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Kampf gegen IS: Irak erklärt Falludscha für befreit

IS-Hochburg zurückerobert  

Iraks Regierungschef erklärt Befreiung Falludschas

18.06.2016, 08:13 Uhr | dpa , AFP

Kampf gegen IS: Irak erklärt Falludscha für befreit. Soldaten der irakischen Armee posieren im Zentrum von Falludscha. (Quelle: Reuters)

Soldaten der irakischen Armee posieren im Zentrum von Falludscha. (Quelle: Reuters)

Die irakische Armee ist vier Wochen nach Beginn der Offensive gegen die Terroristen des Islamischen Staates (IS) in deren Zentrum vorgestoßen. Große Teile der IS-Hochburg Falludscha sind bereits unter Kontrolle der Armee.

Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi hat die Befreiung der Stadt im Westen des Landes aus den Händen des IS erklärt. "Im Irak gibt es keinen Platz für Daesh", sagte Al-Abadi am Abend in einer TV-Ansprache. Daesh ist die arabische Abkürzung für den IS. Nächstes Ziel sei die nordirakische IS-Hochburg Mossul, sagte Al-Abadi.

"Wir haben die Befreiung von Falludscha versprochen und wir haben die Stadt zurückerobert", sagte Abadi in der Fernsehansprache. "Unsere Sicherheitskräfte kontrollieren die Stadt bis auf einen kleinen Teil."

Pentagon bestätigt Vorstoß

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte, dass irakische Truppen das Zentrum eingenommen hätten. Sie arbeiteten nun daran, die Terrormiliz auch aus den restlichen Teilen zurückzudrängen.

In Falludscha konnten die Regierungstruppen unter anderem den Hauptregierungskomplex und das Krankenhaus zurückerobern, wie ein hochrangiger Armeekommandeur erklärte. Auf dem Sitz des Bezirksgouverneurs wurde demnach die irakische Flagge gehisst. Ein hoher irakischer Offizier erklärte, rund 90 Prozent Falludschas seien unter Kontrolle gebracht worden.

Hohe strategische Bedeutung

Iraks Armee, Polizeikräfte und Milizen hatten die Offensive auf Falludscha im Mai begonnen. Die US-geführte internationale Koalition unterstützt die Operation gegen den IS mit Luftangriffen. Die Stadt in der Provinz Al-Anbar rund 70 Kilometer westlich von Bagdad ist neben Mossul wichtigste Hochburg der Terrormiliz und war im Januar 2014 an die sunnitischen Extremisten gefallen. Falludscha liegt an einer wichtigen Verbindungsroute unter anderem nach Syrien und hat deshalb eine hohe strategische Bedeutung.

Ein Verlust der vor allem von Sunniten bewohnten Stadt wäre für den IS ein weiterer Rückschlag. Sie hatte bereits die naheliegende Provinzhauptstadt Ramadi und die Stadt Tikrit wieder verloren.

Krieg in Syrien und im Irak: Falludscha steht kurz vor dem Fall. (Quelle: dpa)Krieg in Syrien und im Irak: Falludscha steht kurz vor dem Fall. (Quelle: dpa)

Der Vormarsch der Regierungskräfte auf Falludscha ging zuletzt deutlich langsamer voran, unter anderem weil die Extremisten Straßen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen haben. Sie benutzen außerdem Zivilisten als Schutzschilde, wie es aus Militärkreisen hieß. In der Stadt sollen sich noch Zehntausende Menschen aufhalten.

Neue Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten

Die Offensive der Regierungskräfte hat jedoch zugleich die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten im Land verschärft. An der Operation im sunnitischen Kernland des Iraks sind auch mehrere berüchtigte schiitische Milizen beteiligt. Sunnitische Politiker und Menschenrechtler warfen ihnen in den vergangenen Tagen Vergeltungsakte gegen Sunniten im Umland von Falludscha vor.

Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden 17 Männer eines sunnitischen Stammes erschossen. Schiitische Milizen sollen demnach auch Hunderte Sunniten gefangen genommen und schwer misshandelt haben, weil sie angeblich mit dem IS zusammengearbeitet haben.

Die Sunniten sind nach den Schiiten die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Bis zum Sturz des Regimes von Ex-Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003 bildeten sie die Elite in Regierung, Verwaltung, Militär und Geheimdiensten. Das Saddam-Regime unterdrückte Schiiten mit brutaler Gewalt. Heute fühlen sich viele Sunniten von der von Schiiten dominierten Regierung diskriminiert. Eine Folge daraus ist der Zulauf für den IS.

Tausende fliehen aus der Stadt

Zudem entfaltete sich in Falludscha in den vergangenen Tagen ein weiteres Flüchtlingsdrama. Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge flohen seit Beginn der Offensive mehr als 40.000 Menschen unter größter Lebensgefahr aus der umkämpften Stadt.

Hilfsorganisationen fehlt es jedoch akut an Geld, um die notleidenden Menschen zu unterstützen. Die UN haben 2016 nach eigenen Angaben erst 31 Prozent des Geldes erhalten, das sie für die Versorgung von mehr als sieben Millionen Irakern in Not benötigen.

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