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Bundeswehr in Kundus "wirkungslos"

Gouverneur Omar in Afghanistan  

Bundeswehr in Kundus "wirkungslos"

19.02.2010, 11:52 Uhr | dpa

Afghanistan: Gouverneur Mohammad Omar übt schwere Kritik an der Bundeswehr in Kundus (Foto: dpa)Afghanistan: Gouverneur Mohammad Omar übt schwere Kritik an der Bundeswehr in Kundus (Foto: dpa) Der Gouverneur der nordafghanischen Unruheprovinz Kundus hat den dortigen Einsatz der Bundeswehr als "wirkungslos" kritisiert. Angesichts der schlechten Sicherheitslage in der Region forderte Gouverneur Mohammad Omar mehr amerikanisches Engagement.

"Wir haben einen Feind und wissen, dass er uns töten will", sagte er mit Blick auf die Taliban. "Unsere (deutschen) Freunde beobachten das und retten uns nicht. Nun müssen wir unsere anderen (amerikanischen) Freunde bitten, uns zu retten." Omar verteidigte zugleich den von der Bundeswehr im vergangenen September angeordneten Luftangriff.

Bundeswehrsprecher: Sicherheitslage deutlich verbessert

Der Sprecher der Bundeswehr in Kundus, Jürgen Mertins, sagte: "In den vergangenen Monaten haben wir eine ganze Reihe von Operationen im Raum Kundus durchgeführt zusammen mit der afghanischen Seite. Wir meinen, dass sich die Sicherheitslage im Raum Kundus dadurch deutlich verbessert hat." Die Bundeswehr arbeite sehr gut mit den afghanischen Sicherheitskräften zusammen. "Es ist durchaus verständlich, dass der Gouverneur die angekündigte Truppenverstärkung vonseiten der USA in der ihm eigenen Art willkommen heißt."

Deutsche Soldaten beschießen afghanischen Zivilisten

Erst an diesem Freitag hat es derweil in der Provinz Kundus einen Zwischenfall gegeben, bei dem deutsche Soldaten einen afghanischen Zivilisten beschossen und verletzt haben. Der Mann sei mit seinem Wagen auf die Soldaten zugefahren und habe trotz aller Warnsignale nicht gebremst, sagte Mertins. Dies passierte in der Unruheprovinz Char Darah zehn Kilometer westlich des Bundeswehrlagers. Der Zivilist sei im Wiederaufbauteam in Kundus operiert worden.

Mohammad Omar, der Gouverneur der Provinz Kundus, fordert mehr amerikanisches Engagement in Afghanistan (Foto: dpa)Mohammad Omar, der Gouverneur der Provinz Kundus, fordert mehr amerikanisches Engagement in Afghanistan (Foto: dpa)

Omar: "Effektivere Länder" als Deutschland

Omar sagte, er und der Provinzrat hätten vorgeschlagen, dass von den 30.000 zusätzlichen US-Soldaten in Afghanistan 3000 alleine in Kundus stationiert würden. "Wenn man den Terrorismus beseitigen will, sind ernsthafte Handlungen gefragt." Die deutschen Soldaten wollten möglicherweise gegen die Taliban vorgehen, der Bundestag lege ihnen aber Steine in den Weg. "Das Parlament will nicht, dass Soldaten dabei getötet werden, wenn sie Aufständische bekämpfen." Die Verbesserung der Sicherheitslage in der Provinz sei allein durch US-Sondereinheiten und afghanische Kräfte erzielt worden. Die Bundeswehr sei dagegen "wirkungslos" gewesen. Um die Sicherheit in Kundus sollten sich künftig daher "effektivere Länder" kümmern.

Zu wenig afghanische Polizisten in Kundus

Von den angekündigten zusätzlichen 30.000 US-Soldaten soll die überwiegende Mehrheit in den unruhigen Süden und Osten, ein kleinerer Teil aber auch in den deutschen Verantwortungsbereich im Norden Afghanistans geschickt werden. Eine genaue Zahl für den Norden steht noch nicht fest. Omar sagte, ihm fehlten in der Provinz Kundus 1500 afghanische Polizisten, was er den Deutschen bereits vor einem Jahr mitgeteilt habe, ohne dass sich die Lage geändert habe. Deswegen sei auch der umstrittene Einsatz von Stammesmilizen gegen die Taliban in der Region gerechtfertigt. "Wir haben keine andere Option."

Gouverneur: Luftangriff war "richtig"

Aus seiner Sicht als Gouverneur sei der umstrittene und von der Bundeswehr angeordnete Luftangriff auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen im vergangenen September "richtig" gewesen, erklärte Omar. Bei den von dem Bombardement getöteten Zivilisten habe es sich um Angehörige von Aufständischen gehandelt. Omar kritisierte zugleich mangelnden Wiederaufbau in Kundus. Die Deutschen sollten ihre Anstrengungen auf die von ihnen verantwortete Provinz konzentrieren, statt Hilfsgelder über die Zentralregierung in Kabul auf das ganze Land zu verteilen, forderte der Gouverneur.

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