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"Das Schlimmste steht noch bevor"

Fronten im Gazastreifen verhärten sich  

"Das Schlimmste steht noch bevor"

30.12.2008, 08:12 Uhr | AFP, dapd, dpa

Israel stationiert Panzer an der Grenze zum Gazastreifen. Die Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive verdichten sich (Quelle: AFP)Israel stationiert Panzer an der Grenze zum Gazastreifen. Die Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive verdichten sich (Quelle: AFP)

Am dritten Tag der israelischen Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen haben sich die Fronten weiter verhärtet. Israel weitete die Angriffe aus und erteilte Forderungen nach einer Waffenruhe eine Absage. Auch ein ranghoher Hamas-Vertreter lehnte Friedensverhandlungen ab. Israels Vize-Generalstabschef Dan Harel sagte: "Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, es steht uns noch bevor."

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sprach zuvor von einem "Krieg bis zum bitteren Ende". Zudem drohte er den Palästinensern offen mit einer Bodenoffensive.

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Panzer fahren auf

Die Armee erklärte das Gebiet um den Gazastreifen herum zur militärischen Sperrzone. Dies wurde in israelischen Medien als Hinweis auf eine Bodenoffensive gesehen. Zuvor waren bereits Kriegsschiffe in die Militäroperation einbezogen worden. An der Grenze wurden weitere israelische Panzer stationiert. Zudem wurde die Einberufung von 6.500 Reservisten umgesetzt.

Raketenbeschuss hält an

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive sind nach Armeeangaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden. Bisher sind insgesamt drei Israelis an den Folgen der Explosionen gestorben. Ein Mann, der bei einen Hamas-Angriff in Nachal Oz verletzt worden war, starb nach israelischen Angaben am Montagabend. Dutzende weitere wurden verletzt.

"Werden uns verteidigen"

Ein führender Vertreter der Hamas wies derweil Forderungen nach Verhandlungen zurück und drohte Israel mit Vergeltungsschlägen. Vor jeglichen Verhandlungen müssten die Angriffe eingestellt und die Grenzen geöffnet werden, forderte der stellvertretende Politbüro-Chef Mussa Abu Marsuk. "Wir werden uns selbst, unser Land und unsere Bürger verteidigen." Militante Palästinenser hätten nach rechtswidrigen Angriffen Israels das Recht, überall in Israel zurückzuschlagen.

EU beruft Krisentreffen ein

Angesichts der kritischen Lage berief die französische Ratspräsidentschaft für Dienstag ein Krisentreffen der Außenminister der 27 EU-Staaten in Paris ein. Zuvor hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy telefonisch mit seinem ägyptischen Amtskollegen Husni Mubarak über die Situation gesprochen. Anfang Januar werde Sarkozy im Elysée-Palast auch die israelische Außenministerin Zipi Livni empfangen, hieß es.

Abbas verurteilt Luftschläge

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte derweil die Angriffe als "durchschlagende israelische Aggression". Es war die bislang schärfste Reaktion des Fatah-Vorsitzenden seit Beginn der Offensive. Zugleich kündigte er an, er werde seine Rivalen von der Hamas kontaktieren, um ein Ende der blutigen Auseinandersetzungen herbeizuführen.

Angriffe richten sich gegen die Hamas

Der israelische Verteidigungsminister Barak betonte, dass sich die Luftangriffe nicht gegen die palästinensische Bevölkerung richteten, sondern gegen die Hamas. Die Organisation solle gezwungen werden, ihre "feindlichen Aktionen" gegen die israelische Zivilbevölkerung einzustellen.

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Merkel gibt Hamas die alleinige Schuld

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab der Hamas die alleinige Schuld an der Eskalation. "Die Bundeskanzlerin legt Wert darauf, dass bei der Beurteilung der Situation im Nahen Osten Ursache und Wirkung nicht vertauscht werden oder Ursache und Wirkung nicht in Vergessenheit geraten", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Der Konflikt könne nur durch einen politischen Prozess geregelt werden, an dessen Ende eine "Zwei-Staaten-Lösung" stehen müsse. An die Hamas richtete die Bundesregierung die Aufforderung, den Beschuss von israelischen Siedlungen mit Raketen "sofort und dauerhaft" einzustellen.

Washington: Hamas zeigt ihr wahres Gesicht

Auch das Weiße Haus machte erneut die Hamas für die jüngste Entwicklung verantwortlich. Diese habe mit ihren andauernden Attacken trotz der Waffenruhe in den vergangenen sechs Monaten einmal mehr ihr wahres Gesicht als eine Terroristenorganisation gezeigt, sagte Sprecher Gordon Johndroe.

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Hintergrund Der Gazastreifen

Israel öffnet Grenzübergang

Israel öffnete unterdessen einen Grenzübergang in den Gazastreifen, den bis zum Mittag etwa 40 Lastwagen mit Hilfsgütern passierten, wie ein Militärsprecher mitteilte. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erreichten drei Lastwagen mit Blutkonserven und anderen medizinischen Hilfsgütern den Gazastreifen.

Lastwagen mit Hilfsgütern unterwegs

Auch Ägypten erlaubte mehreren Lastwagen mit Hilfsgütern die Einfahrt in den Grenzübergang Rafah, wo sie entladen werden sollten. Ägypten nahm auch schwerverletzte Palästinenser aus dem Autonomiegebiet auf. Bei Schusswechseln zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und Palästinensern entlang der Grenze wurde unterdessen ein Soldat erschossen, fünf Sicherheitskräfte und ein acht Jahre altes ägyptisches Kind wurden verletzt.

Über 300 Angriffe geflogen

Seit Beginn der Operation "Gegossenes Blei" am Samstag hat die israelische Luftwaffe mehr als 300 Angriffe geflogen. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde stieg die Zahl der Toten auf mindestens 350. Mindestens 1650 Menschen seien verletzt worden. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder.


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