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Wen Erdogan zum neuen Diener auserkoren könnte

Nach Davutoglu-Rücktritt  

Wen macht Erdogan zum neuen Befehlsempfänger?

17.05.2016, 13:49 Uhr | Özkan Canel Altintop, t-online.de

Wen Erdogan zum neuen Diener auserkoren könnte. Wer wird neuer Ministerpräsident der Türkei? Bekir Bozdag (l.),Binali Yildirim und Numan Kurtulmus (r.) werden als mögliche Kandidaten gehandelt. (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Wer wird neuer Ministerpräsident der Türkei? Bekir Bozdag (l.),Binali Yildirim und Numan Kurtulmus (r.) werden als mögliche Kandidaten gehandelt. (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Der scheidende Ministerpräsident und noch AKP-Chef Ahmet Davutoglu war ein treuer Diener von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Aber nicht treu genug: Denn er wagte es, selbstständig zu denken. Das sieht der Sultan vom Bosporus nicht gerne und sucht kurzerhand einen neuen Wesir.  Auf dem Sonderparteitag am 22. Mai werden Medien zufolge drei Kandidaten gehandelt.

Kandidat Nr. 1: Binali Yildirim - der Favorit

Laut türkischen Medien ist der derzeitige Verkehrsminister und AKP-Mitgründer aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Parteichefs. Damit wäre der Schiffsbauingenieur automatisch neuer Ministerpräsident. Yildirim ist wie Erdogan tief religiös, erzkonservativ und vor allen Dingen loyal. "Erdogan ist der Gründer unserer Partei und der ewige Führer. Davutoglu ist nur der Parteichef", sagte der 60-Jährige kürzlich in einem Interview.

Yildirim ist in der Türkei bekannt als Macher von Großprojekten. Die neue Hängebrücke über dem Bosporus, der im Bau befindliche größte Flughafen der Welt oder die Schnellzugstrecke von Istanbul nach Ankara. Alles geht – natürlich auf Erdogans Konto – aber Yildirim war dabei.

Kurz: Binali Yildirim erfüllt Erdogans Anforderungsprofil. Einziger Nachteil: Sein Sohn wurde in einem Casino in Singapur beim Zocken erwischt. Das macht einen islamischen Politiker angreifbar.

Kandidat Nr. 2: Bekir Bozdag - der Jurist

Der türkische Justizminister Bekir Bozdag ist einer der treuesten Weggefährten von Erdogan. Im Zuge der größten Korruptionsaffäre der türkischen Geschichte hat er die ermittelnden Richter und Staatsanwälte sowie Polizeibeamte gegen loyale AKP-Anhänger ausgewechselt. Als das türkische Verfassungsgericht die Versetzungen für illegal erklärte, baute er kurzerhand das Gerichtswesen um. Untersuchungen im Parlament verhinderte er geschickt. Weitere Ermittlungen ließ er nicht zu. Zugleich ist er großer Verfechter des Präsidialsystems. "Diejenigen, die das Präsidialsystem fürchten, sind schwache Menschen. Diejenigen, die keine Führerqualitäten haben, sind gegen das Präsidialsystem", erklärte er Anfang Mai.

Kurz: Auch Bozdag erfüllt das Anforderungsprofil von Erdogan. Einziger Nachteil des 51-jährigen Theologen und Rechtswissenschaftlers: Erdogan will das Verfassungsgericht entmachten, dazu braucht er seinen starken Justizminister Bozdag, der im Hintergrund die Fäden ziehen kann.

Kandidat Nr. 3: Numan Kurtulmus - der Charismatiker

Numan Kurtulmus war einst Gegner von Staatspräsident Erdogan. Trotzdem: Beide waren Anhänger der strengen islamischen Bewegung "Milli-Görüs" und sind Ziehsöhne des Gründers Necmettin Erbakan. Nach der Spaltung der Bewegung in der Türkei entschied sich Kurtulmus zunächst für Erbakan, schlug sich dann später aber auf die Seite Erdogans. Früher sagte er: "Erdogan ist ein bedeutungsloser Mensch". Als AKP-Sprecher und Vize-Ministerpräsident fordert er nun: "Die Türkei braucht einen starken Führer".

Kurz: Der 57-Jährige ist mindestens genauso erzkonservativ, tief religiös und absolut loyal wie die anderen beiden Kandidaten. Kurtulmus ist zweifelsohne der charismatischste unter den Auserwählten. Er ist schlagfertig, ein brillanter Redner und spricht die Sprache des Volkes. Genau diese Eigenschaften sind aber gleichzeitig auch sein Nachteil. Er könnte noch stärker werden als Davutoglu es war.

Einen offenen Wahlkampf zwischen den Kandidaten gibt es allerdings nicht. Warum auch? Zum Schluss entscheiden nicht die Parteimitglieder, sondern der absolute Herrscher Recep Tayyip Erdogan. Vielleicht setzt er auch den Energieminister Berat Albayrak  ein – der ist nämlich sein Schwiegersohn.   

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