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Ägypten: Streit über Gesichtsschleier spaltet Islam-Gelehrte

Ägypten  

Schleier-Streit spaltet Islam-Gelehrte

06.10.2009, 15:48 Uhr | dpa

Der Gesichtsschleier sorgt in Ägypten für Streit zwischen Islam-Gelehrten (Foto: dpa)Der Gesichtsschleier sorgt in Ägypten für Streit zwischen Islam-Gelehrten (Foto: dpa)

Der Vorsitzende des renommierten Islam-Instituts Al-Azhar in Kairo, Scheich Mohammed Said Tantawi, hat mit einer Schimpftirade gegen den Gesichtsschleier den Zorn konservativer Kreise auf sich gezogen. Der saudische Scheich und Gelehrte des Instituts für islamische Rechtswissenschaft in Saudi-Arabien, Mohammed al-Nodschaimi, prophezeite als Folge sogar eine Spaltung der Gesellschaft. "Ich hoffe, dass Scheich Tantawi seine Meinung ändern wird", sagte er, "denn sonst wird dies die ägyptische Gesellschaft in zwei Lager spalten".

Tantawis Behauptung, das Tragen des Gesichtsschleiers (arabisch "Nikab") sei eine Tradition, die mit dem Islam nichts zu tun habe, bezeichnete der konservative Rechtsgelehrte als falsch. "Der Nikab ist in den Berichten über die Überlieferungen des Propheten erwähnt", sagte al-Nodschaimi. "Dort heißt es, dass die muslimische Frau den Gesichtsschleier nur während der Zeit der Wallfahrt nach Mekka nicht tragen solle, und das beweist doch, dass sie ihn außerhalb dieser Zeit getragen hat."

"Das sind nur Traditionen"

Tantawi hatte am vergangenen Wochenende während einer Inspektion in einem Lehrinstitut der Al-Azhar in Kairo ein Mädchen gezwungen, seinen Gesichtsschleier abzulegen. Dann sagte er der Schülerin, sie sei nicht so hübsch, dass sie ihr Gesicht vor aufdringlichen Blicken schützen müsste. Anschließend kündigte er an, er wolle das Tragen des Schleiers, der nur einen Sehschlitz freilässt, auf dem Gelände des Instituts verbieten lassen. Zu den Schülerinnen sagte er: "Das sind nur Traditionen, mit dem Islam hat dieser Schleier nichts zu tun."

Kritik aus dem Parlament

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Muslimbruderschaft im ägyptischen Parlament, Hamdi Hassan, hatte Tantawi anschließend heftig kritisiert. Die Website der offiziell verbotenen Islamisten-Bewegung zitierte Hassan mit den Worten: "Weiß seine Exzellenz denn nicht, dass er, wenn er ein religiöses Institut besucht, dort viele Mädchen mit Gesichtsschleiern vorfinden wird? Wenn er ein Institut besuchen will, in dem es keine Verschleierten gibt, dann soll er doch ein Institut für Bauchtanz besuchen."

Gesichtsverhüllung hat zugenommen

Die Mehrheit der Ägypterinnen trägt das islamische Kopftuch. In den vergangenen zehn Jahren hat darüber hinaus die Zahl der Frauen zugenommen, die - wie in Saudi-Arabien üblich - zusätzlich auch ihr Gesicht verhüllen. Die ägyptische Regierung beobachtet diese Entwicklung mit Sorge.


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