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Türkei - Istanbul: Erdogan protzt mit neuer Bosporus-Brücke

"Verrückte Projekte"  

Erdogan protzt mit gigantischen Mega-Bauten

Von Ulrich Weih

25.08.2016, 14:10 Uhr
Türkei - Istanbul: Erdogan protzt mit neuer Bosporus-Brücke. Brückenschlag zwischen Europa und Asien: Erdogan hat eine dritte Bosporusbrücke bauen lassen.  (Quelle: dpa)

Brückenschlag zwischen Europa und Asien: Erdogan hat eine dritte Bosporusbrücke bauen lassen. (Quelle: dpa)

Größer, länger, höher - wenn es um Bauprojekte geht, kann es für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gar nicht gigantisch genug sein. So entstehen eine ganze Reihe von imposanten Großprojekten, mit denen sich der Mann vom Bosporus unsterblich machen will.

Im Laufe seiner Amtszeit hat Erdogan bereits viele große, aber auch umstrittene Projekte auf den Weg gebracht. Die ganze Welt soll sehen, wozu die Türkei in der Lage ist - dafür wischt er Bedenken von Statikern oder Umweltschützern auch einfach Mal Beiseite. "Verrückte Projekte" nennt er seine Mega-Bauten.

Jetzt eröffnet er wieder höchstpersönlich ein gewaltiges Bauwerk: Die dritte Brücke über den Bosporus. Wir stellen Ihnen Erdogans Mega-Projekte vor. 

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Yavuz-Sultan-Selim-Brücke - eine der längsten Schrägseilbrücken

Innerhalb von knapp vier Jahren entstand die dritte Brücke über den Bosporus. Mit 322 Metern Höhe und 1408 Metern Spannweite ist sie eine der längsten Hänge- und Schrägseilbrücken der Welt. Eine achtspurige Fahrbahn und zwei Gleistrassen verbinden den europäischen und den asiatischen Teil von Istanbul. Das imposante Bauwerk soll den Staat rund drei Milliarden US-Dollar gekostet haben. 

Die Brücke ist ein wichtiges Bindeglied im 414 Kilometer langen Autobahnring rund um Istanbul, der unter anderem den neuen Flughafen anbinden und die Stadt entlasten soll. Umweltschützer hatten das Projekt scharf kritisiert: Große Waldgebiete mussten dafür gerodet werden, die Gefährdung wichtiger Trinkwasser-Reservoirs wurde in Kauf genommen.  

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Dreimal größer als Frankfurt: Flughafen Istanbul Yeni Havalimani 

Nördlich von Istanbul wird momentan der größte Flughafen der Welt aus dem türkischen Boden gestampft. Wenn er wie geplant Ende 2018 fertig ist, sollen dort bis zu 150 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Zum Vergleich: Am Frankfurter Flughafen wurden 2015 rund 61 Millionen Fluggäste gezählt. Istanbul soll zu einem internationalen Drehkreuz von Weltrang werden. Verkehrsminister Lütfi Elvan erklärte großspurig: "Wir haben die Welt überholt, in der Luft kennen wir keine Konkurrenten."

Ein Konsortium türkischer Firmen erhielt für 22 Milliarden Euro den Zuschlag für den Bau und Betrieb des Mega-Airports. Auch für dieses Projekt wurde viel Natur geopfert. Bei Protesten sagte Erdogan zu den Demonstranten: "Geht und lebt im Wald!"  

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Über 1000 Zimmer: Präsidentenpalast Ak Saray 

Als "Dienstgebäude des Ministerpräsidenten" war der Prunkbau in der Hauptstadt Ankara konzipiert worden. Als die Residenz dann 2014 fertig wurde, war Erdogan aber schon Präsident - also wurde der Machtkoloss kurzerhand umbenannt. Erdogan weihte ihn an seinem Geburtstag ein und bezog seinen Palast.

Natürlich ist Ak Saray - der "Weiße Palast" - größer als der Buckingham Palace, der Élysée in Paris oder das Weiße Haus. Erdogans steingewordene Machtdemonstration verfügt auf rund 40.000 Quadratmetern über rund 1000 Zimmer. Es soll einen unterirdischen Fluchtweg geben, einen abhörsicheren Bunker, und und und. Mindestens 270 Millionen Euro kostete das Dienstgebäude, nach anderen Quellen könnte es auch rund 400 Millionen Euro verschlungen haben. 

Erdogan setzte sich damit über Gerichtsurteile und Gesetze hinweg. Zuletzt hatte das höchste türkische Verwaltungsgericht den Bau verboten, weil das Gebäude mitten in einem Naturschutzgebiet steht.  

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Marmaray-Tunnel - die Röhre zwischen Europa und Asien

Der erste transkontinentale Tunnel der Welt wurde 2013 eröffnet, wie von Erdogan gewünscht rechtzeitig zum 90. Geburtstag der Republik. Der Bahntunnel verläuft derzeit als 13,6 Kilometer lange Röhre unter Bosporus, Schwarzem Meer und Marmarameer. Die S-Bahnen können stündlich bis zu 75.000 Menschen transportieren und sollen dabei helfen, einen Verkehrsinfarkt in Istanbul abzuwenden.

Wenn das Projekt komplett abgeschlossen ist, wird die Strecke insgesamt 77 Kilometer lang sein, davon verlaufen dann 14 Kilometer unterirdisch. Technisch war bzw. ist der Bau enorm aufwendig - was sich in Baukosten von mehr als 2,5 Milliarden Euro niederschlägt.  

Es gibt Ängste, dass der Tunnel nicht gegen die zahlreichen Erdbeben in der Region gewappnet sei, schließlich befindet sich in nur 20 Kilometern Entfernung die berüchtigte Nordanatolische Verwerfungszone. Doch der Verkehrsminister behauptet, der Tunnel sei "der sicherste Ort in Istanbul" und würde auch Beben der Stärke 9,0 aushalten.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Die höchsten Minarette: Camlica-Moschee 

Auf einem Hügel über dem asiatischen Teil Istanbuls entsteht seit 2013 die größte Moschee der Türkei. Sie wird einmal die höchsten Minarette der Welt haben - vier Türme mit je 107,1 Metern Höhe, zwei weitere mit 90 Metern. 107,1 Meter verweisen auf das Jahr 1071 - damals kam es zur Schlacht von Manazgirt, bei der die Seldschuken die christlichen Byzantiner besiegten - und damit die Eroberung Anatoliens durch die Türken einleiteten.   

Bis zu 60.000 Gläubige sollen später darin beten können. Ob sie wirklich gebraucht wird, ist umstritten. Viele sehen in ihr eher ein Prestigeobjekt von Erdogan. Denn die riesige Moschee thront über Istanbul und beherrscht die türkische Metropole - eine eindeutige Botschaft. Säkulare Türken sehen in dem Bau einen weiteren Schritt zur Islamisierung des Landes.  

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Kanal Istanbul 

Erdogan selbst spricht von einem "verrückten Projekt", wenn es um den "Kanal Istanbul" geht. Die 145 Meter breite und 25 Meter tiefe künstliche Schiffsroute soll das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbinden und so den Bosporus als parallele Wasserstraße entlasten.

Die Kosten für den 40 bis 50 Kilometer langen Kanal werden auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Derzeit laufen noch Machbarkeitsstudien, aber Erdogan hat schon früh seine Absicht verkündet, den Kanal Istanbul bauen zu lassen. Sogar eine Deadline für die Fertigstellung hat er bereits in den Raum gestellt: Demnach sollen spätestens im Jahr 2023, also zum hundertsten Geburtstag der modernen Türkei, die ersten Schiffe durch den Kanal fahren können. 

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Und wenn der Präsident selbst Handanlegen muss: "Türkiye büyüktür" (Die Türkei ist groß) - und die ganze Welt soll es wissen. 

Erdogan-Großprojekte in der Übersicht. (Quelle: dpa)Erdogan-Großprojekte in der Übersicht. (Quelle: dpa)

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