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Streit um Vietnam-Foto: Zeitung wirft Facebook Zensur vor

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Streit um berühmtes Foto  

Norwegische Zeitung wirft Facebook Zensur vor

09.09.2016, 20:39 Uhr | dpa, t-online.de

Streit um Vietnam-Foto: Zeitung wirft Facebook Zensur vor. Von Facebook gelöscht: Nick Uts Foto der vor allem am Rücken verbrannten Kim Phuc nach einem Napalm-Angriff am 8. Juni 1972. (Quelle: AP/dpa)

Von Facebook gelöscht: Nick Uts Foto der vor allem am Rücken verbrannten Kim Phuc nach einem Napalm-Angriff am 8. Juni 1972. (Quelle: AP/dpa)

Die größte norwegische Zeitung "Aftenposten" streitet mit dem sozialen Netzwerk Facebook, nachdem ein berühmtes Foto aus dem Vietnamkrieg von der Seite des Blatts gelöscht wurde. Das Bild zeigt das damals neunjährige Mädchen Phan Thi Kim Phuc, das nach einer Napalm-Attacke nackt über eine Straße läuft.

Die Zeitung hatte das Bild im Zusammenhang mit einem Bericht über den norwegischen Autor Tom Egeland gezeigt, den Facebook vor einigen Wochen blockiert hatte, nachdem er sieben berühmte Kriegsfotos - darunter das mit dem nackten Mädchen - auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Wegen der Veröffentlichung erlitt die Zeitung nun dasselbe Schicksal.

Die Zeitung veröffentlichte deshalb einen offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, in dem sich Chefredakteur Espen Egil Hansen gegen die Maßnahme wehrte, die das soziale Netzwerk mit seinen Regeln zu Nacktheit begründet habe.

Chefredakteur wirft Facebook Machtmissbrauch vor

"Ich finde, dass Sie Ihre Macht missbrauchen, und ich tue mich schwer damit zu glauben, dass Sie das gründlich durchdacht haben", schrieb der Journalist. Er sei "verärgert, enttäuscht" und besorgt darüber, dass "das wichtigste Medium der Welt Freiheit einschränkt anstatt zu versuchen, sie auszuweiten, und dass das gelegentlich auf eine autoritäre Weise passiert".

Facebook erklärte in einer Reaktion, es sei schwierig, bei Fotografien mit nackten Kindern einen Unterschied zu machen und die Veröffentlichung in einem Fall zu erlauben und in einem anderen nicht. "Wir versuchen, die richtige Balance zu finden zwischen der Möglichkeit für Menschen, sich auszudrücken, und einer sicheren und respektvollen Umgebung für unsere globale Gemeinschaft. Unsere Lösungen werden nicht immer perfekt sein, aber wir werden versuchen, unsere Regeln und die Art, wie wir sie anwenden, zu verbessern."

Die Aufforderung an die Zeitung, das Bild zu entfernen, sei am Mittwochmorgen in Form einer E-Mail vom Hamburger Facebook-Büro gekommen, erklärte der "Aftenposten"-Chefredakteur. "Weniger als 24 Stunden, nachdem die E-Mail abgeschickt worden war, und bevor ich Zeit hatte, zu antworten, sind Sie selbst eingeschritten und haben den Artikel und das Bild von der Facebookseite von 'Aftenposten' entfernt", schrieb Egil Hansen.

Facebook gibt im Streit um Vietnam-Bild nach

Inzwischen wurde das Foto wieder online gestellt. Obwohl auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei, erkenne das Online-Netzwerk die historische Bedeutung des Fotos an, erklärte Facebook. Das Teilen dieses Bildes habe deshalb einen höheren Stellenwert als der Schutz der Gemeinschaft durch seine Löschung. Die Systeme sollen so angepasst werden, dass das Bild auch in Zukunft beim Teilen nicht gelöscht werde. Das könne einige Tage dauern.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook Fotos oder Abbildungen von Kunstwerken entfernt, weil sie gegen Richtlinien des Online-Netzwerks zur Abbildung von Nacktheit oder Gewalt verstießen. Da für immer mehr Menschen Online-Netzwerke zu einer zentralen Nachrichtenquelle werden, gibt es unter anderem in der Medienbranche große Sorgen, das Informationen sie nur noch gefiltert erreichen, sei es durch Software-Algorithmen oder Facebook-Mitarbeiter, die mit der Einhaltung der Regeln betraut sind.

DJV kritisiert Eingriff in die Pressefreiheit

Auch der deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte das US-Unternehmen. "Man muss von Facebook so viel Medienkompetenz erwarten dürfen, dass eine Unterscheidung zwischen einem zeitgeschichtlichen Dokument und Kinderpornografie vorgenommen wird", sagt der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das gelte vor allem dann, wenn das Bild auf der Facebook-Seite einer renommierten Tageszeitung stehe. "Welche Inhalte eine Zeitung veröffentlicht, muss die Entscheidung der Redaktion bleiben." Alles andere sei ein Eingriff in die Pressefreiheit.

Der Fotograf Nick Ut, der das Foto damals machte, brachte das Mädchen danach übrigens ins Krankenhaus. Kim Phuc überlebte trotz ihrer schweren Verbrennungen, die bis heute immer wieder behandelt werden müssen. Kim Phuc wohnt mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen in Kanada. Sie unterhält eine Stiftung, die sich um Kinder kümmert, die Kriegsopfer wurden.

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