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Anschlag in Istanbul: Kein Hinweis auf deutsche Opfer in der Türkei

Terror in Istanbul  

Blutbad in Club - "wahrlich unmenschliche Brutalität"

02.01.2017, 09:03 Uhr | dpa

Anschlag in Istanbul: Kein Hinweis auf deutsche Opfer in der Türkei. Eine junge Frau bringt an der Polizeiabsperrung vor dem Nachtclub in Istanbul, in dem in der Silvesternacht mindestens 39 Menschen starben, Blumen an. (Quelle: AP/dpa)

Eine junge Frau bringt an der Polizeiabsperrung vor dem Nachtclub in Istanbul, in dem in der Silvesternacht mindestens 39 Menschen starben, Blumen an. (Quelle: AP/dpa)

Hunderte Menschen versammelten sich in einem Istanbuler Club, um nach einem von Terroranschlägen geprägten Jahr 2016 ins neue Jahr zu feiern. 2017 war noch keine zwei Stunden alt, da drang mindestens ein Terrorist in den Club Reina ein - und richtete ein Blutbad an.

Bei dem Angriff wurden mindestens 39 Menschen getötet, darunter zahlreiche Ausländer. Nach Regierungsangaben sind 65 Menschen verletzt. "Das war ein Massaker, eine wahrlich unmenschliche Brutalität", sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu. Von dem Angreifer oder den Angreifern fehlte nach der Tat jede Spur.

Noch bekannte sich niemand zu der Bluttat, die international scharf verurteilt wurde. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sagte: "Das ist ein Terrorangriff." Schon 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge verkraften müssen.

Erdogan bestärkt im Kampf gegen Terror

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte unterdessen an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um "die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten". Ziel der Terroristen sei es, "Chaos" zu stiften.

Clubbesitzer Mehmet Kocarslan sagte der privaten Nachrichtenagentur Dogan, die Polizei habe vorab rund um das Reina die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt gehabt. Die Küstenwache habe von See her zusätzlich Wache geschoben. "Trotz all dieser Vorkehrungen ist leider dieses schmerzhafte Ereignis eingetreten", sagte er. "Uns fehlen die Worte."

Medienberichten und Angaben der jeweiligen Regierungen zufolge sind unter den Opfern Menschen aus Saudi-Arabien, Marokko, dem Libanon, Libyen, Tunesien, Frankreich, Israel und Indien. 24 der Getöteten waren demnach Staatsbürger anderer Länder. Behörden versuchten noch immer, vier der Opfer zu identifizieren, hieß es.

Noch kein Hinweis auf deutsche Opfer

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: "Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, ob auch Deutsche betroffen sind." Das Ministerium bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe dazu in engem Kontakt mit den türkischen Behörden.

Auch Stunden nach dem Angriff war der Verbleib des Angreifers oder der Angreifer unklar. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, die Identität des Täters festzustellen. Er dementierte Medienberichte, wonach der Angreifer ein Weihnachtsmannkostüm getragen habe. "Das ist nicht wahr." Yildirim sagte, es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.

Zahl der Angreifer nicht klar

Innenminister Soylu sagte, Ermittlungen der Sicherheitskräfte deuteten darauf hin, dass es sich nur um einen Schützen gehandelt habe. Die Nachrichtenagentur DHA hatte gemeldet, zwei als Weihnachtsmänner verkleidete Terroristen seien in den Club eingedrungen und hätten das Feuer mit automatischen Waffen eröffnet. Auch eine Augenzeugin sprach von zwei Angreifern.

Gouverneur Sahin sprach von einem Attentäter, der sich um 1:15 Uhr Zugang zum Reina verschafft habe, indem er am Eingang einen Polizisten und einen Zivilisten erschossen habe. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, zum Zeitpunkt des Angriffs seien 700 bis 800 Menschen in dem bekannten Nachtclub am Bosporusufer gewesen. Einige seien in den Bosporus gesprungen, um dem Angriff zu entkommen, berichteten Augenzeugen. Sie seien von Polizisten gerettet worden.

Letzter Anschlag vor drei Wochen

Erst vor drei Wochen waren bei einem Doppelanschlag in Istanbul 45 Menschen getötet worden, die meisten davon Polizisten. Dazu hatte sich die TAK bekannt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. TAK und PKK greifen vorrangig Sicherheitskräfte an. Ebenfalls im Dezember war in Ankara der russische Botschafter Opfer eines Anschlags geworden. Der Attentäter war ein türkischer Polizist. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dieser Tat zu stecken.

Von kurdischer Seite wurde die Verantwortung für das Attentat abgewiesen. Die Agentur Firat, die der verbotenen Kurdenpartei PKK nahesteht, zitierte deren Chef Murat Karayilan mit der Aussage, dass keine kurdische Gruppierung hinter der Tat stecke.

Der Zeitung "Hürriyet" zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen. Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem IS verwickelt. Nach dem türkischen Einmarsch im August hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen.

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