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Empörung über Holocaust-Äußerung von Benjamin Netanjahu

"Palästinenser haben Hitler angestiftet"  

Große Empörung über Netanjahus Holocaust-Äußerung

21.10.2015, 16:27 Uhr | AP, rtr

Empörung über Holocaust-Äußerung von Benjamin Netanjahu. Israels Ministerpräsident sorgt mit seiner Hitler-Äußerung für Irritationen. (Quelle: Reuters)

Israels Ministerpräsident sorgt mit seiner Hitler-Äußerung für Irritationen. (Quelle: Reuters)

Wie bitte? Adolf Hitler wurde von einem Palästinenser zum Holocaust angestiftet. Das behauptet der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Mit seiner Äußerung hat er Empörung und Widerspruch ausgelöst.

Historiker stellten klar, dass Hitler 1941 längst in mehreren Konzentrationslagern die "Endlösung" betreiben ließ. Netanjahu hatte gesagt, der Jerusalemer Geistliche Hadsch Amin al-Husseini habe 1941 bei einem Treffen in Berlin eine "zentrale Rolle" bei dem Beschluss zur sogenannten Endlösung gespielt.

"Verbrenne sie"

Mit der historischen Anekdote wollte der Regierungschef  in einer Rede vor jüdischen Repräsentanten offenbar seinen Punkt belegen, dass der Konflikt um die von den Juden als Tempelberg und den Muslimen als "Edles Heiligtum" verehrte religiöse Stätte in Jerusalem viele Jahrzehnte zurückreicht.

"Hitler wollte zu dem Zeitpunkt nicht die Juden vernichten, er wollte die Juden vertreiben", sagte Netanjahu. "Und Hadsch Amin al-Husseini ging zu Hitler und sagte: 'Wenn du sie ausweist, kommen sie alle her. Was soll ich mit ihnen machen?' Er sagte: 'Verbrenne sie.'"

Forscher: "Form von Holocaust-Leugnung"

Der prominente Holocaust-Forscher Mosche Zimmermann von der Hebräischen Universität sagte, Netanjahus Argument sei weit hergeholt und mache den Regierungschef im Prinzip zu einem Holocaust-Leugner. "Jeder Versuch, die Bürde von Hitler auf andere abzuwälzen ist eine Form von Holocaust-Leugnung", erklärte Zimmermann.

Al-Husseini sei zwar ein glühender Nazi-Anhänger gewesen, Zimmermann stufte ihn aber als politisches "Leichtgewicht" ein. Der Großmufti habe versucht, Hitlers Unterstützung beim Kampf gegen das britische Völkerbundmandat für das damalige Palästina und gegen die ins Land kommenden jüdischen Einwanderer zu erhalten. Es gebe keinen Beweis, dass der Großmufti einen wirklichen Einfluss auf Hitler gehabt habe.

Netanjahu hat in politischen Konflikten - insbesondere auch beim Streit über das iranische Atomprogramm - immer wieder auf den Holocaust als historische Warnung verwiesen. Dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas hatte er vorgeworfen, zur jüngsten Gewaltwelle angestiftet zu haben, die im September mit Zusammenstößen vor der Al-Aksa-Moschee begann, die mit dem Felsendom das dritthöchste islamische Heiligtum ist.

Erakat wirft Netanjahu Hass vor

Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat warf dem israelischen Regierungschef vor, er hasse die Palästinenser so sehr, "dass er dazu bereit ist, Hitler für die Ermordung von sechs Millionen Juden freizusprechen". Der israelische Oppositionschef Izchak Herzog hielt Netanjahu eine "gefährliche historische Verzerrung" vor. Er müsse das umgehend richtigstellen. "Es verharmlost den Holocaust, Nazismus und die Rolle Adolf Hitlers in der großen Tragödie unseres Volks", sagte Herzog. "Es gab nur einen Hitler."

Israels Oppositionsführer Izchak Herzog rief Netanjahu dazu auf, seine Äußerungen zurückzuziehen. Es handele sich um eine "gefährliche Verzerrung der Geschichte, die den Holocaust trivialisiert".

Selbst einer von Netanjahus loyalsten Gefolgsleuten, Verteidigungsminister Mosche Jaalon, distanzierte sich von der Äußerung. "Ich weiß nicht genau, was der Ministerpräsident gesagt hat", erklärte Jaalon im israelischen Militärradio. "Die Geschichte ist aber eindeutig: Hitler hat sie (die Endlösung) gestartet, Hadsch Amin al-Husseini hat sich ihm angeschlossen und leider fördern dschihadistische Bewegungen bis heute Antisemitismus."

Berlin widerspricht Netanjahus Holocaust-Wertung

Die Bundesregierung hat sich derweil zu der deutschen Verantwortung für den Holocaust bekannt - und damit indirekt dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu widersprochen.

"Wir wissen um die ureigene deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen. Ich sehe keinen Grund, dass wir unser Geschichtsbild in irgendeiner Weise ändern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. 

Die Aufregung um Netanjahus Holocaust-Äußerung fällt in eine schwierige Phase mit wahllosen Messerangriffen palästinensischer Einzeltäter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief bei einem Blitzbesuch Israelis und Palästinenser zu Ruhe auf. Netanjahu reiste am Mittwoch zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin und will dort am Donnerstag auch mit US-Außenminister John Kerry zusammen kommen, um "die Lage zu beruhigen".

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