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Sicherheitskonferenz in München: Kein Tauwetter in Teheran

Münchener Sicherheitskonferenz  

Kein Tauwetter in Teheran

10.02.2009, 08:36 Uhr

Von Christian Kreutzer

Ali Laridschani gilt bei den kommenden Präsidentschaftswahlen im Iran als aussichtsreicher Kandidat (Quelle: ddp)

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani hat seinen Auftritt auf der Münchener Sicherheitskonferenz – den ersten eines Iraners seit der islamischen Revolution – für heftige Angriffe gegen die USA genutzt. Anstatt wie erwartet auf die Avancen der neuen US-Regierung einzugehen, startete der konservative Hardliner, der als aussichtsreicher Kandidat für die iranischen Präsidentschaftswahlen im Juni gilt, einen Rundumschlag gegen die Fehler der USA von den 50er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit.

Er könne nicht verstehen, warum Indien und Pakistan Atomwaffen haben dürften, Iran aber nicht, sagte der frühere Atomunterhändler, bevor er daran erinnerte, dass die USA das einzige Land sei, das je Atomwaffen eingesetzt hätte. Nach einem Rückgriff auf das Jahr 1953, in dem mit Hilfe der CIA der beliebte iranische Präsident Mohammed Mosadeq gestürzt worden war, ging er der Reihe nach alle Konflikte des Nahen Ostens bis zum Irak-Krieg und die Rolle der USA darin durch.


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Attacken gegen Israel

Laridschani, der ebenso wie Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Holocaust anzweifelt, verurteilte die USA erneut für ihre Unterstützung Israels. Er erinnerte an die zivilen Opfer des jüngsten Gaza-Krieges. Die Hamas sei eine demokratisch vom Volk gewählte Regierung.

Hegemonie und Terrorismus „zwei Seiten einer Medaille“

Auch den Westen insgesamt griff Laridschani an: Die amerikanischen „Untaten“ wurzelten in der in Europa geborenen Vorstellung, dass der Osten (die islamische Welt, Anm.) von Natur aus lethargisch sei und beherrscht werden müsste. Die Zeiten des Kolonialismus seien jedoch vorbei. „Hegemonie und Terrorismus sind zwei Seiten einer Medaille“, so der Teheraner Gesandte.

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Neuer Tonfall reicht nicht

Einen Wechsel im Weißen Haus hat es für Laridschani offenbar nicht gegeben. „Glauben Sie wirklich, dass alles durch einen neuen Tonfall wieder gut gemacht werden kann?“, rief der 50-Jährige Doktor der Philosophie in die Runde. Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger George W. Bush, der Iran zum Schurkenstaat erklärt und ihm mit Krieg gedroht hatte, wird US-Präsident Barack Obama seit seinem Wahlkampf nicht müde zu betonen, die USA müssten mit dem Iran reden.

Kissinger: Starker Iran im Interesse der USA

Zuvor hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier entschiedene Schritte zu weltweiter nuklearer und konventioneller Abrüstung angemahnt. Dem Iran sprach er das Recht auf Atomkraft zu, nicht aber auf Atomwaffen. Der Iran solle die Chance ergreifen, die sich durch die Wahl Obamas biete. Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, der sich heute für nukleare Abrüstung einsetzt, vertrat die gleiche Meinung und fügte hinzu, ein starker Iran auf dieser Basis sei auch in amerikanischem Interesse.

Steinmeier abgekanzelt

Das seien predigerhafte Reden kanzelte Laridschani die beiden Staatsmänner ab: „Die Welt will solche Predigten nicht mehr hören.“ Erst zum Schluss seiner Rede, gestand der 50-Jährige ein, dass es im Nahen Osten angesichts der Wahl Obamas vorsichtigen Optimismus gebe. Amerika solle jedoch von seiner Strategie „Zuckerbrot und Peitsche“ wegkommen. Dies sei etwas für Tiere. Der Iran hege keine Pläne gegen irgendein Land: „Erkennen Sie, dass die Menschen im Nahen Osten mit Ihnen Schach spielen und nicht kämpfen wollen.“

Mächtige Familie

Laridschani, der einer der einflussreichsten Familien des Iran nach der Revolution entstammt, genießt die Unterstützung von Ali Chamenei, dem „Obersten Führer" des Iran, der zudem der Schwiegervater einer Tochter Laridschanis ist. Einer der Brüder des Parlamentspräsidenten – Sadeq Laridschani - ist Mitglied des mächtigen zwölfköpfigen Wächterrates, der über die Zulassung nahezu aller Politiker und Gesetzesvorlagen entscheidet.

Hardliner gegen Hardliner

Er gilt als Gegner von Präsident Ahmadinedschad, soll aber kaum weniger radikal sein. Während Ahmadinedschad von der Geistlichkeit in der Vergangenheit immer wieder zurückgepfiffen wurde, sonnt sich Laridschani in der Gunst der Kleriker. Dabei gewinnt er offenbar langsam die Oberhand: Wie t-online.de aus Konferenzkreisen erfuhr, hatte Ahmadinedschad geplant, „seinen“ Atomunterhändler“ Said Dschalili nach München zu schicken. Dagegen soll Laridschani in einem internen Machtkampf seine eigene Entsendung durchgesetzt haben – möglicherweise auch, um sich mit seiner Brandrede zu Hause als fähiger Verteidiger iranischer Interessen zu empfehlen.

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