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Anschlag in Nizza erschüttert Terrorexperten Tophoven

Terrorexperten erschüttert  

"Man kann fast nur noch die Toten zählen"

15.07.2016, 15:37 Uhr | ckr, t-online.de

Anschlag in Nizza erschüttert Terrorexperten Tophoven . Der Tag danach: Polizisten am Boulevard des Anglais in Nizza. (Quelle: AP/dpa)

Der Tag danach: Polizisten am Boulevard des Anglais in Nizza. (Quelle: AP/dpa)

Rolf Tophoven weiß über Terrorismus Bescheid. Er kennt Namen, Gruppen, Strategien, bereist immer wieder Länder, in denen sich der Terror formiert. Wenn etwas passiert, ist er meist der erste, der mit aller Vorsicht aus Expertensicht die Hintergründe einer Terrortat beschreibt. Heute wirkt er ratlos. 

"Man kann es kaum noch beschreiben", sagt er zum Anschlag von Nizza (hier zum Live-Blog). "Man kann fast nur noch die Toten und Verletzten zählen." Tophoven, Direktor des Instituts für Krisenprävention in Essen, erinnert zunächst an die Worte von Abu Mohammed al-Adnani, dem "Regierungsprecher" des Islamischen Staates (IS).

Der hatte im Mai alle potenziellen Terroristen aufgerufen, nicht mehr zum Kämpfen nach Syrien zu kommen. Eher sollten sie in ihren Heimatländern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln - auch mit Messern oder Fahrzeugen - Anschläge begehen.

Region um Nizza gilt als Brennpunkt 

Ein Beweis, dass IS hinter dem Anschlag steckt - oder womöglich Al-Kaida - ist das natürlich nicht. "Und es ist auch egal", sagt Asiem el-Difraoui. Der deutsch-ägyptische Politologe gilt als Fachmann für dschihadistische Internet-Propaganda.

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Man muss wissen: Al-Kaida und IS liegen miteinander im Krieg. Doch es gebe, so el-Difraoui, "keinen Unterschied zwischen der mörderischen Ideologie der beiden Gruppen." Das sagt er mit Nachdruck. 

El-Difraoui erklärt, dass die Region um Nizza schon seit Langem als Schwerpunkt für die Rekrutierung von Dschihadisten angesehen wird. Ein "charismatischer Rattenfänger" mit dem Kriegsnamen Omar Omsen sei dort für "Dutzende Abreisen" in Terrorgebiete verantwortlich. Jetzt ist der gebürtige Senegalese selbst in Syrien und soll sich Jabhat an-Nusra, dem syrischen Al-Kaida-Ableger angeschlossen haben. 

"Darin liegt eine besondere Demütigung" 

Beide Experten sprechen über den Begriff "einsame Wölfe", der jetzt wieder aufkommt. Die waren wohl mit dem Adnani-Aufruf gemeint, sagt Tophoven. El-Difraoui mag den Begriff nicht sonderlich: "Es gibt immer ein Umfeld", sagt er. "Und der Begriff wird zu oft benutzt, um Politiker und Sicherheitskräfte aus der Verantwortung zu nehmen." 

Ein großer Teil der Perfidie des Anschlags liegt natürlich auch im Zeitpunkt und Ort: "Man hat ja geglaubt, es würde bei der Fußball-Europameisterschaft passieren - beim Public Viewing", erinnert Tophoven. Doch die Sicherheitsvorkehrungen seien gut gewesen. 

Nach der EM habe allgemeine Erleichterung geherrscht. "Dann schlagen sie stattdessen am Nationalfeiertag zu - jetzt, wo die Franzosen sich gerade erholt haben. Darin liegt eine besondere Demütigung." 

Tophoven spricht auch über die Frage die jetzt - wie immer - aufkommt: "Wie weit gehen wir in der Fahndung?" Es ist der alte Gegensatz zwischen Freiheit und Sicherheit, der seit den Anschlägen des 11. September diskutiert wird.

Auch die Terroristen wissen das: "Sie wollen die westliche Lebensqualität kaputt schlagen", stellt Tophoven nüchtern fest. Und El-Difraoui rät: "Die Gesellschaft muss zusammenstehen. Eine andere Strategie gibt es nicht." 

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