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Tunesien: Lage in Tunis weiter angespannt

Lage in Tunis weiter angespannt - weitere Tote in der Nacht auf Donnerstag

13.01.2011, 21:53 Uhr | dpa, AFP

Tunesien: Lage in Tunis weiter angespannt. 'Tunesien Schwere Ausschreitungen in der Nähe der Hauptstadt Tunis (Foto: Reuters)

Schwere Ausschreitungen in der Nähe der tunesischen Hauptstadt Tunis (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

In der tunesischen Hauptstadt Tunis ist die Situation nach den Krawallen vom Mittwochabend weiter äußerst angespannt. Allein in der Nacht auf Donnerstag sollen nach Informationen der Internationalen Menschenrechtsliga acht Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Augenzeugenberichten wurden viele von Sicherheitskräften erschossen. Das internationale Menschenrechtsbündnis FDHI berichtet von 50 Verletzten.

In mehreren Armenvierteln von Tunis hatte es am Abend trotz einer Ausgangsperre wieder Proteste gegen den Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali gegeben. Dieser wird für die hohe Arbeitslosigkeit, für Korruption und Polizeigewalt verantwortlich gemacht.

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Der seit Mitte Dezember anhaltende Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit hat sich mittlerweile zu einer regimekritischen Massenbewegung ausgeweitet. Ben Ali hatte am Mittwoch den Innenminister gefeuert und verkündet, inhaftierte Demonstranten freizulassen.

Polizeiwachen in Brand gesteckt

In Tunis fuhren Krankenwagen mit heulenden Sirenen durch die Stadt, mehrere Polizeiwachen wurden in Brand gesteckt. In den Straßen waren bis spät in den Abend Schüsse zu hören. Unklar war, ob Tränengas oder scharfe Munition verschossen wurde.

Die erneuten Proteste hatten bereits am Mittwochnachmittag begonnen, die Polizei ging mit Tränengas gegen die zumeist jungen Demonstranten vor. In der Nacht setzten sich die Auseinandersetzungen laut Augenzeugen fort. Noch am Donnerstagmorgen waren über zwei Gebäuden Rauchsäulen zu sehen - die Feuerwehr versuchte, in den von Schutt übersäten Straßen mehrere Feuer zu löschen. Mehrere Gebäude wurden beschädigt, zum Teil waren die Fensterscheiben geborsten.

Die Demonstranten hätten die Abdankung des autokratischen Langzeitpräsidenten Ben Ali gefordert und ihn und seine Familie verunglimpft, berichteten Gewerkschaftssprecher. Auch aus anderen Teilen des Landes gab es Berichte über erneute Krawalle. In der rund 450 Kilometer von Tunis entfernten Stadt Gafsa soll die Polizei nach Angaben von Augenzeugen vor den Demonstranten geflohen sein. Mehrere Geschäfte seien geplündert worden.

In Douz im südlichen Teil des Landes sollen am Mittwoch mindestens vier Menschen bei Ausschreitungen ums Leben gekommen sein. Unter den Toten ist nach französischen Medienberichten auch ein franko-tunesischer Universitätsdozent, der Urlaub in seiner Heimat machte.

Armee zieht sich zurück

Unterdessen zog sich die Armee aus Tunis zurück. Stattdessen wurden Spezialeinheiten der Polizei im Zentrum stationiert, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Einsatzkommandos der Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen lösten die der Armee vor zentralen Plätzen und Verkehrsknotenpunkten ab.

Bei den Opferzahlen der Krawalle gehen die Angaben weit auseinander. Nach Informationen der Internationalen Menschenrechtsliga sind bislang 66 Menschen getötet worden. Die Regierung gibt nur mit Verzögerung Zahlen bekannt. Der letzte offizielle Stand von Dienstagabend lag bei 21.

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