sind", so der Nahostexperte Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) an der Universität Mainz, zu t-online.de. 

Es sind die "Wächter der Ölanlagen", die gerade zu Helden des Abwehrkampfes gegen den Islamischen Staat (IS) werden. Die Stammesmiliz, schon zu Gaddafis Zeiten zum Schutz der Ölquellen und Raffinerien gegründet, hat sich bis heute erhalten. Jetzt treibt sie auf Geheiß der neuen Einheitsregierung die Extremisten vor sich her. 

IS-Kämpfer rasieren sich angeblich bereits die Bärte ab 

Noch vor gerade zehn Tagen wähnte sich der IS-Ableger auf dem Weg zur Eroberung der Ölanlagen östlich von Sirte, der Heimatstadt des getöteten Diktators Muammar al-Gaddafi. Dann vertrieben die "Wächter" ihre Kämpfer in einer Blitzaktion. Jetzt steht offenbar die große Wende bevor. 

Zurzeit kämpfen die Milizen nach Angaben aus der Hauptstadt Tripolis rund fünf Kilometer vor dem Stadtzentrum. Zwei Kasernen sollen bereits eingenommen worden sein. Dieses Video soll die Kämpfe um eine Straßenkreuzung am Stadteingang zeigen: 

Boko-Haram-Söldner kämpfen auf Seiten des IS 

Ein Militärsprecher behauptete am Donnerstag bereits, die ersten IS-Kämpfer in Sirte würden sich die Bärte abrasieren und untertauchen. Ihrer gibt es viele in Sirte: Bis zu 3000 Mann sollen es sein, die dort belagert werden. 

Darunter seien viele "IS-Familien", sagt Meyer, die aus den Kriegsgebieten im weit entfernten Syrien und Irak hergeschickt worden seien. Unter den Kämpfern befänden sich aber laut Gerüchten auch rund 600 Boko-Haram-Söldner aus Nigeria. 

Noch bis vor Kurzem hatte der IS große Hoffnungen auf die Eroberungen in Libyen gesetzt: Öl, Land und eine zerrissene Gesellschaft - das ist der Boden, auf dem der IS gedeiht. Zwischenzeitlich war sogar die Rede davon, das "Kalifat" könne seine Zentrale nach Libyen verlegen, wenn  im Irak und Syrien der Boden zu heiß wird. 

Damit dürfte es nun vorbei sein: "Sirte müssen sie als Rückzugsraum wohl ad acta legen", analysiert Meyer. "Das wäre ein massiver Rückschlag, denn es ist praktisch der einzige Ort in Libyen, wo sie sich flächenmäßig etabliert haben." Hier eine strategische Karte Libyens: 

 (Quelle: Quelle: Wikipedia) (Quelle: Quelle: Wikipedia)

Beim Kampf um Sirte sollen unbestätigten Berichten zufolge bereits 19 Stammeskämpfer gefallen sein. Unter ihnen ist angeblich sogar der frühere Minister Abdul Rahman Kisah.

Zuflucht bei Gaddafi-Anhängern 

Eigentlich ist das Umfeld in Sirte für den IS ideal: Im Gegensatz zu ihrer früheren Libyen-Hochburg Dernah ist die Stadt zwar kein Zentrum orthodoxer Religiosität. Dafür ist es voll mit ehemaligen Gaddafi-Anhängern und Mitgliedern seines Clans. Viele von ihnen hassen alle Ex-Revolutionäre, die ihren Helden gestürzt haben. 

Ähnlich verlief der Werdegang des IS im Irak: Auch dort wurde der harte Kern ergänzt durch Armee-Offiziere und Geheimdienstler von Ex-Diktator Saddam Hussein. Weder die, noch die Gaddafi-Anhänger sind in der Regel besonders religiös. Sie nutzen den IS aber, um zurück an die Macht zu gelangen. 

Derzeit wird der IS auf allen seiner vielen Schlachtfelder zurückgedrängt - und immer öfter sind es keine internationalen Koalitionen, sondern örtliche Kräfte, die der Terror-Brigade zusetzen: An den Fronten Syriens vertreibt vor allem die kurdisch-arabische Koalition "Demokratische Kräfte Syriens" (SDF) den IS an praktisch allen Fronten. Im Irak haben die kurdischen Peschmerga begonnen, auf die IS-Hauptstadt Mosul und andere IS-Festungen vorzurücken. 

Und jetzt Libyen. Der Kampf gegen den IS als militärische Macht dürfte noch lange andauern. Ein Ende scheint aber absehbar. 

Diese Gebiete kontrollieren Al-Kaida und der IS. (Quelle: Stepmap / t-online)Diese Gebiete kontrollieren Al-Kaida und der IS. (Quelle: Stepmap / t-online)

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