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Bundeswehr: Vier Tote und fünf verletzte Soldaten in Afghanistan

Vier Tote und fünf verletzte Soldaten in Afghanistan

25.04.2010, 10:34 Uhr | AFP,dpa,apn, dapd, dpa, AFP

Schock für die Bundeswehr: Schon wieder sind deutsche Soldaten in Nordafghanistan getötet worden. Bei schweren Gefechten mit Aufständischen kamen am Donnerstag vier Soldaten ums Leben. Fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Unter den fünf Verwundeten seien zwei Schwerverletzte. Einer von ihnen werde in Kundus, die anderen vier im Feldlager Masar-i-Scharif behandelt. Ein Ministeriumssprecher sagte, die gemeinsam mit afghanischen Soldaten geführte militärische Operation gehe weiter.

Gepanzertes Fahrzeug von Rakete getroffen

Ein gepanzertes Fahrzeug vom Typ "Eagle" wurde vermutlich von einer Rakete getroffen. Der Angriff ereignete sich gegen 12 Uhr deutscher Zeit sechs Kilometer nördlich der Stadt Baghlan, die rund 100 Kilometer südlich von Kundus liegt.

Weiter im umkämpften Raum

Afghanische, deutsche und andere internationale Truppen lieferten sich nach Auskunft des örtlichen Polizeisprechers Habib Rahman Gefechte mit rund 400 Taliban-Kämpfern. Sie setzen dabei schwere Waffen ein. Rahman sagte, drei afghanische Polizisten seien ums Leben gekommen. Nach Auskunft des deutschen Verteidigungsministeriums befanden sich die Bundeswehr-Truppen noch Stunden nach dem tödlichen Zwischenfall in dem umkämpften Einsatzraum in Gefechten.

Schwerster Anschlag seit 2003

Der neuerliche Anschlag war der schwerste Verlust der Bundeswehr in Afghanistan seit dem Sommer 2003. Seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan im Jahr 2002 sind damit insgesamt 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, 26 von ihnen bei Anschlägen oder Gefechten. Erst am Karfreitag waren drei deutsche Soldaten bei einem Feuergefecht mit radikal-islamischen Taliban bei Kundus getötet und acht verletzt worden.

Guttenberg verlängert Besuch

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verlängerte seinen Besuch in der Krisenregion. Er flog ins Feldlager nach Masar-i-Sharif, wohin auch Verletzte gebracht wurden. Er zeigte sich "tief traurig" und sagte, es habe sich offenbar "um einen besonders tragischen Fall gehandelt".

Guttenberg gegen Abzug

Zu Forderungen nach einem Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan hatte Guttenberg bereits am Mittwochabend erklärt: "Das Risiko für unsere Sicherheit wird genau dann größer, wenn wir Afghanistan zum jetzigen Zeitpunkt sich selbst überlassen würden." Die Lage in der Region sei sehr instabil, daher müsse die NATO Stabilität schaffen. An einen Abzug sei zu denken, "wenn die Ausbildungserfolge sichtbar sind, so dass auch die Afghanen einen Teil ihrer Sicherheit selbst übernehmen können".

Karte Afghanistans (Grafik: dpa)Karte Afghanistans (Grafik: dpa)Merkel: "Gibt keine Alternative"

Kanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der bei einem Taliban-Angriff in Afghanistan getöteten und verletzten Soldaten ihr tiefes Beileid erklärt. "Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen", sagte die Kanzlerin. Wichtig sei, dass die Soldaten wüssten, dass die Bundesregierung in dieser schwierigen Stunde hinter ihnen stehe. Das Bundestagsmandat für den Einsatz in Afghanistan müsse nicht geändert werden, sagte Merkel vor dem Hintergrund entsprechender Äußerungen aus der SPD. Es sei ein sehr sorgfältig ausgearbeitetes Mandat, mit dem die Soldaten ihre Aufgaben erfüllen könnten. Auf die Frage, ob der Einsatz politisch noch zu rechtfertigen sei und weiter Unterstützung in der Bevölkerung habe, sagte sie: "Ich glaube, dass es keine vernünftige Alternative gibt."

Westerwelle: "Angriff trifft alle Deutschen"

Außenminister Guido Westerwelle hat den tödlichen Angriff verurteilt und den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl ausgesprochen. "In dieser schweren Stunde sind all unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Opfern, ihren Familien und Angehörigen, ihren Kameraden und Freunden", erklärte der FDP-Politiker. Den Verletzten wünsche er Kraft und eine möglichst rasche Genesung. Der Vizekanzler erklärte weiter: "Ich verurteile diesen hinterhältigen Angriff mit aller Schärfe. Er traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen."

Steinmeier verurteilt Anschläge

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, hat sich "tief erschüttert" über den Tod deutscher Soldaten in Afghanistan geäußert. "Wir Sozialdemokraten verurteilen den feigen und hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste", erklärte Steinmeier.

Grüne bestürzt

Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Hoff, rief in Erinnerung: "Die Soldaten opferten in Afghanistan ihr Leben, um ihren Auftrag zu erfüllen, die afghanische Bevölkerung zu schützen und beim Wiederaufbau des Landes zu helfen." Bestürzt zeigten sich auch die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. "Wir verurteilen diesen feigen und abscheulichen Anschlag der Taliban auf die gemeinsame Patrouille deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten aufs Schärfste."

Bundeswehrverband wütend

Die Linken nahmen den Anschlag erneut zum Anlass, den sofortigen Abzug der Truppe aus Afghanistan zu fordern. "Ein weiterer Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan ist absolut unverantwortlich", erklärte die Verteidigungsexpertin Inge Höger. Der Bundeswehrverband zeigte sich "bestürzt und wütend". Spätestens jetzt dürften Politik und Öffentlichkeit nicht mehr die Augen davor verschließen, in welch kriegsähnlicher Situation sich die Bundeswehr vor allem im Raum Kundus seit langem befinde, erklärte Verbandsvize Wolfgang Schmelzer.

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