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Prozess in Den Haag: Karadzic weist Muslimen Schuld am Bosnienkrieg zu

Prozess vor UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag  

Karadzic weist Muslimen Schuld am Bosnienkrieg zu

| afp,dpa, dpa

Prozess in Den Haag: Karadzic weist Muslimen Schuld am Bosnienkrieg zu. Prozesse: Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (Foto: AP)

Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (Foto: AP)

Der frühere Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, hat in seinem Prozess wegen Völkermordes erneut alle Schuld am Bosnienkrieg von sich gewiesen. Bei der Fortsetzung seiner Verteidigungsrede vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag machte er am Dienstag wie bereits am Vortag geltend, dass Gewalttaten serbischer Milizen und Soldaten gegen Muslime und Kroaten lediglich der Verteidigung einer bedrohten serbischen Bevölkerung dienten.

Am Montag hatte Karadzic nach einer mehrmonatigen Verzögerung seines Verfahrens erstmals zur Anklage wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Fällen Stellung genommen.

"Gerechter und heiliger Kampf"

Dabei erklärte er, die Serben hätten während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 einen "gerechten und heiligen Kampf" geführt, um ihre Vertreibung durch die bosnischen Muslime und Kroaten zu verhindern. Die Muslime hätten mit ihrem Streben nach einem souveränen und unabhängigen Bosnien den Krieg provoziert. Die bosnischen Serben seien dagegen nie für eine "Kriegslösung" gewesen und hätten "um des Friedens willen" viele Zugeständnisse gemacht, sagte Karadzic. "Es gab niemals die Absicht, die Idee oder noch weniger einen Plan, die Muslime und Kroaten aus Bosnien zu vertreiben." Bei dem Krieg sei es einzig um den Schutz "unserer Köpfe, unseres Eigentums und unserer Gebiete" gegangen, sagte der Ex-Serbenführer.

Völkermord heruntergespielt

Die Äußerungen Karadzics lösten Empörung bei Angehörigen von Opferverbänden wie der Gruppe "Mütter von Srebrenica" aus, die vor dem Gerichtsgebäude in Den Haag protestierten. Als einer der Hauptverantwortlichen für den Tod von etwa 100.000 Menschen während des Bosnienkrieges sei Karadzic nicht einmal bereit, die Opfer zu bedauern und zeige keinerlei Reue, erklärten Sprecher. Die deutsche Gesellschaft für bedrohte Völker erklärte, Karadzic versuche den Völkermord an bosnischen Muslimen als "Selbstverteidigung" herunterzuspielen.

Karadzic versucht Zeugenanhörung zu verzögern

Am Mittwoch soll der Prozess, in dem Karadzic eine lebenslange Haftstrafe droht, mit den ersten Vernehmungen von Zeugen der Staatsanwaltschaft fortgesetzt werden. Der Angeklagte, der sich weiterhin selbst verteidigt, hat bislang vergeblich eine Verschiebung der Zeugenanhörung verlangt. Zur Begründung erklärte er einmal mehr, er habe nicht genügend Zeit zur Vorbereitung gehabt. Es sei daher nicht sicher, ob Karadzic am Mittwoch vor dem Tribunal erscheinen und sich an einem Kreuzverhör von Zeugen beteiligen werde, erklärte dessen US-amerikanischer Rechtsberater Peter Robinson.

Nach 13 Jahren Flucht gefasst

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-95) verantworten. Im Mittelpunkt der Anklage steht das Massaker von Srebrenica, bei dem mehrere tausend muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die insgesamt elf Anklagepunkte beziehen sich auch auf die fast zweijährige Belagerung von Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Karadzic war im Juli 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad gefasst worden. Ihm droht für den Fall einer Verurteilung lebenslange Haft.



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