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Israels Soldaten brechen ihr Schweigen

Gräuel im Gaza-Krieg  

Israels Soldaten brechen ihr Schweigen

15.07.2009, 15:36 Uhr | dpa , AFP , dapd

Israelische Soldaten trauern um einen im Gaza-Krieg getöteten Kameraden (Foto: Reuters)Israelische Soldaten trauern um einen im Gaza-Krieg getöteten Kameraden (Foto: Reuters)

Israelische Soldaten haben ihrer Militärführung erneut vorgeworfen, sie während des jüngsten Gaza-Kriegs zu mutwilliger Zerstörung und Gewalt gegen palästinensische Zivilisten ermutigt zu haben. Die vor fünf Jahren gegründete israelische Organisation "Breaking the Silence" veröffentlichte einen entsprechenden Bericht mit 54 anonymen Aussagen von Kampfsoldaten, die zur Jahreswende an der dreiwöchigen Militäroffensive "Gegossenes Blei" teilnahmen. Bei dem Einsatz, der am 18. Januar endete, waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und 5000 weitere verletzt worden.

Die israelische Armee wies die Vorwürfe zurück: Sie bedauere, "dass eine weitere Menschenrechtsorganisation Israel und der Welt einen Bericht vorlegt, der auf anonymen und allgemeinen Zeugenaussagen basiert, ohne ihren Hintergrund und ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen". Es handele sich um "Diffamierung und Verleumdung der israelischen Armee und ihrer Kommandeure". Die Soldaten hätten sich immer korrekt verhalten, erklärte die Armeeführung.

Phosphorbomben auf Zivilisten?

In dem jüngsten Bericht werden Zeugenaussagen zitiert, nach denen Häuser und Moscheen unnötig zerstört und Phosphorbomben in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt worden sein sollen. Zudem wird berichtet, Soldaten seien zu wildem, ziellosem Schießen ermutigt worden. Armeeangehörige hätten auch grundlos auf Wassertanks geschossen und Computer, Fernseher und andere Gegenstände in privaten Wohnungen zerstört. In mehreren Berichten war die Rede davon, dass palästinensische Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" eingesetzt wurden.

"Hass und Freude am Töten"

Die Kommandeure hätten den Soldaten vermittelt, dass sie ohne moralische Einschränkungen vorgehen können. Das wichtigste sei, dass kein israelisches Leben verloren gehe. Einer der Soldaten erzählte, sein Kommandeur habe gesagt: "Keinem meiner Soldaten soll ein Haar gekrümmt werden und ich bin nicht bereit, es einem Soldaten zu erlauben, sich selbst durch Zögern zu gefährden. Wenn Du nicht sicher bist - schieße!" Im Zweifelsfalle habe man getötet. "Die Feuerkraft war wahnsinnig." Ein anderer Soldat berichtete von "Hass und Freude am Töten" unter seinen Kameraden.

"Das System ist schuld"

"Man fühlt sich wie ein kleines Kind mit einem Vergrößerungsglas, das Ameisen anschaut und sie verbrennt", sagte ein anderer Soldat dem Bericht zufolge. "Ein 20-Jähriger sollte anderen Menschen nicht diese Dinge antun müssen." Michael Manekin von "Breaking the Silence" erklärte, die Zeugenaussagen bewiesen, "dass die unmoralische Art und Weise, auf die der Krieg geführt wurde, Schuld des Systems und nicht des individuellen Soldaten war". "Dies ist ein dringender Aufruf an die israelische Gesellschaft und Führung, einen unverschleierten Blick auf die Dummheit unserer Politik zu werfen."

670 Berichte gesammelt

Jehuda Saul, einer der Gründer von "Breaking the Silence, sagte, es sei wichtig, dass die israelische Gesellschaft wisse, was während der Gaza-Offensive passiert sei. Mit dem Bericht solle die Bevölkerung informiert werden, um eine Diskussion darüber in Gang zu bringen, wofür das israelische Volk stehe. Die Organisation wurde 2004 gegründet und hat seither Berichte von 670 ehemaligen Soldaten im Westjordanland und im Gazastreifen gesammelt. In Israel gilt die allgemeine Wehrpflicht für junge Männer und Frauen.

Amnesty-Bericht mit ähnlichen Vorwürfen

Anfang Juli hatte bereits die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht über die Gaza-Offensive der israelischen Armee und der radikalislamischen Hamas-Organisation Kriegsverbrechen vorgeworfen. Schon damals lauteten die Vorwürfe gegen die Armee ähnlich: Sie soll über dicht besiedelten Gebieten Phosphorgranaten abgeschossen und Zivilisten, unter ihnen Kinder, als menschliche Schutzschilde benutzt haben. Außerdem sollen die Soldaten nicht zwischen zivilen und militärischen Zielen unterschieden haben.


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