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Anschlag in Nizza: Berliner Schüler und Lehrerin unter den Opfern?

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84 Tote bei Anschlag in Nizza  

Berliner Schülerinnen und Lehrerin vermisst

15.07.2016, 16:53 Uhr | dpa, AFP, rtr, t-online.de

Anschlag in Nizza: Berliner Schüler und Lehrerin unter den Opfern?. Terroranschlag in Frankreich: Unter den 84 Toten in Nizza sind auch drei Berliner.  (Quelle: dpa)

Terroranschlag in Frankreich: Unter den 84 Toten in Nizza sind auch drei Berliner. (Quelle: dpa)

Bei einem Anschlag in der Hafenstadt Nizza sind am französischen Nationalfeiertag mindestens 84 Menschen getötet worden, als ein Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge auf der berühmten Uferstraße Promenade des Anglais raste. Unter den Opfern befinden sich zehn Kinder. Zwei deutsche Schülerinnen und ihre Lehrerin werden vermisst.

Die Polizei tötete den Fahrer nach einer zwei Kilometer langen Schreckensfahrt. 

Sorgen um Berliner Abi-Fahrt-Teilnehmer

Gerüchten zufolge sollen sich auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule unter den Opfern befinden. Offiziell werden sie noch vermisst. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass Berliner unter den Opfern sind", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei einer Ansprache am Brandenburger Tor.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Zum Zeitpunkt des Anschlags befanden sich 28 Schülerinnen und Schüler der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Nizza. Auf die Frage nach möglichen Opfern aus der Klasse sagte die Berliner Schulrätin Ilse Rudnick: "Ich möchte darüber noch nicht reden, weil die Betroffenen müssen erst informiert werden." 

"Wir warten auch auf Informationen, wir möchten natürlich erst die Eltern informieren, bevor sie es über die Presse erfahren", sagte Rudnick vor Journalisten. Rudnick ist Referatsleiterin bei der Berliner Schulaufsicht. Insgesamt hatten sich Klassen aus neun Berliner Schulen in Nizza aufgehalten. Die übrigen Schulen erklärten, dass ihre Schüler in Sicherheit seien. 

Unter den Todesopfern sind zahlreiche weitere Ausländer: mindestens zwei US-Bürger, eine Schweizerin, eine Russin, eine Armenierin, ein Ukrainer sowie ein Tunesier. Das bestätigten die Außenministerien der Länder. 

Lkw fuhr im Zick-Zack-Kurs

Bei dem Täter soll es sich um einen 31 Jahre alten Franzosen tunesischer Abstammung handeln. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war der Fahrer nicht als politisch radikalisiert bekannt. Dem Sender BFMTV zufolge hatte der Mann drei Kinder und lebte von seiner Frau in Scheidung. Nachbarn berichteten, dass der 31-Jährige zwar Muslim sei, aber nicht gläubig.

Der Lastwagen fuhr im Zick-Zack-Kurs über die Promenade - wohl deshalb, um so viele flüchtende Menschen wie möglich zu töten. Laut der Zeitung "Nice Matin" und dem Regionalpolitiker Christian Estrosi soll der Täter die Passanten nicht nur umgefahren, sondern auch mit einer Pistole beschossen haben.

Den Lastwagen hatte der 31-Jährige dem "Figaro" zufolge zwei Tage vor der Tat gemietet. Die Polizei durchsuchte am Freitag die Wohnung des Mannes in Nizza.

Motiv weiter unklar

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem terroristischen Charakter der Tat. Der genaue Hintergrund des Angriffs ist immer noch nicht bekannt. Es gäbe bisher keine Hinweise auf Komplizen des Täters.

"Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen", sagte der Staatschef in Paris. Mittlerweile sind Hollande und Premierminister Manuel Valls in Nizza eingetroffen, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen.

Der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnahmezustand, der am 26. Juli beendet werden sollte, solle um drei weitere Monate verlängert werden. Das Parlament werde darüber in der kommenden Woche entscheiden.

Rat der Muslime verurteilt Anschlag

Der Rat der Muslime in Frankreich hat den Anschlag als "widerlich" verurteilt. Er habe das Land an dem Tag getroffen, an dem Frankreich seine Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gefeiert habe, teilte die Organisation mit. 

"Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht", sagte Hollande. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden. Hollande kündigte eine Verstärkung der französischen Aktivitäten im Irak und in Syrien an. Dort beschießen französische Flugzeuge als Teil der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Merkel: "Werden den Kampf gewinnen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Deutschland stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs: "Und ich bin sehr überzeugt, dass trotz aller Schwierigkeiten wir diesen Kampf gewinnen werden."

Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Hollande: "Der 14. Juli (...) steht für die Werte der französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt", hieß es in einem Schreiben.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet den Menschen in Nizza dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien zu informieren.

Obama: "Stehen an der Seite Frankreichs"

Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. US-Präsident Barack Obama erklärte: "Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten."

Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew rief zum gemeinsamen Kampf gegen Terroristen auf: "Europa und Asien müssen sich gegen den Terrorismus vereinen", teilte Medwedew auf Facebook mit.

Immer wieder Frankreich

Frankreich war zuletzt wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft hatte ein Mann, der sich zum IS bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht.

Das Turnier fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt - ebenso wie die Feste zum Nationalfeiertag. Für die traditionelle Militärparade auf den Champs-Élysées in Paris waren rund 11.500 Sicherheitskräfte mobilisiert worden. Am Nationalfeiertag wird der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der Französischen Revolution gilt.

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