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Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis

Sensation in Oslo  

Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis

09.10.2009, 16:17 Uhr | dpa

US-Präsident Barack Obama (Foto: dpa)US-Präsident Barack Obama (Foto: dpa)

Sensation in Oslo: Das Nobelkomitee hat US-Präsident Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis 2009 ausgezeichnet. Die frühe Würdigung des noch jungen US-Präsidenten überrascht und stößt auch auf Kritik. Das Nobelkomitee verteidigt seine Entscheidung aber.

Obwohl noch nicht einmal ein Jahr im Amt, habe Obama schon jetzt ein neues internationales Klima geschaffen, hieß es in der Begründung. Besonderes Gewicht sei bei der Entscheidung auf Obamas Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt worden.

Zeichen der Entspannung

Der 48-jährige Obama hatte sich umgehend nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres um die politischen Brandherde rund um den Globus gekümmert. Er brach mit der Politik seines Vorgängers George W. Bush und setzte Zeichen der Entspannung und des Ausgleichs.

Ungläubiges Staunen

Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreises - in den USA war es da noch früh am Morgen - löste in Washington teilweise ungläubiges Staunen aus. Das Weiße Haus reagierte zunächst mit Sprachlosigkeit. Der Präsident selbst ließ sich mit einer öffentlichen Reaktion Zeit. Er habe auf die Ehrung mit "Demut" reagiert, berichtete der Fernsehsender CNN und berief sich auf dessen Berater.

Zum Durchklicken: Internationale Reaktionen

Viel angepackt

Der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland sagte angesichts der noch sehr kurzen Präsidentschaft Obamas: "Alles, was er in seiner Zeit als Präsident angepackt hat, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, ist schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen." Der Preis ist mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert.

Nur Vorschusslorbeeren?

So mancher Friedensforscher sieht die Wahl des Komitees trotzdem eher kritisch. "Das sind Vorschusslorbeeren", sagte der Bonner Friedensforscher Andreas Heinemann-Grüder. Auch in Oslo selbst stieß die Entscheidung auf Kritik, und zwar parteiübergreifend: "Man kann doch nur erbrachte Leistungen für den Frieden auszeichnen und nicht Erwartungen oder Hoffnungen", sagte etwa Siv Jensen von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei. Und der norwegische Sprecher von Amnesty International, John Egenæs, erinnerte: "Schließlich trägt Obama auch Verantwortung für die Kriegsführung der USA in Afghanistan."

Komitee verteidigt sich

Thorbjörn Jagland, neuer Chef des Osloer Nobelkomitees, wischte all diese Stimmen mit dem trotzigen Hinweis auf ähnlich frühzeitige Vergaben beiseite: Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern. Man habe auch 1971 Willy Brandt mit dessen Ostpolitik und 1990 Michail Gorbatschow bei der Perestroika auch schon ausgezeichnet, als der Ausgang dieser politischen Projekte noch völlig offen war. Brandt und Gorbatschow hatten aber nicht gerade erst angefangen wie der neue US-Präsident. Vielleicht erinnerte sich das Komitee bei der Entscheidung für Obama auch gerne an das gewaltige und anhaltende Echo der Preise für den Ex-Bundeskanzler aus der Bundesrepublik und den früheren sowjetischen Parteichef.

Förderung von Kooperation und Dialog

Auf die Frage, ob das Komitee nicht eine "gewagte Entscheidung" getroffen habe, sagte Komiteechef Jagland: "Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht. Nämlich, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der im vorausgegangenen Jahr am meisten für internationale Verbrüderung und Abrüstung sowie die Förderung von Kooperation und Dialog getan hat."

"Realitäten der Welt vor Augen führen"

Auf den Vorwurf, man habe eine "populistische Entscheidung" getroffen, entgegnete Jagland, der frühere norwegische Regierungschef und Außenminister in sozialdemokratischen Regierungen: "Wer das meint, der soll sich die Realitäten in der Welt vor Augen führen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen." Es habe positive Reaktionen aus Russland und China zu Obamas bisherigen Initiativen gegeben.

Innenpolitisch unter Druck

Obama, mit seinen innenpolitischen Projekten, besonders der Gesundheitsreform, derzeit enorm unter Druck, legte außenpolitisch direkt nach dem Amtsantritt ein hohes Tempo vor. Der erste farbige Präsident der USA präsentierte sich als ein Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt. Er ordnete den amerikanischen Truppenabzug aus Irak an. Er bot den nach der Atombombe strebenden Iran und Nordkorea direkte Gespräche an.

Signale an Russland

An Russland sendete er Signale der Entspannung und verkündete schließlich den Verzicht auf das geplante globale Raketenschild, von dem sich Russland bedroht gefühlt hatte. Inzwischen verhandeln beide Länder wieder über den Abbau ihrer Nuklearwaffen. Dieser Initiative schließen sich auch andere Atommächte an.

Reden in Prag und Kairo

Zwei besondere Höhepunkte in Obamas ersten Monaten waren die Reden in Prag und Kairo. In Prag formulierte Obama am 5. April die Vision einer atomwaffenfreien Welt. In Kairo reichte der US-Präsident der islamischen Welt die Hand zum Frieden. Der Aufruf zur Versöhnung wurde in der muslimischen Welt mit Beifall und Respekt bedacht.

Nachfolger von Al Gore

Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari den Friedensnobelpreis erhalten, 2007 ging die Auszeichnung an den früheren US-Vizepräsident Al Gore und den Weltklimarat (IPCC) der Vereinten Nationen. Obama ist der vierte US-Präsident, der ausgezeichnet wurde: nach Jimmy Carter, Woodrow Wilson und Theodore Roosevelt.

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