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Usbekistan-Präsident Islam Karimow gestorben: Hirnschlag mit 78

Hirnschlag mit 78  

Usbekistan-Präsident Islam Karimow gestorben

03.09.2016, 09:00 Uhr | rtr, dpa

Usbekistan-Präsident Islam Karimow gestorben: Hirnschlag mit 78. Islam Karimov stand fast drei Jahrzehnte lang an der Spitze Usbekistans.  (Quelle: dpa)

Islam Karimov stand fast drei Jahrzehnte lang an der Spitze Usbekistans. Karimow (Quelle: dpa)

Der usbekische Präsident Islam Karimow ist nach Angaben der Regierung im Alter von 78 Jahren gestorben. Karimow hatte kürzlich einen Schlaganfall erlitten und verstarb nun an den Folgen. Er lag seit Sonntag im Krankenhaus. 

Als erster ausländischer Politiker hatte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim schon vor der offiziellen Todesnachricht kondoliert. Die beiden Länder haben enge ethnische, kulturelle und sprachliche Verbindungen.

Nachfolger nicht benannt

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach der Familie sein Beileid aus. In Moskau sprach auch Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow der Familie sein Mitgefühl aus. Karimow sei ein talentierter Politiker mit starkem Charakter gewesen, sagte der russische Friedensnobelpreisträger der Agentur Interfax zufolge. Georgiens Präsident Georgi Margwelaschwili sagte, Karimow habe Usbekistan durch die schwierigste Zeit seiner Geschichte geführt.

Unklar ist, wer nun die Macht in dem islamisch geprägten zentralasiatischen Land übernimmt. Einen Nachfolger hat der autoritäre Präsident der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik nicht benannt. Ein Machtvakuum könnte das Land mit 32 Millionen Einwohnern destabilisieren, das im Fadenkreuz militanter Islamisten steht.

Ein Hinweis auf die Nachfolge Karimows könnte die Ernennung von Ministerpräsident Schawkat Mirsijojew zum Chef der Kommission sein, die die Trauerfeiern organisiert.

Stabilität des Landes mit Druck und Gewalt gesichert

Usbekistan hat fast drei Jahrzehnte keinen anderen Herrscher gekannt als Islam Karimow. Von 1989 an war er kommunistischer Parteichef der Sowjetrepublik in Zentralasien, dann von 1991 an Dauerpräsident des unabhängigen Usbekistan. Die Stabilität seines Landes inmitten unruhiger Nachbarn wie Tadschikistan und Afghanistan sicherte er mit Druck und Gewalt. Karimows Regime galt neben dem abgeschotteten Turkmenistan als härteste Diktatur der Region.

Trotzdem war Karimow über Jahre auch als Partner des Westens gefragt. Sehr zum Missfallen Russlands unterhielten die USA von 2001 an zeitweise eine Militärbasis in Usbekistan für den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan. Der deutsche Stützpunkt in der Stadt Termes, über den die Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz versorgt wurde, wurde erst Ende 2015 aufgegeben.

Muslimische Geistliche auf Staatslinie gezwungen

Usbekische Städte wie Samarkand und Buchara gehören zu den alten Zentren islamischer Kultur entlang der historischen Seidenstraße zwischen Asien und Europa. Doch Karimow fürchtete wie die anderen Präsidenten Zentralasiens ein Vordringen des Islamismus.

Um seine Macht zu sichern, verbot er nicht nur weltliche Oppositionsparteien wie Birlik oder Erk. Er zwang die muslimische Geistlichkeit auf Staatslinie. Nach einem gescheiterten Attentat 1999 schickte er angebliche Islamisten zu Tausenden in Gefängnisse. 2005 richteten usbekische Soldaten ein Blutbad mit mehreren Hundert Toten unter wehrlosen Demonstranten in der Stadt Andischan an.

Bodenschätze wie Gold und Erdgas

Karimow wurde am 30. Januar 1938 in Samarkand geboren und studierte Maschinenbau. Um dem Wüstenland Usbekistan eine eigene Identität zu geben, berief sich der persönliche eher unscheinbare Karimow auf den grausamen Mongolen-Herrscher Timur. Der hatte im 14. Jahrhundert ein großes Reich bis nach Europa erobert.

Wirtschaftlich brachte er Usbekistan kaum voran, auch wenn das Land mit seinen etwa 32 Millionen Einwohnern über Gold, Silber, Gas, Öl und Kohle verfügt und Baumwolle produziert. Der Reichtum landete wohl vor allem bei seinem Familien-Clan. Von den zwei Töchtern wollte er die ältere namens Gulnara zur möglichen Nachfolgerin aufbauen. Doch die Familie zerstritt sich in seinen letzten Lebensjahren.

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