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Colonia Dignidad: BND wusste seit 1966 Bescheid

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Sektensiedlung Colonia Dignidad  

BND wusste seit 1966 von "KZ-ähnlichen" Methoden

28.07.2016, 06:57 Uhr | dpa

Colonia Dignidad: BND wusste seit 1966 Bescheid. Die Aufnahme aus den 80er Jahren zeigt den Eingang der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad. (Quelle: dpa)

Die Aufnahme aus den 80er Jahren zeigt den Eingang der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad. (Quelle: dpa)

Die Colonia Dignidad in Chile ist in letzter Zeit wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Nun kam ans Licht: Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte bereits 1966 von "KZ-ähnlichen" Methoden in der von Deutschen gegründeten Sektensiedlung erfahren.

Allerdings will der BND dies nur aus örtlichen Presseberichten erfahren haben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

In der Antwort des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Stephan Steinlein, wird zudem eingeräumt, dass die Regierung bis 1987 Menschenrechtsverletzungen ignoriert und sich schützend vor die Colonia Dignidad gestellt habe.

Kindesmissbrauch und Folter unter deutscher Aufsicht

Unter der autoritären Führung des aus Siegburg ausgewanderten Paul Schäfer war die Colonia Dignidad ab 1961 eine stark gesicherte Siedlung, in der es auch zu systematischem Kindermissbrauch kam. Zudem folterte Chiles Geheimdienst dort während der Diktatur von Augusto Pinochet Oppositionelle.

Schäfer wurde 2006 zu langer Haft verurteilt - er starb 2010 im Gefängnis. Die 1991 in "Villa Baviera" umbenannte Anlage, die heute mit bayerischer Folklore Touristen anlockt, liegt rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago.1991 wurde die Siedlung zur "Villa Baviera" und damit in eine Touristenstätte umfunktioniert.1991 wurde die Siedlung zur "Villa Baviera" und damit in eine Touristenstätte umfunktioniert.

Eklat bei Gauck-Empfang in Chile

Für einen Eklat sorgte jüngst die Anwesenheit von Reinhard Zeitner beim Empfang der Deutschen Botschaft für Bundespräsident Joachim Gauck in Chile. Ein chilenisches Gericht hatte Zeitner 2013 wegen Beihilfe zur Kindesentführung zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er soll unter anderem Wachmann der Colonia Dignidad gewesen sein.

Aus Sicht des Linken-Fraktionsvizes Jan Korte ist das ein klarer Beleg für den immer noch nicht erfolgten "konsequenten Bruch mit der Colonia Dignidad und ihrer Nachfolgeorganisation Villa Baviera". Die Umstände der Einladung müssten aufgeklärt werden "und Konsequenzen haben". Auch ein weiteres früheres Colonia-Mitglied war dort präsent.

"Allen Grund sich zu schämen"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte im April die Akten des Auswärtigen Amtes zu der Sektensiedlung vorzeitig für die Öffentlichkeit freigegeben, aber die BND-Rolle ist weiterhin unklar. Korte kritisierte eine bisher unzureichende Berücksichtigung der chilenischen Folteropfer. "Wer seit spätestens 1966 von den Verbrechen weiß und sich bis 1987 schützend vor die Täter gestellt hat, hat allen Grund sich zu schämen und zu entschuldigen."

Mit Blick auf die Historikerkommission (UHK) zur Untersuchung der Geschichte des BND und seiner Vorläuferorganisationen von 1945 bis 1968 plant die Bundesregierung nicht, den Zeitraum der Untersuchung zu erweitern, um auch das Kapitel Colonia Dignidad und das BND-Wissen darüber untersuchen zu lassen.

Auch das Verhältnis zur argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) ist nicht restlos aufgearbeitet. Beim BND gibt es dazu nach Angaben der Bundesregierung noch rund 40 Akten, mit Verschlusssachen verschiedener Geheimhaltungsstufen bis "VS-Geheim".

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