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Islam: Tödliche Proteste gegen Mohammed-Karikaturen

Karikaturen-Konflikt  

Wütende Iraner skandieren "Tod Deutschland"

06.02.2006, 08:24 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Tausende Muslime haben am Montag in vielen Ländern ihre Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen fortgesetzt. Inzwischen werden auch die ersten Toten beklagt. In Teheran griffen mehrere hundert Demonstranten die österreichische und die dänische Botschaft an. Sie warfen Steine und versuchten, die Gebäude in Brand zu setzen. Die Wut der aufgebrachten Menschenmenge richtete sich auch gegen andere Staaten: Die Demonstranten skandierten "Tod Deutschland", "Tod England" und verbrannten Flaggen der Länder. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Menge vor.

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Iran bricht Handelsbeziehungen ab
Die iranische Regierung ordnete unterdessen den sofortigen Abbruch aller Handelsbeziehungen mit Dänemark an. Wie der Rundfunk in Kopenhagen berichtete, wurde der Schritt als "Vergeltung" für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemarks größter Zeitung "Jyllands-Posten" bezeichnet. Das iranische Handelsministerium habe außerdem angekündigt, dass allen dänischen Schiffen beim Anlaufen iranischer Häfen "besonders hohe" Gebühren auferlegt würden.

Bombenalarm bei "France Soir"
In Frankreich wurden die Redaktionsräume des Boulevardblattes "France Soir" nach einer Bombendrohung geräumt. Das berichteten Journalisten der Zeitung, die am vergangenen Mittwoch die dänischen Mohammed-Karikaturen als erste in Frankreich nachgedruckt hatte. Die Polizei riegelte das Gelände ab und setzte Suchhunde ein. Nach knapp drei Stunden konnten die Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Erste Todesopfer im Karikaturen-Konflikt
In Bagram nördlich von Kabul wurden am Montag zwei Afghanen getötet. US-Soldaten und Polizisten hätten sich mit Randalierern Feuergefechte geliefert, sagte der Sicherheitschef des Distrikts. In Somalia wurde mindestens ein Demonstrant getötet. Sieben weitere Menschen wurden verletzt, als die Polizei in der Hafenstadt Bossaso das Feuer auf die Demonstranten eröffnete. Zuvor war bereits in der ostafghanischen Stadt Mehtarlam ein Demonstrant getötet worden. In Beirut starb einer der Männer, die am Sonntag das dänische Konsulat gestürmt und in Brand gesetzt hatten.

"Feind der Muslime"
In der indonesischen Hauptstadt Jakarta zogen etwa 400 Mitglieder einer islamistischen Partei vor die dänische Botschaft und forderten eine Entschuldigung. Mehr als 1000 muslimische Aktivisten verlangten in Bandung in West-Java ein Ende der diplomatischen Beziehungen zu Dänemark. In der zweitgrößten Stadt Surabaya stürmten rund 300 Mitglieder der extremistischen Islamischen Verteidigungs-Front das US-Konsulat und bewarfen das Gebäude mit Steinen. Vor der dänischen Vertretung in Bangkok protestierten rund 500 thailändische Muslime. Dänemark sei "von jetzt an ein Feind der Muslime", sagte ein Sprecher.

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Mohammed
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Unbekannte feuern auf dänische Soldaten
Bei einem Zwischenfall nahe der irakischen Stadt Basra wurden am Sonntag dänische Soldaten angegriffen. Das teilte das dänische Verteidigungsministerium am Montag mit. Unbekannte hätten die Soldaten nach einem Verkehrsunfall aus einer aufgebrachten Menge heraus beschossen. Dänemark will untersuchen, ob die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen Hintergrund des Angriffs war. Dies sei aber völlig ungewiss, erklärte Verteidigungsminister Soren Gade. Es sei auch denkbar, dass die Menge die Soldaten für die Schuldigen bei dem Unfall gehalten habe, bei dem mehrere Kinder ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden waren.

Annan: Gewalt nicht gerechtfertigt
Die Gewalt beunruhige ihn, sagte UN-Generalsekretär Annan. Er teile zwar die Gefühle vieler Muslime, die ihre Religion durch die Veröffentlichung der Karikaturen beleidigt sähen. Er wolle aber klarmachen, dass "dieser Groll keine Gewalt rechtfertigen kann". Vor allem nicht, wenn er sich gegen Menschen richte, die nicht verantwortlich für die Veröffentlichung der Karikaturen seien. Der Generalsekretär drängte die Muslime dazu, die Entschuldigung der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" anzunehmen. Die Zeitung hatte die Karikaturen im September vergangenen Jahres veröffentlicht. Weitere europäische Zeitungen haben sie jüngst nachgedruckt.

"Wir werden alle Verlierer sein"
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Demonstranten zur Gewaltlosigkeit auf. "Gewalt kann kein Mittel der Auseinandersetzung sein", sagte Merkel in Berlin. Sie könne zwar verstehen, dass die Menschen in arabischen Ländern über die Karikaturen erzürnt seien, dies rechtfertige aber keine Gewalt. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan riefen gemeinsam zu Besonnenheit auf. "Wir werden alle Verlierer sein, wenn es uns nicht gelingt, die Situation sofort zu entschärfen, die in ihrem Sog nur einen Pfad von Misstrauen und Missverständnis zwischen beiden Seiten hinterlassen kann."

Deutsche Muslime verurteilen Gewalt
Der neue Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, verurteilte die Ausschreitungen in scharfer Form. Die Gewalttätigkeiten hätten "Entsetzen bei den Muslimen in Deutschland ausgelöst", sagte er am Montag im Bayerischen Rundfunk. Sie seien ein Zeichen dafür, "dass sich hier auch Frustrationen entladen, die sich lange aufgestaut haben, (...) aber all das entschuldigt nicht derartige Ausschreitungen."

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