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Deutsche Firma vermittelt Söldner nach Somalia

Deutsche Firma vermittelt Söldner nach Somalia

25.05.2010, 09:00 Uhr | ckr, AFP

. Die Homepage der Firma Asgaard. Sie will nach eigenen Informationen Ex-Bundeswehrsoldaten an einen Politiker im Bürgerkriegsland Somalia vermieten. (Foto: Screenshot)

Die Homepage der Firma Asgaard. Sie will nach eigenen Informationen Ex-Bundeswehrsoldaten an einen Politiker im Bürgerkriegsland Somalia vermieten. (Foto: Screenshot)

Eine deutsche Firma hat nach ARD-Informationen mehr als hundert ehemalige Bundeswehrsoldaten als Söldner nach Somalia vermittelt. Im Auftrag eines an die Macht strebenden somalischen Politikers habe die Firma Asgaard German Security Group bereits ein Söldnerteam in das Bürgerkriegsland geschickt, berichteten NDR Info sowie "tagesschau.de" am Wochenende (Link zur Foto-Serie).

Asgaard-Geschäftsführer Thomas Kaltegärtner bestätigte im Gespräch mit t-online.de die Pläne, sagte jedoch, die Ex-Soldaten befänden sich derzeit noch in Deutschland in Wartestellung.

"Maßnahmen, die notwendig sind, um Sicherheit und Frieden wieder herzustellen"

Sowohl Kaltegärtner, als auch der betroffene somalischer Politiker Galadid Abdinur Ahmad Darman bestätigten allerdings die Existenz eines Vertrages zur Entsendung von ehemaligen Bundeswehrsoldaten. Die zunächst für fünf Jahre getroffene Vereinbarung umfasse Aufgaben "der strategischen Beratung und Planung" sowie alle "Maßnahmen, die notwendig sind, um Sicherheit und Frieden wiederherzustellen". Asgaard schreibt auf seiner Homepage auch von "Sicherheitsdienstleistungen", die in Somalia durchzuführen seien – eine häufige Umschreibung für die Dienste von Söldnern.

"Gewählter Präsident"

Der Politiker Darman ergänzte, die vermittelten deutschen Söldner sollten seine Truppen trainieren und "gemeinsam mit unseren Einheiten kämpfen". Der 57-Jährige bezeichnete sich selbst als "gewählten Präsidenten der Republik Somalia" und sprach der Übergangsregierung von Präsident Sharif Sheikh Ahmed die Legitimation ab.

Warten auf Billigung der UN

Sobald Darman mit Billigung der UN die Staatsgeschäfte wieder aufgenommen habe, werde Asgaard die Ausbildung, Ausrüstung und Versorgung von Polizei und des Militärs sowie "der Feuerwehren, des Gesundheitswesen und Katastrophenschutzes" übernehmen, heißt es bei Asgaard. Man wolle ausdrücklich eng mit der Bundesregierung zusammenarbeiten - die unterstützt allerdings die Übergangsregierung, die Darman ablehnt. Asgaard vermittelt laut Homepage ehemalige Soldaten, die mindestens vier Jahre bei Bundeswehr oder NVA gedient haben.

Nur ein weiterer Warlord?

Ob es jemals zu einer Anerkennung Darmans durch die UN kommt ist jedoch zweifelhaft. Der Politiker - einer der Führer des mächtigen Hawiye-Clans - leitet seinen Machtanspruch laut "tagesschau.de" aus einem gescheiterten Versöhnungsprozess ab, aus dem er als Präsident hervorgegangenen sein will. Mit anderen Worten: Asgaard unterstützt möglicherweise einen weiteren künftigen Warlord. Darman sei demokratisch gewählt und werde von den anderen Clans unterstützt behauptet indes Kaltegärtner im Gespräch mit t-online.de.

Expertin warnt

In dem ARD-Bericht wird die Expertin Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik mit der Einschätzung zitiert, ein neuer bewaffneter Akteur werde in Somalia "sicherlich keine friedlichen Auswirkungen" haben. "Wenn jetzt eine deutsche Firma eine somalische Miliz ausbildet und unterstützt, dann geht das sicherlich gegen die Interessen Deutschlands", so Weber.

Übergansregierung, Shabab-Milizen - und jetzt Darman

Somalia befindet sich seit 1991 Bürgerkrieg. Seit dem Jahr 2004 herrscht offiziell eine Übergangsregierung unter Präsident Sharif Sheikh Ahmed. Sie hat ihren Sitz in der Stadt Baidoa, da die Hauptstadt Mogadischu aufgrund der Präsenz zerstrittener Clans wie den Hawiye als Regierungssitz zu gefährlich ist. In Mogadischu und in anderen Landesteilen eroberte Mitte 2006 die "Union islamischer Gerichte" die Macht von den bis dahin herrschenden Kriegsherren. Diese taliban-ähnliche Vereinigung und ihre sogenannten Shabab-Milizen haben eine Ordnung streng nach der Schari'a durchgesetzt und bekämpfen die Übergangsregierung. Heute befinden sich weite Gebiete Mogadischus sowie des Südens und des Zentrums des Landes in ihrer Hand. Sowohl die Europäische als auch die Afrikanische Union sowie Äthiopien unterstützen dagegen die Übergangsregierung. In dieser Gemengelage beansprucht nun der von Asgaard unterstützte Darman die Macht.

Neue Kämpfe in Mogadischu

Bei Gefechten in Somalia wurden am Wochenende mindestens 14 Zivilisten getötet worden. Mitglieder der radikalislamischen Shabab-Milizen griffen in der Nacht zum Sonntag den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Mogadischu an, während sich Präsident Sharif Sheikh Ahmed zu einer Konferenz in der Türkei aufhielt. Soldaten der Afrikanischen Union (AU) schlugen die Attacke zurück.

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