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Cameron-Nachfolger: Theresa May gegen Boris Johnson

Kampf um Cameron-Nachfolge  

Innenministerin rüstet sich für Duell mit Boris Johnson

30.06.2016, 12:38 Uhr | dpa, AFP

Cameron-Nachfolger: Theresa May gegen Boris Johnson. Bei der Nachfolge von Davd Cameron deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen Brexit-Wortführer Boris Johnson und Innenministerin Theresa May hin. (Quelle: Reuters/dpa)

Bei der Nachfolge von Davd Cameron deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen Brexit-Wortführer Boris Johnson und Innenministerin Theresa May hin. (Quelle: dpa/Reuters)

Eine Woche nach dem Brexit-Votum ist der Kampf um David Camerons Nachfolge entbrannt. Die Kandidaten werben fieberhaft um Anhänger in der Tory-Fraktion - und auch Innenministerin Theresa May wirft ihren Hut in den Ring. Alles läuft auf ein Duell mit Brexit-Wortführer Boris Johnson hinaus.

Für die Briten bleibt auch eine Woche nach dem Brexit-Votum unklar, wer die Verhandlungen über den EU-Austritt des Landes führen wird. Bei den konservativen Tories läuft an diesem Mittag die Frist für Bewerbungen auf das Amt des Parteichefs und damit des Premierministers ab. Nach Außenseiter Stephen Crabb und dem ehemaligen Verteidigungsminister Liam Fox verkündete in der vergangenen Nacht erwartungsgemäß auch May ihre Kandidatur. 

May geht in Kampfstellung

May distanzierte sich in einem Gastbeitrag für die Zeitung "The Times" von Politikern, die die Härten des Lebens nicht kennen und das Regierungsgeschäft für "ein Spiel" hielten - eine kaum verhohlene Spitze gegen Parteikollegen Johnson und dessen privilegierte Herkunft.

May hatte sich in der Vergangenheit mit einer EU-skeptischen Haltung profiliert, hatte im Vorfeld des Brexit-Referendums aber wie Cameron für einen Verbleib Großbritanniens in der EU geworben. In der Kampagne spielte sie indes keine prominente Rolle. May könnte sich der zerstrittenen Partei deshalb als Figur des Ausgleichs empfehlen.

May versprach in der "Times" "starke und bewährte Führungskraft, um uns durch diese Periode der wirtschaftlichen und politischen Ungewissheit zu führen und die bestmöglichen Verhandlungsergebnisse für ein Ausscheiden aus der EU zu erzielen".

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Wartet Johnson bis zur letzten Minute?

Mit Spannung wird die offizielle Kandidatur von Londons Ex-Bürgermeister erwartet. Beobachter rechnen damit, dass Johnson bis zur letzten Minute um Anhänger in der Tory-Fraktion wirbt.

Johnson hatte sich als Wortführer des siegreichen Brexit-Lagers profiliert. Seitdem gilt er als besonders polarisierende Figur in der britischen Politik.

Beim Brexit-Referendum vor einer Woche hatten 51,9 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt. David Cameron kündigte daraufhin seinen Rücktritt als Premierminister bis Oktober an.

Streit in der Labour-Partei

Während das Lager der Konservativen sich um die Nachfolge Camerons streitet, ist auch Oppostions- und Labour-Chef Jeremy Corbyn heftig in die Kritik geraten. Die Labour-Abgeordnete Angela Eagle will nach Medienberichten Corbyn zu einer Kampfabstimmung über den Parteivorsitz herausfordern. Damit würden sich beide großen Parteien in einen wochenlangen Wahlkampf um die Parteiführung stürzen.

Corbyn war von der Parteibasis im Spätsommer 2015 mit überwältigender Mehrheit ins Amt gewählt worden. Obwohl er mittlerweile in der Fraktion kaum noch Rückhalt hat, will der 67-Jährige bei einer Neuwahl wieder kandidieren. Ihm wird vorgeworfen, im Wahlkampf vor dem historischen Brexit-Referendum zu wenig Einsatz gezeigt zu haben.

"In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!"

Auch Cameron mischte sich in den Führungsstreit der Labour-Partei ein und rief Corbyn zum Rücktritt auf. "In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!", rief der Regierungschef in einer Parlamentsdebatte dem Oppositionsführer zu. Es sei zwar für die Konservativen nützlich, aber nicht im nationalen Interesse, wenn Corbyn weiter die Opposition führe.

Die Labour-Fraktion revoltiert seit Tagen gegen den Parteilinken Corbyn und hatte ihm am Dienstag mit großer Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Die Fraktion befürchtet, er könnte der Partei im Fall einer Neuwahl eine verheerende Niederlage einbrocken. Das Votum hat aber keine bindende Konsequenz, und Corbyn verweigert den Rücktritt. Sollte er bei einer erneuten Urwahl wieder gewinnen, stünde die Labour-Partei möglicherweise vor einer Spaltung.

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