Ein ranghoher Diplomat aus Nordkorea hat sich nach Südkorea abgesetzt. Der stellvertretende Botschafter Nordkoreas in London, Thae Yong Ho, sei zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn übergelaufen, teilte das Wiedervereinigungsministerium in Seoul mit.
Die Familie befinde sich unter dem Schutz der Regierung in der südkoreanischen Hauptstadt. Thae habe seine "Abscheu" gegenüber der Herrschaft von Diktator Kim Jong Un sowie die Bewunderung für die freie Demokratie im Nachbarland als Grund für seine Flucht genannt, erklärte das Ministerium.
Thae sah sich laut eines Berichts der südkoreanischen Zeitung "JoongAng Ilbo" wachsendem Druck ausgesetzt, gegen die internationale Kritik an Menschenrechtsverstößen in Nordkorea vorzugehen.
Äußerst seltener Vorfall
Es kommt sehr selten vor, dass hochrangige Diplomaten wie Thae ihrem Land den Rücken kehren. Der letzte bekannte Fall datiert aus dem Jahr 1997. Damals setzte sich der nordkoreanische Botschafter in Ägypten in die USA ab. Im gleichen Jahr floh der Spitzenfunktionär Hwang Jang Yop nach Südkorea - er war ein früherer Vertrauter von Machthaber Kim Jong Il. Der 2010 im Exil gestorbene Hwang ist bis heute der hochrangigste Politiker, der in den Süden überlief.
Im April sorgten 13 Nordkoreaner für Schlagzeilen, die sich aus China nach Südkorea absetzten. Die zwölf Kellnerinnen und ihr Vorgesetzter hatten in einem von Pjöngjang betriebenen Restaurant in der chinesischen Hafenstadt Ningbon gearbeitet. Im Juli beantragte Berichten zufolge ein 18-jähriger Student, der in Hongkong an einem Mathematik-Wettbewerb teilnahm, Asyl in der dortigen Botschaft Südkoreas.
Insgesamt flohen in den vergangenen Jahrzehnten fast 30.000 Nordkoreaner vor Armut und Unterdrückung in ihrem Heimatland in den Süden. Die Zahl der Überläufer, die einst bei 2000 pro Jahr lag, hat sich seit dem Amtsantritt von Kim Ende 2011 jedoch fast halbiert.
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Wer aus dem international weitgehend isolierten Land nach Südkorea flieht, muss sich dort intensiven Befragungen der Geheimdienste stellen, die eine Einschleusung von nordkoreanischen Spionen verhindern wollen. In einem dreimonatigen Kurs werden die Flüchtlinge anschließend auf ihr neues Leben in Südkorea vorbereitet.